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07.05.2020 > Pressemitteilung

Banken verstoßen gegen Corona-Schutzpaket für Kreditnehmer

Mann liest eine überhöhte Rechnung. Foto: gstockstudio - Adobe Stock
Banken verlangen Zinsen trotz Kreditmoratoriums für Verbraucher in finanzieller Schieflage
Quelle: 
gstockstudio - Adobe Stock
  • Verbraucher können Zahlung von Tilgung und Zinsen dank Kreditmoratorium aussetzen.
  • Banken verlangen dennoch weiter Zinsen.
  • vzbv fordert Politik zum Handeln auf.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert die Bundesregierung auf, gegenüber Banken und Sparkassen klarzustellen, dass sie sich in der Coronakrise nicht an ihren Kunden bereichern dürfen. So verlangt eine Volksbank in Nordrhein-Westfalen laut Verbraucherbeschwerde auch während der gesetzlich eingeräumten Aussetzung des Kredites weiterhin Zinszahlungen. Auch der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) empfiehlt Kreditinstituten trotz Kreditaussetzung auf Zinszahlungen zu bestehen. Dies steht im Widerspruch zum im März beschlossenen Kreditmoratorium. Demnach können Privatpersonen, die durch die Coronakrise in finanzielle Schieflage geraten sind, bei Krediten die Zahlung von Tilgung und Zinsen aufschieben.

„Es darf nicht sein, dass sich Banken während der Krise an Verbraucherinnen und Vebrauchern bereichern. Wenn Geldinstitute trotz des Kreditmoratoriums Zinsen von ihren Kunden verlangen, ist das unsittlich und das Gegenteil dessen, was der Gesetzgeber wollte. Verbraucher sind durch die Corona-Krise unverschuldet in zum Teil existenzielle wirtschaftliche Nöte geraten. Sie brauchen nun Luft zum Atmen, nicht ungerechtfertigte Belastungen und steigende Schuldenberge. Wir fordern an dieser Stelle klare Kante von Finanzminister Scholz und Verbraucherschutzministerin Lambrecht. Sie müssen den Banken klarmachen, was rechtlich gilt“, sagt vzbv-Vorstand Klaus Müller.  

Kreditmoratorium soll Verbraucher vor Kosten schützen

Der Bundestag hatte im März ein gesetzliches Kreditmoratorium verhängt, um Verbraucher mit laufenden Krediten vor Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Verbraucher müssen demnach Kredite innerhalb einer vorerst dreimonatigen Aussetzungsperiode nicht bedienen. Dem Gesetz zufolge dürfen Banken demnach auch keine Zinsen verlangen. Alle Kreditzahlungen bleiben der Höhe nach gleich, werden aber um mindestens drei Monate nach hinten verschoben.

Der Bundesverband deutscher Banken als Interessenvertretung der privaten Banken vertritt jedoch die Auffassung, dass innerhalb dieser Aussetzungsperiode weiter Zinsen anfallen. Zudem hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen einen Fall dokumentiert, in dem eine Volksbank Zinsen trotz Stundung von einem Kunden verlangt.  

Volksbank und Bankenlobby stellen sich gegen das Gesetz  

Nach Auffassung des vzbv verstößt diese Praxis gegen das Kreditmoratorium. Auch der Gesetzesbegründung ist zu entnehmen, dass den Verbrauchern keine Kosten oder Entgelte entstehen sollen. Weiterlaufende Zinsen während der Aussetzung würden das Darlehen insgesamt teurer machen und wären somit eine Mehrbelastung, die der Gesetzgeber ausdrücklich vermeiden wollte.  

„Banken profitieren in der aktuellen Krise an vielen Stellen von den großzügigen Hilfen der Politik. Sie sollten auch Kreditnehmern ermöglichen, wirtschaftlich heil durch die nächsten Monate zu kommen. Der Versuch, sich an den Kunden zu bereichern, ist dreist und muss unterbunden werden“, so Klaus Müller.   

 


Aufruf: Erfahrungen in der Corona-Krise melden

Um Betrug, Abzocke und Missbrauch von Verbraucherinnen und Verbrauchern in der Corona-Krise weiter zu verfolgen, benötigen die Verbraucherschützer die Hinweise und Beschwerden von Betroffenen. Diese können ihre Erfahrungen direkt online unter https://marktwaechter.de/corona melden.   

Verbraucherinnen und Verbraucher, die Hilfe in ihrem individuellen Fall benötigen, sollten die Beratungsangebote der Verbraucherzentralen nutzen, Informationen unter www.verbraucherzentrale.de/beratung.