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Ein junges Mädchen spielt mit Handy auf einem gemütlichen Sofa

Quelle: svetaorlova - fotolia.com

Junger Verbraucheralltag

Gesund und sicher

Ein junges Mädchen spielt mit Handy auf einem gemütlichen Sofa

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Ungesunde Lebensmittel, süchtig machende Online-Medien, drohende Schuldenfallen: Der Verbraucheralltag von Kindern und Jugendlichen ist bereits sehr komplex. Damit junge Menschen in diesem Alltag gesund, sicher und resilient bleiben, müssen Politik und Wirtschaft den digitalen Raum, das Ernährungs- und Finanzumfeld so gestalten, dass sie ohne Risiko teilhaben können. Zusätzlich können gezielte Bildungsangebote ihre Kompetenzen stärken und sie befähigen, bewusste Entscheidungen zu treffen. Es lohnt sich, denn eine Politik, die den Verbraucheralltag junger Menschen ganzheitlich gestaltet, stärkt alle: sie schützt Kinder und Jugendliche, entlastet Eltern und macht den Markt fairer und die Gesellschaft krisenfester.

Die Bundesregierung sollte:

  • Teilhabe im digitalen Raum ermöglichen: Kinder und Jugendlichen haben ein Recht darauf am digitalen Raum teilzuhaben, ohne dass ihre mentale Gesundheit oder ihre Sicherheit gefährdet wird.
  • Gesunde Ernährungsumgebungen schaffen: Eine gesunde Ernährung in jungen Jahren stärkt für spätere Lebensjahre und entlastet damit das Gesundheitssystem.
  • Ein sicheres Finanzumfeld gestalten: Junge Menschen müssen besonders vor Überschuldung geschützt werden.
  • Verbraucherbildung stärken: Gezielte Bildungsangebote unterstützen junge Menschen dabei, wichtige Kompetenzen für ihren Konsumalltag zu erwerben.

Was muss geschehen?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband macht konkrete Vorschläge, wie ein besserer Schutz von Kindern und Jugendlichen im Verbraucheralltag gelingen kann:

  • Sichere digitale Teilhabe ermöglichen: Statt Kinder- und Jugendliche aus Sozialen Medien auszuschließen und sie damit für die Versäumnisse von Online-Plattformen zu bestrafen, müssen die Anbieter in die Pflicht genommen werden, ihre Dienste verbraucherfreundlich und kindersicher by Default und by Design zu gestalten.
  • Verbot von süchtigmachendem Design: Infinite Scrolling, Autoplay und manipulative Designs sorgen dafür, dass wir möglichst viel Zeit auf Online-Plattformen verbringen und schaden der psychischen Gesundheit. Deshalb sollten sie für Minderjährige verboten werden.
  • Regulierung von algorithmischen Empfehlungssystemen: Plattformen erstellen Profile von Nutzer:innen, um ihnen passgenaue Werbung anzuzeigen. Verhaltensdaten von Minderjährigen sollten sie grundsätzlich nicht nutzen dürfen.
  • Sichere Standardeinstellungen: Kontaktoptionen sollten grundsätzlich eingeschränkt und die Standortermittlung by default deaktiviert sein.
  • Melde- und Beschwerdeverfahren: Online-Plattformen sollten verpflichtet werden, Meldewege einzurichten, die speziell auf Minderjährige zugeschnitten, wirksam, sichtbar und damit kindgerecht sind.
  • Anpassung der DSGVO: In der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) muss die besondere Schutzbedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen stärker berücksichtigt werden
  • Gesunde Produkte: Lebensmittel mit Kinderoptik enthalten oft zu viel Zucker, Fett oder Salz. Klare gesetzliche Vorgaben sollten sich am WHO-Nährwertmodell orientieren.
  • Werbeverbot für Ungesundes: An Kinder gerichtetes Lebensmittelmarketing sollte streng gesetzlich reguliert werden. Das heißt: Es sollten nur Lebensmittel an Kinder vermarktet werden dürfen, die den Nährwertkriterien der Weltgesundheitsorganisation entsprechen.
  • Softdrink-Abgabe: Schon ein halber Liter Softdrink enthält oft mehr Zucker, als die WHO für einen ganzen Tag empfiehlt. Eine Herstellerabgabe auf Süßgetränke würde Hersteller motivieren, den Zuckergehalt zu reduzieren.
  • Regeln für Kinder-Nahrungsergänzungsmittel: Nahrungsergänzungsmittel, die sich an Kinder richten, sind oft zu hoch dosiert. Es braucht europaweite Höchstmengen und ein Influencerwerbeverbot.
  • Gesunde und beitragsfreie Verpflegung: Für Kita- und Schulessen sollte es verbindliche Standards nach Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) geben. Es sollte zudem für alle Kinder und Jugendlichen beitragsfrei sein.
  • Überschuldung verhindern: Junge Menschen sind durch Buy-now-pay-later einem besonderen Verschuldungsrisiko ausgesetzt. Kreditgeber müssen sicherstellen, dass Buy-now-pay-later-Kredite gerade junge Menschen nicht finanziell überfordern.
  • Flächendeckende Verbraucherbildung: Verbraucherbildung ist besonders wirksam, wenn sie früh ansetzt. Sie sollte deshalb bundesweit und systematisch als eigener, prüfungsrelevanter Bestandteil des Lehrplans an allen Schulformen etabliert werden.
  • Werbefreie Schule: Unternehmen nutzen Schulen immer wieder, um ihre Marken zu platzieren und damit die lohnenswerte Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen schon früh zu beeinflussen. Ein generelles Werbeverbot an Schulen ist notwendig, um Heranwachsende vor wirtschaftlicher Einflussnahme zu schützen.
  • Unabhängige Finanzbildung: Angesichts einer großen Vielfalt an Angeboten zur Finanzbildung – auch aus der Finanzwirtschaft – muss gewährleistet sein, dass Angebote unabhängig und frei von wirtschaftlichen Interessen sind. Qualitätsstandards müssen etabliert werden.

