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zeigt Mensch in gelber Jacke mit Einkaufsbeleg und Einkaufswagen, Shopping

Quelle: iStock - urbazon media

Nahost-Krise

Folgen für Verbraucher:innen

zeigt Mensch in gelber Jacke mit Einkaufsbeleg und Einkaufswagen, Shopping

Quelle: iStock - urbazon media

Der Krieg im Nahen Osten beunruhigt viele Verbraucher:innen. Im Vordergrund stehen Menschenleben und die Sorge vor weiterer Eskalation. Doch zunehmend spüren die Menschen die Auswirkungen des Kriegs auch in ihrem Alltag. Tanken ist deutlich teurer geworden. Und auch bei Lebensmitteln, Strom und Gas sowie in anderen Bereichen drohen Preissprünge oder Lieferengpässe, wenn der Krieg länger andauert. 

In den letzten Jahren sind die Lebenshaltungskosten bereits stark gestiegen. Gerade für Menschen mit geringem Einkommen und Familien sind die zusätzlichen Preissteigerungen eine enorme Herausforderung. Um die Menschen zu unterstützen, braucht es schnell gezielte Entlastungen. Klar ist auch: Niemand darf sich der Krise bereichern. Ungerechtfertigten Preiserhöhungen muss die Politik einen Riegel vorschieben.  

Die aktuelle Krise macht deutlich, wie wichtig es ist, Wirtschaft und Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen. Denn wenn wir uns heute unabhängiger machen von fossilen Brennstoffen, Lieferketten nachhaltig aufstellen und die Preisbildung transparenter gestalten, sind wir für die Krise von morgen besser gerüstet.

Ramona Pop steht hinter einem weißen Tisch

Quelle: Plambeck - vzbv

Ramona Pop
Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands

Die aktuelle Lage zeigt einmal mehr, wie wenig Deutschland auf Krisen vorbereitet ist. Wieder stehen wir vor denselben Fragen wie nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Und wieder zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher den Preis. Die Bundesregierung muss unsere fossilen Abhängigkeiten reduzieren und erneuerbare Energien schneller ausbauen. Das schützt die Menschen am zuverlässigsten vor Preisschocks.

Aktuelles

Worauf es in der Krise ankommt

  • Mehr Transparenz: Gerade in Krisen muss für alle nachvollziehbar sein, ob Preisanstiege gerechtfertigt sind.
  • Keine Krisenprofite: Unternehmen dürfen die aktuelle Lage nicht nutzen, um auf dem Rücken der Verbraucher:innen Extragewinne zu erzielen.
  • Gezielte Entlastungen: Unterstützung sollte gezielt dort ansetzen, wo Haushalte durch steigende Belastungen wirklich unter Druck geraten.
  • Nachhaltige Maßnahmen: Wirtschaft und Gesellschaft müssen Abhängigkeiten reduzieren und widerstandsfähiger werden gegenüber globalen Krisen.   

Was muss konkret geschehen?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband macht Vorschläge, wie Verbraucher:innen entlastet und die Krise nachhaltig angegangen werden kann:

  • Nicht funktionierenden Wettbewerb angehen: Das Bundeskartellamt muss seine neuen Befugnisse schnell ausschöpfen und verdächtige Entwicklungen auf dem Kraftstoffmarkt genau beobachten. Bei ungerechtfertigten Preiserhöhungen muss die Behörde eingreifen.
  • Tankregel evaluieren: Die Bundesregierung muss genau prüfen, ob die neue Tankregel, die Preiserhöhungen nur noch einmal pro Tag erlaubt, tatsächlich Wirkung zeigt. Dabei sollte auch der Zeitpunkt der Preisanpassung evaluiert werden.
  • Kerosinversorgung sichern: Die EU muss die Versorgung mit Kerosin sicherstellen. Sollte das nicht gelingen und Kerosinknappheit als außergewöhnlicher Umstand in der EU-Flugastrechteverordnung aufgenommen werden, muss sichergestellt sein, dass Verbraucher:innen nicht wegen Versäumnissen der Airlines bei der Kerosinbeschaffung ihren Entschädigungsanspruch verlieren.
  • ÖPNV attraktiver machen: Die Bundesregierung und die Bundesländer müssen die Qualität und Zuverlässigkeit von Bussen und Bahnen verbessern. Um eine attraktive Alternative zum Verbrenner-Pkw zu sein, sind langfristig stabile Preise im ÖPNV nötig – auch beim Deutschlandticket.
  • E-Mobilität fördern: Die Bundesregierung muss den Umstieg auf E-Mobilität erleichtern. Dafür braucht es eine stärkere Förderung von kleinen und effizienten E-Autos und einen Ausbau der Ladeinfrastruktur, der auch die Bedürfnisse von Menschen in Mehrfamilienhäusern mitdenkt.
  • Stromsteuer senken: Die Bundesregierung muss ihr Wahlversprechen einlösen und die Stromsteuer für Verbraucher:innen auf das europäische Mindestmaß senken. Diese Entlastung kommt direkt bei den Verbraucher:innen an.
  • Energiewende vorantreiben: Die Bundesregierung muss erneuerbare Energien schneller ausbauen. Dabei gilt es Verbraucher:innen langfristig Planungssicherheit zu geben und ihnen den Umstieg auf erneuerbare Energieträger durch sozial ausgewogene Förderung zu erleichtern.
  • Intransparente Preisbildung stoppen: Die Bundesregierung muss für mehr Transparenz bei Lebensmittelpreisen sorgen und eine Preisbeobachtungsstelle einführen. Ziel sollte es sein, Preise und Margen entlang der Wertschöpfungskette zu erfassen und ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu verhindern.
  • Mehrwertsteuer senken: Die Bundesregierung muss die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auf null Prozent senken, damit gesunde Ernährung nicht noch teurer. Wichtig ist dabei ein wirksames Preismonitoring, um sicherzustellen, dass die Entlastung auch tatsächlich bei Verbraucher:innen ankommt.

