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Datum: 24.03.2022

Dark Patterns: Designtricks im Internet bereiten Probleme

vzbv-Analyse zeigt: Internetnutzer:innen können sich manipulativen Dark Patterns kaum entziehen

  • Anbieter setzen Designpraktiken ein, um Verbraucher:innen zu Handlungen entgegen ihrer eigenen Interessen zu verleiten.
  • Dark Patterns finden sich auf Social-Media-Plattformen, Online-Marktplätzen und Shops oder herkömmlichen Webseiten.
  • vzbv: Problem für Verbraucher:innen, insbesondere bei unbeabsichtigten Vertragsschlüssen oder erschwerten Kündigungen.
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Quelle: contrastwerkstatt - fotolia.com

Eine Auswertung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) von über 160 Verbraucherbeschwerden zeigt: Verbraucher:innen stoßen im Internet an zahlreichen Stellen auf Dark Patterns und fühlen sich davon ausgetrickst. Vermittlungsplattformen, Online-Marktplätze und andere Webseiten setzen Dark Patterns ein. Sie erschweren Kündigungen und verleiten Verbraucher:innen dazu, unerwünschte Verträge abzuschließen oder mehr Daten preiszugeben als gewollt. Der vzbv hat Anbieter wegen der Verwendung von Dark Patterns bereits abgemahnt.

„Anbieter von Webseiten, die Dark Patterns verwenden, nutzen einfache menschliche Verhaltens- oder Wahrnehmungsmuster aus. Kostet die Kontolöschung zu viel Zeit und zu viele Klicks, brechen viele Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Handlung ab. Ist der Button farbig markiert, klicken sie eher darauf. Wer solche, oft subtilen, Designtricks einsetzt, kann Nutzerinnen und Nutzer in ihrer Entscheidungsfreiheit beeinträchtigen“, sagt Sabrina Wagner, Referentin Team Marktbeobachtung Digitales des vzbv. „Laut den vorliegenden Beschwerden fühlen sich die Menschen ausgenutzt, manipuliert, verwirrt oder ausgetrickst. Im schlimmsten Fall können die Muster dazu führen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher zu ihrem eigenen Nachteil handeln.“

Dark Patterns wirken tendenziell auf zwei Weisen

Die Untersuchung des vzbv zeigt, dass sich die gefundenen Dark Patterns grob in zwei Arten aufteilen lassen:

  • Techniken, die Verbraucher:innen an etwas hindern sollen (zum Beispiel an einer Kündigung, einer Account-Löschung usw.)
  • Techniken, die Verbraucher:innen anlocken, zu etwas verleiten oder ihnen etwas entlocken sollen (wie ungewollten Abos, umfassende Datenpreisgabe usw.)

Dark Patterns können es Verbraucher:innen einerseits erschweren, Verträge oder Abonnements (fristgerecht) zu kündigen: In den gemeldeten Fällen wird unter anderem die Kündigung durch Medienbrüche, mehrstufige Kündigungsverfahren oder versteckte Informationen behindert. Immer wieder sind solche Praktiken bei Anbietern zu beobachten, die Vertragsabschlüsse sehr einfach machen oder Verbraucher:innen ungewollte Abos unterschieben.

Beispiel Dark Patterns: Kündigung Amazon Prime

Quelle: vzbv

Die Kündigung des Amazon Prime-Abonnements gestaltet sich für Nutzer:innen wesentlich schwieriger als dessen Abschluss („Schabenfalle“). Es werden visuelle und textliche Warnungen eingesetzt, und behauptet, dass Kund:innen durch die Kündigung sofort alle (bereits bezahlten) Prime-Leistungen verlieren. Durch die große Menge an Informationen sowie die vielfarbige Gestaltung ist die Seite dazu geeignet, Verwirrung beim Lesenden zu stiften und vom Inhalt abzulenken. Der Button, der die Kündigung fortsetzt, ist beschriftet mit „Ich verzichte auf meine Prime-Vorteile“. Die gewählte Formulierung lädt den Klick auf die Schaltfläche negativ auf. (Screenshot vom 04.03.2021)