Digitaler Verbraucheralltag

Digitale Teilhabe und Schutz von Minderjährigen gewährleisten

Digitale Teilhabe und Schutz von Minderjährigen gewährleisten

Positionspapier des Verbraucherzentrale Bundesverbands e.V. zum Schutz von Minderjährigen bei der Nutzung digitaler Dienste | März 2026
 

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Das Design und die Grundeinstellungen von Plattformen müssen sich verändern. Plattformbetreiber müssen für alle Nutzer:innen sichere Grundeinstellungen und ein sicheres Design bereitstellen. Änderungen dürfen erst nach einem verlässlichen Nachweis der Volljährigkeit möglich sein. Damit entsteht durch eine Plattformarchitektur, die Plattformbetreiber verantworten. So werden Risiken von Anfang an reduziert. Außerdem hängt der Schutz nicht von dem individuelles Verhalten der Kinder/Eltern ab und wird auch nicht auf diese abgewälzt. Die Politik muss die Betreiber in die Verantwortung nehmen, damit sichere Grundeinstellungen und schädliches Design zum Standard werden.

Das Problem ist das Design: suchtfördernde Elemente wie das Scrollen ohne Ende oder das automatische Abspielen des nächsten Videos. Auch die Profilbildung ist problematisch. Wenn sich ein junger Mensch zum Beispiel nur ein wenig für Diäten interessiert, kann der Empfehlungsfeed einen schnell in Bubbles reinspülen, die bis hin zu Essstörungen führen. Die vollpersonalisierten Empfehlungssysteme müssen by Default ausgestellt werden.

Die Grundeinstellungen vieler sozialer Medien sind problematisch, weil sie häufig die größtmögliche Sichtbarkeit, weitreichende Kontaktmöglichkeiten und eine weitgehende Datenfreigabe als Standard setzen. Solche Einstellungen erhöhen das Risiko für ungewollte Kontakte, Missbrauch persönlicher Daten und eine sehr weit gehende Profilbildung. Nutzer:innen müssen diese Vorgaben oft erst mühsam ändern. Digitale Dienste sollen deshalb stattdessen so voreingestellt sein, dass sie Nutzer:innen schützen und ihre Privatsphäre wahren. Die Verbraucherzentrale fordert private Profile, eine ausgeschaltete Standortfreigabe und eingeschränkte Kontaktoptionen als Standard.

Kinder und Jugendliche müssen im digitalen Raum geschützt werden. Verbote mit starren Altersgrenzen greifen zu kurz. Der Verbraucherzentrale Bundesverband setzt den Fokus auf Teilhabe durch sichere Online-Plattformen. Kinder und Jugendliche brauchen ein sicheres Internet. Die Plattformen müssen deshalb in die Verantwortung genommen werden sichere Grundeinstellungen umzusetzen und manipulatives oder süchtig machendes Design wie zum Beispiel Endlos-Scrollen, Autoplay, personalisierte Emfpehlungssysteme by Default auszustellen. Die Politik muss dafür klare Vorgaben schaffen und diese verbindlich und wirksam durchsetzen.

Verbote beschränken den Zugang zu Information und digitaler Teilhabe. Sie lösen nicht die eigentlichen Probleme. Die Risiken entstehen vor allem durch das Design großer Plattformen, etwa durch Endlos-Scrollen, Autoplay, manipulative Empfehlungssysteme oder ungeschützte Accounteinstellungen.

Alkohol hat keinerlei Vorteile für die Gesundheit (junger) Menschen. Bei sozialen Medien ist das anders. Soziale Medien bringen Menschen zusammen: Nutzer:innen können sich über aktuelle Themen informieren, Lerninhalte finden und digitale Kompetenzen aufbauen. Soziale Medien bieten zudem Räume für Austausch und Unterstützung, etwa in Interessengruppen, Lerncommunities oder bei Themen, für die es im persönlichen Umfeld keine Ansprechpersonen gibt. Ein Verbot würde diese Chancen und Ressourcen abschneiden. Es würde ihnen den Zugang zu Bildung und Wissen, die Teilnahme an politischer Diskussion und den Austausch mit anderen nehmen.

Ein passenderer Vergleich ist die Anschnallpflicht. Autofahren ohne Gurt ist für alle ein Sicherheitsrisiko. Die Gurtpflicht schützt alle. Statt Kindern und Jugendliche, für die Autofahren noch gefährlicher sein kann, das Mitfahren im Auto zu verbieten, schafft man Sicherheitsmaßnahmen, also einen Kindersitz, der das Autofahren sicherer macht. Für Social Media heißt das: Es braucht Regeln die alle schützen, wie die Gurtpflicht, und besonders strenge Regeln für Kinder, wie den Kindersitz.

Ein pauschales Verbot würde voraussetzen, dass alle Nutzer:innen ihr Alter nachweisen. Das ist technisch kaum lückenlos durchsetzbar, führt zu Schlupflöchern und erzeugt neue Risiken wie eine weitreichende Identifizierung aller Nutzer:innen.

Altersüberprüfung kann sinnvoll sein, sollte aber nicht als Zugangshürde dienen. Stattdessen sollten Erwachsene bestimmte Funktionen erst nach einem freiwilligen, datensparsamen Nachweis ihrer Volljährigkeit einschalten oder verändern können. Ein Beispiel sind offene Kontaktfunktionen. Diese können standardmäßig eingeschränkt sein und erst nach einem Altersnachweis freigeschaltet werden. Dadurch wird verhindert, dass alle Nutzer:innen zwingend identifiziert werden müssen.

Es braucht klare Grenzen für die Datenerhebung, eine Beschränkung auf das notwendige Minimum, Transparenzpflichten, unabhängige Prüfungen und eine verpflichtende Datenschutz-Folgenabschätzung. Das Recht auf anonyme Nutzung des Internets muss erhalten bleiben.

Die Digitale Brieftasche kann eine datensparsame Lösung zur Altersbestätigung bieten. Sie darf jedoch nicht verpflichtend sein, um niemanden vom Zugang zu digitalen Angeboten auszuschließen. Ihr Einsatz sollte freiwillig und kontextspezifisch erfolgen.

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Melde- und Beschwerdeverfahren bei Online-Plattformen

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Tabellenband Befragung: Schutz von Minderjährigen im Netz

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Befragung | November 2025

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Tabellenband: Grüne Woche 2026

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forsa-Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands | November 2025

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86 Prozent der Befragten ist wichtig, dass Unterrichtsmaterialien und Inhalte frei von Werbung sind

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forsa-Befragung Finanzbildung | Grafik-3

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Besonders den Eltern und Schulen wird hohe Verantwortung bei der Vermittlung finanzieller Bildung zugeschrieben

Quelle: vzbv

forsa-Befragung Finanzbildung | Grafik-4

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Neun von zehn Befragten ist wichtig, dass Unterrichtsmaterialien und Inhalte frei von wirtschaftlichen Interessen sind

Quelle: vzbv

forsa-Befragung Finanzbildung | Grafik-2

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93 Prozent der Befragten finden Finanzbildung an Schulen sehr oder eher wichtig

Quelle: vzbv

forsa-Befragung Finanzbildung | Grafik-1

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