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20.12.2019 > Pressemitteilung

Inkasso - unberechtigte Forderungen, überzogene Kosten

Inkasso
vzbv-Umfrage zu Inkassoschreiben belegt Reformbedarf
Quelle: 
Studio v-zwoelf - Adobe Stock
  • 53 Prozent der Befragten geben an, ein Inkasso-Schreiben ohne vorherige Mahnung erhalten zu haben.
  • 42 Prozent halten Inkasso-Schreiben für unberechtigt, 24 Prozent halten die verlangten Kosten für überzogen.
  • vzbv fordert Kostenbegrenzung per Gesetz, eine zentrale Aufsichtsbehörde und eine kostenfreie Mahnung.

Eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) belegt den hohen Reformbedarf des Rechtsrahmens für die Inkasso-Industrie. So halten 42 Prozent der Empfänger von Inkassoschreiben diese für unberechtigt, 24 Prozent bezeichnen die in Rechnung gestellten Kosten spontan als überzogen, beziehungsweise viel zu hoch. 15 Prozent berichten von Aufschlägen von mehr als 100 Euro, bei knapp jedem zehnten waren es sogar mehr als 200 Euro. Gleichzeitig haben 21 Prozent der Verbraucher, die versucht haben, mit dem Inkassounternehmen in Kontakt zu treten, keine Antwort erhalten. Der vzbv fordert einen wirksamen Kostendeckel und eine zentrale Aufsicht für die Branche.

„Für Verbraucher sind hohe Inkassokosten seit Jahren ein Ärgernis, in manchen Fällen sind sie sogar existenzgefährdend. Die Umfrageergebnisse zeigen erneut, wie dreist und systematisch Verbraucher abgezockt werden. Die Bundesregierung muss den unseriösen Geschäftspraktiken dieser Milliarden-Branche, ihren zum Großteil überzogenen und unangemessenen Forderungen, einen Riegel vorschieben. Nötig sind ein wirksamer Kostendeckel, eine starke und zentrale Aufsicht und eine kostenfreie Mahnung vor der ersten teuren Inkassoforderung“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Umfrage bestätigt Erfahrungen der Verbraucherzentralen

Für die Umfrage hatte Forsa im Auftrag des vzbv 1.006 Menschen befragt. 24 Prozent der Befragten hielten bei offener Abfrage die geltend gemachten Kosten für überzogen beziehungsweise viel zu hoch. 15 Prozent berichten darüber hinaus spontan von Aufschlägen des Inkassounternehmens beziehungsweise des Anwalts von mehr als 100 Euro, neun Prozent sogar von mehr als 200 Euro. Diese Berichte werden durch die Erfahrung der Verbraucherzentralen und Schuldnerberatungsstellen gestützt. Aus Sicht des vzbv sind derartige Kosten sind unverhältnismäßig und haben mit dem tatsächlich entstehenden Aufwand nichts zu tun.

Der vzbv fordert von der Bundesregierung eine bessere Kontrolle der Inkasso-Branche. Das geplante Gesetz gegen Inkasso-Abzocke ist aus vzbv-Sicht allerdings unzureichend. So fehlen eine zentrale Aufsicht für die Branche sowie eine stärkere Begrenzung der häufig unverhältnismäßig hohen Gebühren, insbesondere für vollautomatisierte Standardbriefe.

Die detaillierten Umfrageergebnisse finden Sie im Downloadbereich.

Methode: Telefonische Interviews (CATI AdHoc). Grundgesamtheit: Personen ab 18 Jahren, die in den letzten 5 Jahren ein (oder mehrere) Inkassoschreiben erhalten haben. Stichprobengröße: 1.006 Befragte. Erhebungszeitraum: 19. bis 29. November 2019. Statistische Fehlertoleranz: +/- max. 3 Prozentpunkte in der Gesamtstichprobe. Institut: forsa.

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