gesundheit-geldscheine-krankenkassenkarte-fotolia_juergen-faelchle-75581557_s.jpg

Quelle: Jürgen Fälchle - fotolia.com

11.09.2026

Beitrag steigt, Kasse schweigt: Mehrheit kennt Wegfall der Informationspflicht nicht

Verbraucherzentrale: Informationspflicht muss wieder eingeführt werden

gesundheit-geldscheine-krankenkassenkarte-fotolia_juergen-faelchle-75581557_s.jpg

Quelle: Jürgen Fälchle - fotolia.com

  • Gut drei Viertel der gesetzlich Versicherten (76 Prozent) wissen nicht, dass Krankenkassen nicht mehr über Erhöhungen des Zusatzbeitrags informieren müssen
  • Große Mehrheit der Befragten (84 Prozent) hält es für angemessenen, wenn Krankenkassen über Beitragserhöhungen ausschließlich per Brief informieren
  • Verbraucherzentrale fordert die Bundesregierung auf, die Informationspflicht bei Erhöhungen des Zusatzbeitragssatzes wieder einzuführen

Gesetzliche Krankenkassen müssen ihre Versicherten nicht mehr informieren, wenn sie den Zusatzbeitrag erhöhen. Dass diese Informationspflicht weggefallen ist, davon haben jedoch mehr als drei Viertel der gesetzlich Versicherten (76 Prozent) noch nicht gehört. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert die Bundesregierung auf, die Pflicht zur Information der Versicherten wieder einzuführen.

 

Ramona Pop steht vor frontal zur Kamera vor einer Fensterfront

Quelle: © Plambeck / vzbv

„Es ist ein Unding, dass Krankenkassen ihre Versicherten nicht mehr über steigende Zusatzbeiträge informieren müssen. Das Sonderkündigungsrecht wird damit faktisch ausgehöhlt. Im schlimmsten Fall bemerken Versicherte die Beitragserhöhung erst, wenn ihr Nettogehalt geringer ausfällt. Doch dann greift ihr Sonderkündigungsrecht möglicherweise bereits nicht mehr. Die Bundesregierung muss diesen Fehler korrigieren, statt ihn mit Bürokratieabbau zu rechtfertigen“, so Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes.

Erhöht eine Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht, das die Bindungsfrist von 12 Monaten aufhebt. Versicherte müssen die Kündigung bis Ende des Monats einreichen, in dem der höhere Zusatzbeitrag erstmals erhoben wird.

Repräsentative Befragung: Brief ist angemessener Informationsweg

Eine repräsentative forsa-Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt: Die deutliche Mehrheit der gesetzlich Versicherten (72 Prozent) findet es vollkommen falsch, dass die Krankenkassen nicht mehr über steigende Zusatzbeiträge informieren müssen. Weitere 22 Prozent finden es eher falsch. Als Informationsweg bevorzugen die Befragten klassische Schreiben: Der Großteil der Befragten (84 Prozent) hält es für angemessen, wenn Krankenkassen über eine Beitragssatzerhöhung ausschließlich per Brief informieren. Mehr als vier von zehn der Befragten (43 Prozent) hielten auch eine ausschließliche Information über E-Mail für angemessen. Lediglich über die Internetseite der Krankenkasse über steigende Beitragssätze informiert zu werden, halten die Versicherten nur vereinzelt (9 Prozent) für den richtigen Weg. Das verwundert nicht: Denn die große Mehrheit der gesetzlich Versicherten (71 Prozent) besucht die Website ihrer Krankenkasse maximal einmal im Jahr.

„Eine Information über die Webseite der Krankenkassen reicht auf keinen Fall aus. Die Bundesregierung muss die Krankenkassen wieder dazu verpflichten, ihre Versicherten grundsätzlich per Brief über steigende Zusatzbeiträge zu informieren. Wer den digitalen Weg bevorzugt, sollte alternative Möglichkeiten, wie E-Mail oder Kundenpostfach, wählen können“, so Pop.

Die ursprünglich im Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit für das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehene Regelung würde genau dies ermöglichen und sollte nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands wieder aufgegriffen werden.

Methodik

Bevölkerungsrepräsentative Telefonbefragung (27. bis 31. August 2026) von forsa im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Basis: 1.021 Personen ab 18 Jahren, die gesetzlich krankenversichert sind. Statistische Fehlertoleranz: max. ± 3 Prozentpunkte.

Download

Tabellenband | Informationspflicht der Krankenkassen

Tabellenband | Informationspflicht der Krankenkassen

forsa-Befragung | September 2026

Ansehen
PDF | 175.95 KB

Kontakt

Kontakt

Icon Sprechblase+Beratung Kreis rot

Service für Verbraucher:innen

Was suchen Sie? Wählen Sie eine passende Option: