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Zwei Personen machen Fitnessübungen in einem öffentlichen Fitnesspark.

Quelle: Caftor / 123.rf

Gesundheitsförderung und Prävention

Gesunde Lebenswelten schaffen

Zwei Personen machen Fitnessübungen in einem öffentlichen Fitnesspark.

Quelle: Caftor / 123.rf

Deutschland fällt bei der Lebenserwartung und bei den gesunden Lebensjahren hinter den EU-Durchschnitt zurück. Ein Grund: Chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Adipositas, Atemwegserkrankungen oder Krebs sind in Deutschland sehr häufig oder nehmen sogar zu. Das Gesundheitswesen benötigt immer mehr finanzielle Mittel, um sie zu bewältigen. Dabei wird vergessen, dass man einen Großteil mit gesundheitsfördernden Maßnahmen verhindern kann.

Rahmenbedingungen, die gesundes Leben erleichtern

Für eine wirksame Gesundheitsförderung reicht der Blick auf das Gesundheitssystem allein allerdings nicht aus. Notwendig sind Rahmenbedingungen, die gesundes Leben im Alltag erleichtern, von bezahlbarer und guter Ernährung über gesunde Arbeitsbedingungen und sauberer Luft bis hin zu einer bewegungsfreundlichen Verkehrs- und Stadtplanung. Gesundheitsförderung ist eine Aufgabe, die viele Politikbereiche betrifft.

Forderungen

  • Gesundheit als Querschnittsaufgabe: Public-Health-Strategie als verbindliche, gesundheitsförderliche Gesamtpolitik installieren.
  • Klimakrise entschlossen angehen: Emissionen senken, klima-/gesundheitsschädliche Subventionen überprüfen sowie Städte und Infrastruktur klimaresilient gestalten.
  • Energie- und Wärmewende: Ausbau erneuerbare Energien vorantreiben und die Kosten fair verteilen. Anreize und Rahmenbedingungen schaffen, die Verbraucher:innen ein klimaschützendes Leben ermöglichen.
  • Ausgewogene Ernährung: Gestaffelte Herstellerabgabe für Süßgetränke einführen und die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte streichen. Gesetzliche Obergrenzen für Fett, Salz und Zucker in Kinderprodukten und Werbebeschränkungen für an Kinder gerichtete Lebensmittel einführen.
  • Digitales Leben: Digitale Dienste so ausgestalten, dass sie für alle sicher sind und keine Risiken für die psychische Gesundheit bergen.
  • Lebensräume lebenswert gestalten: Sitzgelegenheiten und Begrünung sowie Begegnungszentren und Erholungsorte schaffen, Menschen mit sicheren Fuß- und Radwegen und kluger Parkraumbewirtschaftung zur Bewegung anregen, Luftqualität verbessern.
  • Informierte Entscheidungen ermöglichen, ob im Supermarkt, beim Medienkonsum, beim Umgang mit Ressourcen und Energie oder bei der Krankenhauswahl. Mit mehr Transparenz auf den Märkten und Verbraucherbildung an allen Schulen. 
  • Gesundheit für alle: Gesundheitliche Chancengleichheit schaffen, Zugänge für schwer erreichbare Zielgruppen verbessern, Diskriminierung und Stigmatisierung vermeiden.

Gesundheitsförderung ist ein sozialer und gesundheitspolitischer Ansatz: Ziel ist die Verbesserung von gesundheitsrelevanten Lebensbedingungen wie Lebensweisen. Sie zielt einerseits auf ökonomische, soziale, ökologische und kulturelle Einflussfaktoren und auf politische Maßnahmen. Gesundheitsförderung will die Handlungs- und Wahlmöglichkeiten der Menschen erweitern, sodass die „gesündere“ Wahl zur leichteren Wahl wird. Während Prävention darauf abzielt, Risikofaktoren von Krankheiten zurückzudrängen, widmet sich die Gesundheitsförderung der Verbesserung der Bedingungen für Gesundheit. Ein zentraler Aspekt der Gesundheitsförderung ist es, allen Menschen die gleichen Gesundheitschancen und die gleichen Zugänge zur gesundheitlichen und medizinischen Versorgung zu schaffen.

Prävention hat das Ziel, Risikofaktoren für Krankheiten zu senken, etwa durch ausgewogene Ernährung, geringen Alkoholkonsum und Verzicht auf Tabakkonsum. Prävention bezieht sich meist auf ganz konkrete Erkrankungen und Erkrankungsrisiken. Typische Präventionsmaßnahmen sind zum Beispiel das Impfen oder die gezielte Krebsfrüherkennung (z.B. bei familiärer Häufung von Darmkrebs) oder Reha-Maßnahmen nach überstandener Erkrankung oder nach Operationen. Prävention ist häufig auf das individuelle Verhalten von Verbraucher:innen gerichtet (z.B. durch Aufklärungsmaßnahmen). Geht es um die Gestaltung von Verhältnissen, etwa den Ausbau von Schulsport, ist der Übergang zur Gesundheitsförderung fließend.

Gesundheit entsteht bei weitem nicht nur durch medizinische Versorgung. Die größten Einflussfaktoren liegen außerhalb des Gesundheitswesens. Deshalb muss Gesundheit auf allen Ebenen und in allen Politikbereichen auf die politische Tagesordnung. Gesundheit wird dann zur Querschnittsaufgabe aller Ministerien und aller föderalen Ebenen, also in Bund, Ländern und Gemeinden. Das betrifft Ernährung, Verkehr, Stadtentwicklung, den digitalen Raum und noch vieles mehr.

Es ist wichtig, dass Verbraucher:innen sich mit ihrer Gesundheit beschäftigen. Zugleich können sie viele Faktoren nicht selbst beeinflussen. Wie sauber die Luft im Wohngebiet ist, wie gesundheitsförderlich oder krankmachend der eigene Arbeitsplatz ist oder wie ausgewogen das Essen in der Kantine ist, liegt nicht in den Händen der einzelnen Person. Darum braucht es eine Politik, die gesunde Rahmenbedingungen schafft.

Gesunde Lebenswelten für junge Menschen sichern spätere gesunde Lebensjahre. Rund jedes siebte Kind in Deutschland ist übergewichtig, jedes Dritte davon ist stark übergewichtig. Daher sind Rahmenbedingungen überfällig, die die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen gesünder gestalten. Im Ernährungsbereich gehören dazu eine Abgabe auf Süßgetränke, Werbeschranken für ungesunde Lebensmittel und Obergrenzen für Fett, Salz und Zucker in Lebensmittel, die sich an Kinder richten. In der digitalen Welt muss jungen Menschen eine sichere digitale Teilhabe ermöglicht werden – ohne negative Folgen für ihre psychische Gesundheit. Süchtigmachende Funktionen, wie Autoplay oder Infinite Scrolling, müssen verboten werden.

Die Bundesregierung muss Gesundheitsförderung zur Chefsache machen. Dafür sollte sie eine übergreifende Strategie mit verbindlichen Zielen und Meilensteinen erarbeiten. Die Strategie sollte im Bundeskanzleramt überwacht und koordiniert werden, Bundesländer und Kommunen einbinden und darf nicht an Ressortabstimmungen, Finanzierungsvorbehalten oder Gruppeninteressen scheitern.

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