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05.07.2018 > Pressemitteilung

Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln reduzieren

Der vzbv gibt Antworten rund um die geplante Reduktionsstrategie
Quelle: 
Fotolia.com - .shock
  • Zu süße, zu salzige oder zu fettige Lebensmittel können Übergewicht begünstigen.
  • Der vzbv fordert weniger Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln.
  • An der geplanten Reduktionsstrategie der Bundesregierung sollten alle Hersteller teilnehmen.  

Immer mehr Kinder und Erwachsene in Deutschland sind übergewichtig. Dazu tragen auch zu süße, zu salzige und zu fettige Lebensmittel bei. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) setzt sich für weniger Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln ein und fordert die Bundesregierung auf, die geplante Reduktionsstrategie mit verbindlichen Ziel- und Zeitvorgaben zu entwickeln – damit Verbraucher eine gesündere Alternative haben.

„Ob zuckerreiches Kindermüsli oder Pastasoßen mit zu viel Salz: Verarbeitete Lebensmittel enthalten oft mehr Zucker, Fett und Salz als es nötig und gesund ist. Das zu ändern, ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Übergewicht und ernährungsbedingte Erkrankungen. Deshalb brauchen wir dringend eine verbindliche Strategie, um Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln zu reduzieren. Daran sollten sich alle Hersteller beteiligen“, sagt Sophie Herr, Leiterin des Teams Lebensmittel beim vzbv.

Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag eine solche Nationale Reduktionsstrategie festgeschrieben. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hat den Dialog mit Herstellern, Handel, Wissenschaft und Verbraucherorganisationen aufgenommen, an dem sich auch der vzbv beteiligt.

Der vzbv beantwortet Fragen rund um die Reduktionsstrategie:

Warum fordert der vzbv die Reduktion von Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Produkten?
 

Übergewicht und Adipositas nehmen zu: Rund 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Zahlreiche Studien belegen, dass ein übermäßiger Verzehr von Zucker, Fett und Salz, die Entstehung von Übergewicht und Adipositas begünstigen können. Gerade verarbeitete Lebensmittel können viele Kalorien sowie viel Zucker, Fett und Salz enthalten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert daher schon seit Jahren, Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln zu reduzieren, um das Angebot an Lebensmitteln mit günstigem Nährwertprofil flächendeckend zu vergrößern. Solche Rezeptänderungen von Lebensmitteln hin zu weniger Fett, Zucker und Salz werden Reformulierung genannt. Das Angebot verarbeiteter Lebensmittel wird so im Ganzen ausgewogener hinsichtlich seiner Energiedichte und Gehalte an Zucker, Fett und Salz. Langfristig wird eine ausgewogene Ernährungsweise gefördert.

Erste Unternehmen senken bereits den Gehalt von Zucker, Fett oder Salz in ihren Produkten – reicht das nicht?
 

Unternehmen aus der Ernährungsbranche reduzieren laut eigenen Aussagen seit Jahren den Zucker-, Fett- und Salzgehalt in ihren Lebensmitteln. Das ist zu begrüßen, reicht aus Sicht des vzbv jedoch nicht aus. Die Erkenntnisse des Max-Rubner-Instituts zeigen, dass es selbst innerhalb einzelner Produktgruppen große Unterschiede beim Zucker-, Fett- oder Salzgehalt gibt. So weisen zum Beispiel Cerealien für Kinder mit 29,2 g pro 100 g den höchsten durchschnittlichen Zuckergehalt auf, wobei die Schwankungsbreite mit einem Minimalwert von 14,9 g und einem Maximalwert von 43 g ziemlich groß ist. Aus Sicht des vzbv fehlt es an einer Gesamtstrategie sowie an Verbindlichkeit. Denn jedes Unternehmen kann sich eigene mehr oder weniger ambitionierte Ziele setzen. Zudem informieren Unternehmen auf unterschiedliche Weise über ihre Reduktionsmaßnahmen. Aus Verbrauchersicht sind ein einheitliches, transparentes Vorgehen und verbindliche Ziel- und Zeitvorgaben für einzelne Produktgruppen nötig. Der vzbv sieht hierbei vor allem das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in der Pflicht, hierzu Vorgaben zu machen. 

Kann nicht jeder selbst entscheiden, wie viel Zucker, Fett und Salz er oder sie zu sich nimmt?
 

Angesichts der genannten Zahlen zu Übergewicht und Adipositas muss die Bundesregierung ihrer Schutzpflicht nachkommen, und endlich Maßnahmen ergreifen, um das Lebensmittelangebot gesünder zu gestalten. Gerade verletzliche Verbrauchergruppen wie Kinder und Jugendliche sind besonders zu schützen. Vor diesem Hintergrund kann die Reformulierung von Lebensmitteln ein wichtiger Baustein für eine ressortübergreifende, langfristig angelegte Ernährungs- und Präventionsstrategie sein.

Welche Anforderungen sollte eine Nationale Reduktionsstrategie erfüllen?
 

Folgende Faktoren gehören aus Sicht des vzbv unter anderem zu einer erfolgreichen Reduktionsstrategie:

  • Eine Reduktion von Zucker, Fett und Salz muss mit einer Reduktion des Energiegehalts einhergehen. Einen übermäßigen Einsatz von zum Beispiel Süßstoffen bei der Reduktion von Zucker sieht der vzbv kritisch.
  • Zucker, Fett und Salz sollten nicht durch Stoffe ersetzt werden, die gegebenenfalls andere gesundheitliche Risiken mit sich bringen können.
  • Um eine flächendeckende Verbesserung des Nährwertprofils von Lebensmitteln zu erreichen, müssen alle Lebensmittelhersteller an der Reduktionsstrategie teilnehmen. Es müssen verbindliche, mittel- bis langfristige produktgruppenspezifische Reduktionsziele sowie konkrete Zeitvorgaben vereinbart werden.
  • Transparenz und eine realistische Kommunikation über Reduktionsschritte und Produktveränderungen sind aus Sicht des vzbv nötig, um die Akzeptanz seitens der Verbraucher zu erhöhen. Es darf keine „Mogelpackungen“ geben.
  • Um den Reduktionsprozess transparent zu begleiten und Veränderungen innerhalb bestimmter Produktgruppen aufzeigen zu können, braucht es messbare Zwischenergebnisse und eine Vergleichbarkeit der Aktivitäten.
  • Der Fokus sollte zunächst auf Produktgruppen liegen, die häufig von verletzlichen Verbrauchergruppen wie Kindern und Jugendlichen konsumiert werden. Langfristig müssen jedoch alle Produktgruppen entsprechend reformuliert werden.

Die Reduktionsstrategie sollte ein Baustein in einer ressortübergreifenden Ernährungs- und Präventionsstrategie sein und um weitere Maßnahmen ergänzt werden. Dazu gehören eine verständliche farblich basierte Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmitteln (pro 100g/ml) – auch bekannt als Nährwertampel – und gesetzliche Restriktionen für an Kinder gerichtetes Marketing für Lebensmittel mit ungünstigem Nährwertprofil.