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Datum: 01.09.2022

„Verbraucherbildung gehört in die Schule“

Im Interview erläutert Anke Wolf, Koordinatorin des Bildungsprojekts Verbraucherschule, die Relevanz von schulischer Verbraucherbildung

Anke Wolf

Quelle: Gert Baumbach - vzbv

Frau Wolf, was verstehen Sie unter Verbraucherbildung?

Verbraucherbildung klingt abstrakt, ist aber alltagsrelevant. Wir alle kaufen täglich Produkte ein – sei es im Supermarkt, im Kleidungsgeschäft oder online, wir nutzen Dienstleistungen und unzählige Apps. Dabei sind wir mit ganz vielen Fragen konfrontiert: „Was sind sinnvolle Angebote?“, „Was ist gesund?“, „Was sind Produkte, die auf Kosten der Umwelt oder zu schlechten Arbeitsbedingungen gefertigt werden?“. Verbraucherbildung hilft, sich dieser Fragen bewusst zu werden, und informierte Entscheidungen zu treffen, die gut für mich sind, aber auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen.

Lernt man diese Kompetenzen Ihrer Meinung nach nicht im Elternhaus?

Schön wäre das sicherlich, aber die Realität sieht anders aus. Wir leben in einer Welt, die immer komplexer wird und sehr viel Eigenverantwortung fordert. Zugleich sind die Ausgangsbedingungen in den Elternhäusern sehr unterschiedlich. Verbraucherbildung bedeutetet Teilhabe und gleiche Chancen. Wenn wir wollen, dass alle jungen Menschen, die die Schule verlassen, eigenverantwortlich und kritisch Entscheidungen treffen können, wenn es um Produkte und Dienstleistungen geht, dann gehört Verbraucherbildung auch in die Schule.

Bereits 2013 hat sich die Kultusministerkonferenz dazu verpflichtet in den Lehrplänen der Länder Verbraucherbildung umzusetzen. Was ist seitdem passiert?

Es gibt Bundesländer, die sich auf den Weg gemacht und Verbraucherbildung in ihre Curricula – wenn auch sehr unterschiedlich – übernommen haben. Es gibt aber Bundesländer, in denen wenig bis nichts in diesem Feld passiert ist. Wie so häufig im Bildungsbereich, ist ein Flickenteppich entstanden. Deswegen setzt sich der vzbv dafür ein, dass Verbraucherbildung bundesweit und in allen Schulformen und Alterststufen integriert wird. Unser Ziel: Gleiche Chancen für alle Jugendliche zu schaffen – egal ob sie im Norden oder im Süden von Deutschland wohnen.

Forderungen, neue Schulfächer einzuführen gibt es viele. Wie können Lehrkräfte dem noch gerecht werden?

Das stimmt, es gibt viele Herausforderungen mit denen Schulen und Lehrkräfte aktuell umgehen müssen: die Corona-Pandemie, die Aufnahme geflüchteter Kinder und Jugendlicher aus der Ukraine. Gleichwohl muss Schule auch darauf reagieren, wie sich die Welt und die Anforderungen an junge Menschen und Schulabgänger verändern.

Wir fordern kein eigenes Schulfach „Verbraucherbildung“. Verbraucherbildung ist etwas, was viele Schulen und Lehrkräfte auch jetzt schon leisten, indem sie klimafreundliche Ernährung thematisieren oder darüber sprechen, wie ich sinnvoll mit meinem Taschengeld umgehe. Es braucht aber eine Klammer: Verbraucherbildung sollte strukturiert als eigener prüfungsrelevanter Bestandteil des Lehrplans in allen Schulformen verankert werden und zwar bundesweit, am besten fachübergreifend. Mit dem Projekt Verbraucherschule wollen wir zeigen, wie es gehen kann.

Wie unterstützt das Netzwerk Verbraucherschule Lehrkräfte und Schulen, die sich Verbraucherbildung widmen möchten?

Mit dem Netzwerk Verbraucherschule wollen wir vor allem Ideen vermitteln und Lehrkräfte miteinander in Kontakt bringen. Es gibt Online-Fortbildungen, wir stellen Maßnahmen zum Nachmachen vor und bieten Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch. So hat zum Beispiel eine Schule aus Hessen ein erfolgreiches Finanzbildungsprojekt aus Schleswig-Holstein aufgegriffen und für sich angepasst. Ziel ist es, über Impulse, Austausch und Materialien den Kompetenzaufbau bei Lehrkräften zu fördern.

Bildung ist in Deutschland „Ländersache“. Bietet da ein bundesweites Netzwerk zur Förderung schulischer Verbraucherbildung überhaupt einen Mehrwert?

Alles, was den Austausch zwischen Lehrkräften und die Sichtbarkeit von Good-Practice-Maßnahmen fördert, ist meiner Ansicht nach sinnvoll. Da sollte man nicht an Landesgrenzen haltmachen. Wenn es die Möglichkeit gibt, sinnvolle Beispiele der Verbraucherbildung zu adaptieren, dann kann ich nur sagen: Abgucken erwünscht!

Alles zum Thema: Verbraucherschule langfristig etablieren

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