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Strom Energie Inxmail
20.10.2026

Energie-Grundversorgung: Verbraucherzentrale für mehr Schutz vor hohen Preisen

Befragung zeigt: Menschen wechseln oftmals nicht, obwohl es sich für sie lohnen würde – Verbraucherzentrale fordert Reform der Grundversorgung

Strom Energie Inxmail
  • Haushalte mit geringem Haushaltsnettoeinkommen bis unter 2.500 Euro werden überdurchschnittlich häufig im Rahmen der Strom-Grundversorgung beliefert und zahlen damit mehr als nötig 

  • Durch einen Wechsel aus der Grundversorgung in einen Sondervertrag könnten diese Haushalte mehr als ein Viertel ihrer Energiekosten sparen 

  • Gutachten macht drei Vorschläge zur Reform der Grundversorgung 

Fast jeder zweite Haushalt (49 Prozent) in Deutschland kennt nicht die Unterschiede zwischen der Grundversorgung und einem Sondervertrag bei Strom und Gas. Das ergab eine forsa-Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) aus Oktober 2025. Dabei war die Grundversorgung zuletzt in allen untersuchten Städten deutlich teurer als ein Sondervertrag. Trotz möglichen Ersparnissen von bis zu mehreren hundert Euro pro Jahr hatte zum Befragungszeitpunkt ein Großteil der grundversorgten Haushalte seit Januar 2025 den Vertrag weder gewechselt, noch war ein Wechsel in Planung. Ein Gutachten des Wuppertal Instituts im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt verschiedene Optionen für eine transparentere und preisgünstigere Grundversorgung auf. 

Mitarbeiter lächelt frontal in die Kamera

Quelle: Gert Baumbauch vzbv

Florian Munder
Teamleiter Energie und Bauen beim Verbraucherzentrale Bundesverband

Wer in der Grundversorgung bleibt, zahlt oft deutlich mehr als nötig. Gleichzeitig wechseln viele Menschen aus verschiedenen Gründen nicht in günstigere Tarife. Deshalb muss die Grundversorgung ihrer besonderen Rolle gerecht werden: Sie sollte eine verlässliche und bezahlbare Form der Energieversorgung sein, ohne dass sie für Verbraucher:innen mit einer übermäßigen Kostenbelastungen verbunden ist.

Deutliches Informationsdefizit bei Haushalten 

Eine große Mehrheit der Haushalte hat den Strom- (76 Prozent) beziehungsweise Gasvertrag (79 Prozent der gasbeziehenden Haushalte) in den ersten drei Quartalen 2025 weder gewechselt noch war ein Wechsel in Planung. Haushalte, die angaben, zum Befragungszeitpunkt im Rahmen der Grundversorgung beliefert zu werden, haben signifikant häufiger ihren Energievertrag nicht gewechselt (89 Prozent, Gas: 96 Prozent). 
Trotz Informationskampagnen der Verbraucherzentralen, regelmäßigen Wechselkampagnen der Vergleichsportale und speziellen Dienstleistungsangeboten für den Wechselprozess besteht unter Verbraucher:innen ein ausgeprägtes Informationsdefizit bezüglich der Grundversorgung. So gab zum Befragungszeitpunkt lediglich gut jeder fünfte Haushalt (21 Prozent) an, die Besonderheiten der Grundversorgung in Abgrenzung zu einem Sondervertrag zu kennen.  

Auch bei der Einschätzung der Preise zeigt sich ein gewisses Informationsdefizit: Nur eine knappe Mehrheit der Befragten (55 Prozent) vermutete, dass die Strompreise der Grundversorgung im Vergleich zu Sonderverträgen höher liegen. Tatsächlich ergab sich laut einer vzbv-Untersuchung im Juli 2026 ein durchschnittlicher Preisvorteil für Strom von 272 Euro pro Jahr beim Wechsel aus der Grundversorgung in den günstigsten Sondervertrag, für Gas lag der durchschnittliche Preisvorteil bei 547 Euro.  

Die Befragungsergebnisse deuten darauf hin, dass Verbraucher:innen immer wieder die tatsächlichen Preisunterschiede zwischen Grundversorgung und Sonderverträgen entweder systematisch unterschätzen oder sich nicht damit beschäftigen und deshalb in der Grundversorgung verbleiben. 

Gutachten stellt Reformoptionen vor  

Ein Gutachten des Wuppertal Instituts hat im Auftrag des Vebraucherzentrale Bundesverbands drei Reformoptionen untersucht, wie die Grundversorgung reformiert werden könnte. Dazu gehören eine Verpflichtung der Grundversorger zu mehr Transparenz, die Ausschreibung der Grundversorgung im jeweiligen Versorgungsgebiet sowie die Idee einer staatlichen Preisregulierung für einen bestimmten Teil des Marktes. Entsprechende Sozialtarife existieren in verschiedener Ausprägung bereits in einer Reihe europäischen Länder, wie zum Beispiel Frankreich, Italien und Spanien. 

Transparenz erhöhen und Ausschreibung prüfen 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert in einem ersten Schritt, dass alle Strom- und Gasanbieter dazu verpflichtet werden, ihren Kund:innen jährlich aktiv den günstigsten Tarif mitzuteilen. In einem zweiten Schritt sollte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) die konkrete Ausgestaltung eines wettbewerblichen Ausschreibungsmodells für die Grundversorgung prüfen. 

Hintergrund 

Die Grundversorgung ist die gesetzlich geregelte Lieferung von Strom und Gas durch den Grundversorger an Haushaltskund:innen. Sie tritt immer dann automatisch in Kraft, wenn kein gesonderter Energievertrag mit einem Energieanbieter geschlossen wird, beispielsweise nach einem Umzug oder im Falle der Beendigung eines Energievertrages. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass jeder Haushalt mit Energie versorgt wird. In diesem Sinne ist sie Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Jeder andere Energielieferungsvertrag gilt als Sondervertrag. 

Methode 

Bevölkerungsrepräsentative Telefonbefragung (20. bis 24. Oktober 2025) von forsa im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Basis: 1.002 Energie(mit)entscheider:innen ab 18 Jahren. Statistische Fehlertoleranz: max. ± 3 Prozentpunkte in der Gesamtstichprobe.  

Im Rahmen eines Marktchecks untersucht der Verbraucherzentrale Bundesverband außerdem quartalsweise die Strom- und Gastarife in den 14 bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands: Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig, Dortmund, Essen, Bremen, Dresden, Hannover und Nürnberg. Auf Basis des jeweils geltenden Grund- und Arbeitspreises werden repräsentative Gesamtpreise berechnet, wobei ein üblicher jährlicher Haushaltsverbrauch von 3.500 kWh für Strom und von 20.000 kWh für Gas angenommen wird. Neben Grundversorgungstarifen werden in dem Marktcheck auch die auf den meistgenutzten Vergleichsportalen Check24 und Verivox angebotenen günstigsten Sondertarife erfasst. Die hier dargestellten Ergebnisse beziehen sich auf einen Datenstand von Juli 2026. 

Umfrageergebnis: Knapp die Hälfte der Befragten kennt die Besonderheiten der Grundversorgung nicht. Nur ein kleiner Teil gibt an, diese zu kennen und erklären zu können.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

Umfrageergebnis: Die meisten Befragten empfinden den Wechsel des Energievertrags als eher nicht oder gar nicht aufwändig. Personen in der Grundversorgung, insbesondere bei Gas, schätzen den Aufwand häufiger als hoch ein.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

Ein Großteil der Befragten hat seit Januar 2025 keinen Anbieterwechsel vorgenommen und plant aktuell auch keinen. Besonders in der Grundversorgung ist die Wechselbereitschaft sehr niedrig.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass die Preise in der Grundversorgung höher sind als in Sonderverträgen. Viele Personen in der Grundversorgung haben sich mit Preisunterschieden noch nicht beschäftigt.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

Die Mehrheit der Haushalte in der Grundversorgung ist dort seit drei Jahren oder länger. Kurzzeitige Aufenthalte unter einem Jahr kommen vergleichsweise selten vor.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

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