Eine Frau sitzt an ihrem Laptop und schaut auf eine Rechnung

Quelle: stefanamer - 123rf.

01.10.2026

Beschwerden über Inkasso nehmen deutlich zu

Verbraucherzentrale Bundesverband fordert eine stärkere Inkassoaufsicht

Eine Frau sitzt an ihrem Laptop und schaut auf eine Rechnung

Quelle: stefanamer - 123rf.

  • Im ersten Halbjahr 2026 wurden deutlich mehr Verbraucherbeschwerden über Inkasso erfasst als im Vorjahreszeitraum 
  • Berichtet wird beispielsweise davon, dass Forderungen geltend gemacht werden, obwohl die Verträge widerrufen oder die Waren retourniert wurden 
  • Verbraucherzentrale Bundesverband fordert, dass die Inkassoaufsicht mehr Ressourcen erhält, um Informations- und Sorgfaltspflichten konsequent durchzusetzen und Verstöße wirksam zu verfolgen 

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in den Verbraucherzentralen deutlich mehr Beschwerden über Inkasso erfasst als im Vorjahreszeitraum. Verbraucher:innen berichten immer wieder davon, Inkassoschreiben zu erhalten, obwohl aus ihrer Sicht keine Zahlungen ausstehen. Fünf Jahre nach der Inkassoreform zeigt sich: Es gibt nach wie vor Handlungsbedarf in diesem Bereich. 

„Die Inkassoreform hat dazu beigetragen, besonders hohe Inkassokosten einzudämmen. Das war ein wichtiger Schritt für Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagt Felix Methmann, Leiter des Teams Recht und Handel beim Verbraucherzentrale Bundesverband. „Die aktuellen Beschwerden zeigen aber, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit unberechtigten Forderungen konfrontiert sind. Wir brauchen eine stärkere Aufsicht und eine grundsätzliche Diskussion über wirtschaftliche Fehlanreize. Es ist nicht richtig, dass sich mit Inkasso so viel Geld verdienen lässt.“ 

Starker Anstieg der Beschwerdezahlen 

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in den Verbraucherzentralen bundesweit über 7.100 Beschwerden zu Problemen im Bereich Inkasso erfasst. Gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2025 entspricht das einem Anstieg um 62 Prozent. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 hat sich das Beschwerdeaufkommen mehr als verdoppelt (Anstieg um 106 Prozent). Die Mehrheit der Beschwerden zu Inkasso (61 Prozent) im ersten Halbjahr 2026 bezog sich darauf, dass die Hauptforderung nicht bestehe, die Inkassoforderung also potenziell unberechtigt sei. Das betrifft etwa Fälle, in denen Betroffene die Hauptforderung nicht nachvollziehen können oder den Vertragspartner nicht kennen. In anderen Fällen werden Forderungen geltend gemacht, obwohl die Verträge widerrufen oder die Waren retourniert wurden.  

„Wer Geld verlangt, muss nachvollziehbar erklären, warum die Forderung besteht. Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher Forderungen wegen fehlender Informationen nicht prüfen können, muss die Aufsicht wirksam handeln können“, fordert Methmann. 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert:

  • Starke Inkassoaufsicht: Verbraucher:innen müssen darauf vertrauen können, dass Informations- und Sorgfaltspflichten konsequent eingehalten werden. Verstöße muss die Aufsicht wirksam verfolgen. Dafür braucht sie ausreichende Ressourcen. Zudem sollte sie Missständen nicht nur nach Beschwerden nachgehen, sondern problematische Entwicklungen im Markt frühzeitig erkennen und proaktiv adressieren. 
  • Eigener Rechtsrahmen für Inkassodienstleistungen: Automatisiertes Forderungsmanagement ist heute Standard. Dennoch orientieren sich die Kostenregelungen weiterhin an Maßstäben, die auf eine Einzelfallprüfung ausgelegt sind. Die Kosten sollten sich an der tatsächlichen Leistung orientieren. Außerdem können Unternehmen ihre Forderungen grundsätzlich selbst geltend machen. Deshalb sollte stärker geprüft werden, wann die Einschaltung eines Inkassodienstleisters überhaupt erforderlich ist. 

Methodik 

Beschwerdestatistik: Die Auswertungen der Beschwerdestatistik basieren auf der Vorgangserfassung aller 16 Verbraucherzentralen in den insgesamt rund 200 Beratungsstellen in Deutschland. Die Vorgangserfassung stellt die statistische Erfassung aller Verbraucheranliegen dar, die im Rahmen der institutionellen Verbraucherarbeit an die Verbraucherzentralen herangetragen werden. Direkte Rückschlüsse auf die Häufigkeit des Vorkommens bestimmter Verbraucherprobleme in der Gesamtbevölkerung sind daraus jedoch nicht ableitbar. Die hier dargestellten Beschwerdezahlen basieren auf einem Datenstand vom 13. August 2026. 

Einzelfallschilderungen: Bei den Einzelfallschilderungen aus den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen handelt es sich um ausführliche Beschreibungen besonders auffälliger Sachverhalte aus der Verbraucherberatung, die qualitativ ausgewertet werden können. Rückschlüsse auf die Häufigkeit des Vorkommens entsprechender Fälle in der Verbraucherberatung oder in der Gesamtbevölkerung sind nicht möglich. 

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