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Strom Energie Inxmail
Datum: 27.01.2026

Energie-Grundversorgung: Verbraucherzentrale für mehr Schutz vor hohen Preisen

Befragung zeigt: Menschen wechseln oftmals nicht, obwohl es sich für sie lohnen würde – Verbraucherzentrale fordert Reform der Grundversorgung

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  • Haushalte mit geringem Haushaltsnettoeinkommen bis unter 2.500 Euro werden überdurchschnittlich häufig im Rahmen der Strom-Grundversorgung beliefert (29 Prozent) und zahlen damit mehr
  • Durch einen Wechsel aus der Grundversorgung in einen Sondervertrag könnten diese Haushalte mehr als ein Viertel ihrer Energiekosten sparen
  • Gutachten macht drei Vorschläge zur Reform der Grundversorgung

Fast jeder zweite Haushalt (49 Prozent) in Deutschland kennt nicht die Unterschiede zwischen der Grundversorgung und einem Sondervertrag bei Strom und Gas. Das ergab eine forsa-Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Dabei ist die Grundversorgung deutlich teurer als ein Sondervertrag. Trotz möglichen Ersparnissen von mehreren hundert Euro hat ein Großteil der grundversorgten Haushalte seit Januar 2025 den Vertrag weder gewechselt, noch ist ein Wechsel in Planung. Ein Gutachten des Wuppertal Instituts im Auftrag des vzbv zeigt verschiedene Optionen für eine transparentere und preisgünstigere Grundversorgung auf.

„Ein Wechsel aus der Grundversorgung in einen Sondervertrag würde sich für die allermeisten Haushalte finanziell lohnen – mehrere hundert Euro könnten sie jährlich sparen. Dennoch verbleiben viele Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig in der Grundversorgung“, sagt Florian Munder, Teamleiter Energie und Bauen beim vzbv. „Es braucht deshalb eine ergebnisoffen geführte Diskussion darüber, wie man diese Menschen besser vor hohen Energiekosten schützen kann.“

Deutliches Informationsdefizit bei Haushalten

Eine große Mehrheit der Haushalte hat den Strom- (76 Prozent) beziehungsweise Gasvertrag (79 Prozent der gasbeziehenden Haushalte) seit Januar 2025 weder gewechselt noch ist ein Wechsel in Planung. Haushalte, die angeben, zum Befragungszeitpunkt im Rahmen der Grundversorgung beliefert zu werden, haben signifikant häufiger ihren Energievertrag nicht gewechselt (89 Prozent, Gas: 96 Prozent).
Trotz Informationskampagnen der Verbraucherzentralen, regelmäßigen Wechselkampagnen der Vergleichsportale und speziellen Dienstleistungsangeboten für den Wechselprozess besteht unter Verbrauch:erinnen ein ausgeprägtes Informationsdefizit bezüglich der Grundversorgung. So gibt lediglich gut jeder fünfte Haushalt (21 Prozent) an, die Besonderheiten der Grundversorgung in Abgrenzung zu einem Sondervertrag zu kennen. 

Auch bei der Einschätzung der Preise zeigt sich ein gewisses Informationsdefizit: Nur eine knappe Mehrheit der Befragten (55 Prozent) vermutet, dass die Strompreise der Grundversorgung im Vergleich zu Sonderverträgen höher liegen. Tatsächlich lagen bei einer vzbv-Untersuchung im Oktober 2025 die zu erwartenden durchschnittlichen jährlichen Gesamtkosten des günstigsten angebotenen Sondervertrags für Strom 27 Prozent unter den Kosten in der Grundversorgung.

Die Befragungsergebnisse deuten darauf hin, dass Verbraucher:innen immer wieder die tatsächlichen Preisunterschiede zwischen Grundversorgung und Sonderverträgen entweder systematisch unterschätzen oder sich nicht damit beschäftigen und deshalb in der Grundversorgung verbleiben.

Gutachten stellt Reformoptionen vor – weitere Analysen notwendig

Ein Gutachten des Wuppertal Instituts hat im Auftrag des vzbv drei Reformoptionen untersucht, wie die Grundversorgung reformiert werden könnte. Dazu gehören eine Verpflichtung der Grundversorger zu mehr Transparenz, die Ausschreibung der Grundversorgung im jeweiligen Versorgungsgebiet sowie die Idee einer staatlichen Preisregulierung für einen bestimmten Teil des Marktes. Entsprechende Sozialtarife existieren in verschiedener Ausprägung bereits in einer Reihe europäischen Länder, wie zum Beispiel Frankreich, Italien und Spanien.

 „Jeder dieser Ansätze hat spezifische Vor- und Nachteile“, sagt Munder. „Es braucht daher weitere wissenschaftliche Untersuchungen, um herauszuarbeiten, wie die Grundversorgung zielgerichtet weiterentwickelt werden kann.“

Hintergrund

Die Grundversorgung ist die gesetzlich geregelte Lieferung von Strom und Gas durch den Grundversorger an Haushaltskund:innen. Sie tritt immer dann automatisch in Kraft, wenn kein gesonderter Energievertrag mit einem Energieanbieter geschlossen wird, beispielsweise nach einem Umzug oder im Falle der Beendigung eines Energievertrages. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass jeder Haushalt mit Energie versorgt wird. In diesem Sinne ist sie Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Jeder andere Energielieferungsvertrag gilt als Sondervertrag.

Methode

Computergestützte Telefoninterviews (CATI) auf Basis einer Dual-Frame Stichprobe (Mobilfunk und Festnetz). Grundgesamtheit: Deutschsprachige Energie(mit)entscheider:innen ab 18 Jahren. Stichprobengröße: 1.002 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: max. +/- 3 Prozentpunkte in der Gesamtstichprobe. Erhebungszeitraum: 20. bis 24. Oktober 2024, Institut: forsa.

Im Rahmen eines Marktchecks untersucht der vzbv außerdem quartalsweise die Strom- und Gastarife in den 14 bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands: Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig, Dortmund, Essen, Bremen, Dresden, Hannover und Nürnberg. Auf Basis des jeweils geltenden Grund- und Arbeitspreises werden repräsentative Gesamtpreise berechnet, wobei ein üblicher jährlicher Haushaltsverbrauch von 3.500 kWh für Strom und von 20.000 kWh für Gas angenommen wird. Neben Grundversorgungstarifen werden in dem Marktcheck auch die auf den meistgenutzten Vergleichsportalen Check24 und Verivox angebotenen günstigsten Sondertarife erfasst.

Umfrageergebnis: Knapp die Hälfte der Befragten kennt die Besonderheiten der Grundversorgung nicht. Nur ein kleiner Teil gibt an, diese zu kennen und erklären zu können.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

Umfrageergebnis: Die meisten Befragten empfinden den Wechsel des Energievertrags als eher nicht oder gar nicht aufwändig. Personen in der Grundversorgung, insbesondere bei Gas, schätzen den Aufwand häufiger als hoch ein.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

Ein Großteil der Befragten hat seit Januar 2025 keinen Anbieterwechsel vorgenommen und plant aktuell auch keinen. Besonders in der Grundversorgung ist die Wechselbereitschaft sehr niedrig.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass die Preise in der Grundversorgung höher sind als in Sonderverträgen. Viele Personen in der Grundversorgung haben sich mit Preisunterschieden noch nicht beschäftigt.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

Die Mehrheit der Haushalte in der Grundversorgung ist dort seit drei Jahren oder länger. Kurzzeitige Aufenthalte unter einem Jahr kommen vergleichsweise selten vor.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

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