Beispiel Dark Patterns: Kündigung Lovescout24 - 1

Quelle: vzbv

Der Kündigungsprozess des Abonnements bei Lovescout24 umfasst mehrere Schritte und für Nutzer:innen der mobilen Webseite scheinbar auch Medienbrüche, die die gewünschte Kündigung erschweren oder behindern könnten („Schabenfalle“). Erst hinter der unscheinbaren und möglicherweise doppeldeutigen Schaltfläche „Desktop-PC“ am Seitenende finden sich versteckte und zentrale Informationen für Kündigungswillige, die nicht über Desktop-PC auf den Dienst zugreifen. Erst nach einem Klick auf die Schaltfläche erscheinen die Auswahloption für Hinweise zur Kündigung via mobilen Webseiten und Apps als Pop-Up. (Screenshots vom 24.10.2021)

Beispiel Dark Patterns: Kündigung Lovescout24 - 2

Quelle: vzbv

Der Kündigungsprozess des Abonnements bei Lovescout24 umfasst mehrere Schritte und für Nutzer:innen der mobilen Webseite scheinbar auch Medienbrüche, die die gewünschte Kündigung erschweren oder behindern könnten („Schabenfalle“). Erst hinter der unscheinbaren und möglicherweise doppeldeutigen Schaltfläche „Desktop-PC“ am Seitenende finden sich versteckte und zentrale Informationen für Kündigungswillige, die nicht über Desktop-PC auf den Dienst zugreifen. Erst nach einem Klick auf die Schaltfläche erscheinen die Auswahloption für Hinweise zur Kündigung via mobilen Webseiten und Apps als Pop-Up. (Screenshots vom 24.10.2021)


Andererseits werden Dark Patterns auch genutzt, um Verbraucher:innen in unerwünschte oder unerwartete Abonnements, Verträge oder Mitgliedschaften zu locken. Andere Praktiken erzeugen eine (künstliche) Verknappung des Angebots oder suggerieren Zeitdruck bei der Bestellung. Bei Cookie-Bannern werden Nutzer:innen wiederholt durch die manipulative Farbgebung oder Platzierung von Buttons verwirrt. Sie geben dadurch möglicherweise mehr Daten preis, als von ihnen intendiert.

Beispiel Dark Patterns: Registrierung und Abozwang Betreut.de

Quelle: vzbv

Die Dark Patterns Zeitdruck sowie Zwang zur Registrierung und zum Abschluss eines Abonnements werden bei der Nutzung der Vermittlungsplattform betreut.de. angewandt. (Screenshot vom 18.10.2021)

Rechtliche Grauzone Dark Patterns

Nicht alle Arten von Dark Patterns verstoßen gegen geltendes Recht. „Deshalb muss immer im Einzelfall geprüft werden, ob eine Design-Praktik eindeutig rechtwidrig ist, eine rechtliche Grauzone betrifft oder nach aktueller Rechtsprechung noch vertretbar ist“, so Rosemarie Rodden, Referentin Team Rechtsdurchsetzung des vzbv. „Wir haben bereits Anbieter wegen der Verwendung von Dark Pattern abgemahnt und werden auch weiter unsere rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um irreführende geschäftliche Handlungen zu unterbinden.“
 

Methodik: Die Erkenntnisse beruhen auf der Auswertung von 168 Verbraucherbeschwerden, die während der Laufzeit des Verbraucheraufrufs „Dark Patterns – Manipulatives Design im Internet“ beim Verbraucherzentale Bundesverband (vzbv) und den Verbraucherzentralen eingingen. Der Verbraucheraufruf war vom 3. März bis zum 18. Oktober 2021 auf verbraucherzentrale.de online und rief Verbraucher:innen dazu auf, ihre Erfahrungen mit Dark Patterns, die sie von Kündigungen abgehalten haben sowie weiteren, ihnen auffällig gewordenen Dark Patterns einzureichen. Der Verbraucheraufruf ist ein exploratives Instrument der Marktbeobachtung des vzbv und dient der qualitativen Ergänzung von Fallmeldungen zu einem bestimmten Thema. Der vzbv dankt allen Teilnehmenden.

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