Entlastungen reichen nicht aus

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81%

sehen durch die bisherigen Maßnahmen (bspw. Tankrabatt oder 12-Uhr-Regel) bislang keine spürbare Enlastung im Alltag. (Quelle)

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78%

wollen, dass die Bundesregierung stärker auf langfristige Maßnahmen setzt, die Deutschland künftig weniger krisenanfällig machen. (Quelle)

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78%

halten die Senkung der Stromsteuer für private Haushalte für eine sehr oder eher wirksame Entlastungsmaßnahme. (Quelle)

Preissteigerung Icon.png
58%

haben Sorgen, dass die Preise durch den Krieg so stark steigen, dass sie sich im Alltag finanziell einschränken müssen. (Quelle)

Fragen und Antworten

Verbraucher:innen merken die Folgen aktuell vor allem bei den Energiepreisen. Besonders sichtbar ist das an den Tankstellen. Dort sind die Preise zwischenzeitig um bis zu 70 Cent pro Liter gestiegen. Aber auch Heizöl und neue Gasverträge sind infolge des Kriegs teurer geworden.

Ja. Internationale Flugtickets sind teurer geworden. Hauptgrund sind die hohen Kerosinkosten. Zusätzlich kommt es bereits zu Flugstreichungen, weil sich einzelne Verbindungen für Fluggesellschaften wirtschaftlich kaum noch lohnen.

Probleme der Airlines bei der Kerosinbeschaffung dürfen aber nicht zulasten der Verbraucher:innen gehen. Die Fluggastrechte inklusive der Entschädigungsansprüche müssen aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands bestehen bleiben.

Nein. Der Tankrabatt ist aus Verbrauchersicht der falsche Ansatz. Schon in der vergangenen Energiekrise hat sich gezeigt, dass Steuersenkungen auf Kraftstoffe nicht vollständig bei den Verbraucher:innen ankommen. Auch jetzt profitieren vor allem die Mineralölkonzerne, nicht aber die Menschen, die auf günstigen Sprit angewiesen sind.

Am wirksamsten sind Direktzahlungen. Sie kommen gezielt bei den Menschen an, die besonders unter den hohen Preisen leiden, vor allem bei Haushalten mit wenig Einkommen, die jeden Euro zwei Mal umdrehen müssen.

Zu einem fairen Entlastungspaket gehört außerdem die längst versprochene Senkung der Stromsteuer für private Haushalte.

Das ist zu erwarten, wenn der Konflikt noch länger anhält. Zunächst könnte das vor allem verarbeitete und energieintensive Lebensmittel betreffen, etwa Tiefkühlprodukte, Backwaren oder Molkereiprodukte. Aber auch landwirtschaftliche Erzeugnisse mit kurzen Lieferketten wie Obst, Gemüse und Getreide könnten teurer werden, weil die Kosten für Dünger, Diesel und Transporte steigen.

Für Verbraucher:innen ist häufig nicht nachvollziehbar, ob Preissteigerungen gerechtfertigt sind. Die Preisbildung entlang der Lebensmittelkette ist derzeit nicht transparent genug, um Kosten- und Preisentwicklungen eindeutig nachzuvollziehen. Mögliche Kostenpunkte können gestörte Lieferketten, höhere Erzeugerpreise oder Mehrkosten in der Produktion sein.

Die Bundesregierung sollte eine unabhängige Preisbeobachtungsstelle einführen. Eine solche Stelle kann offenlegen, wo Preise und Kosten steigen und warum. So können ungerechtfertigte Preissteigerungen identifiziert und adressiert werden. 

Damit gesunde Ernährung nicht noch teurer wird, muss außerdem die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auf null Prozent senken.

Nein. Die aktuelle Situation ist bereits die dritte große Krise innerhalb weniger Jahre, die sich spürbar auf den Alltag der Menschen auswirkt. Kurzfristige Entlastungen sind zwar wichtig, insbesondere für Haushalte mit wenig Einkommen. Gleichzeitig braucht es langfristige Maßnahmen: weniger Abhängigkeit von fossilen Energien, stabile und nachhaltige Lieferketten sowie eine transparentere Preisbildung. Das schützt Verbraucher:innen künftig am besten vor Preisschocks.

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