Datum: 15.08.2022

Uns ärgert die Hartnäckigkeit und Dreistigkeit, mit der schwarze Schafe auch in der aktuellen Krisensituation versuchen, Verbraucher:innen über den Tisch zu ziehen

Interview mit Sven Scharioth, Geschäftsbereichsleiter Marktbeobachtung

Sven Scharioth

Quelle: vzbv / Gert Baumbach

Der Erfindungsreichtum dubioser Geschäftemacher ist fast unbegrenzt. Gibt es noch Maschen oder Tricks, die Sie überraschen?

Uns ärgert die Hartnäckigkeit und Dreistigkeit, mit der schwarze Schafe auch in der aktuellen Krisensituation versuchen, Verbraucher:innen über den Tisch zu ziehen und deren finanzielle Notlage auszunutzen. Etwa bei Lockangeboten für vermeintlich schufafreie Kredite, bei denen am Ende nur Kosten und Gebühren auf die Betroffenen warten, aber kein Kredit vergeben wird. Umso wichtiger, dass wir neben neuen Entwicklungen immer auch die Dauerbrenner-Probleme im Blick behalten – in einem starken Netzwerk von Verbraucherzentralen und vzbv und im Austausch mit den zuständigen Behörden.

Welche Erfolge konnte die Marktbeobachtung im letzten Jahr vorweisen?

Wir konnten immer wieder den Finger in die Wunde legen und nachhaltig dazu beitragen, dass wichtige Themen auf die politische Agenda kommen, dass Lobbying für Verbraucher:innen durch Evidenz schlagkräftiger wird und Verbraucher:innen gewarnt werden. Dabei sind aktuelle Entwicklungen für unsere Arbeit besonders wichtig:

Während der Corona-Pandemie ist das Arbeiten von daheim für viele Menschen noch wichtiger geworden und damit auch die Internetverbindung. Wir konnten durch eine Auswertung zeigen, dass eine langsamere Breitbandgeschwindigkeit als vertraglich vereinbart für viele Verbraucher:innen zu erheblichen monatlichen Mehrkosten führt. Dies hat die Relevanz des neuen Minderungsrechts im modernisierten Telekommunikationsgesetz (TKG-Novelle) verdeutlicht.

Seit August 2021 analysieren wir zudem die Preiskrise im Energiebereich. Im November 2021 konnten wir das fragwürdige Verhalten einiger Versorgungsunternehmen aufdecken: so etwa kurzfristige Lieferstopps, intransparente Kündigungen der Anbieter oder Preiserhöhungen trotz Preisgarantien. Damit erhöhen wir den politischen Druck, die Auswirkungen der aktuellen Preiserhöhungen für Verbraucher:innen zu minimieren.

Die Marktbeobachtung wird zukünftig auch den Gesundheitsbereich untersuchen. Was macht diesen Bereich aus?

Der Gesundheitsbereich zeichnet sich durch viele heterogene Angebote und Produkte aus. Zudem werden digitale Gesundheitsangebote und digitale
Formen der Kommunikation zunehmend beliebter und haben durch die Pandemie großen Zulauf erfahren. Aber nicht nur im ersten Gesundheitsmarkt
steckt viel Bewegung in der Digitalisierung. Auch die Privatwirtschaft, allen voran die großen Tech- Konzerne wie Amazon, Apple oder Meta/Facebook,
investieren in Gesundheitsforschung und bringen ihre Angebote auf den Markt. Dabei ist die Frage der Nutzung von sensiblen Gesundheitsdaten zentral für die Verbraucher:innen. Mit unserem Projekt „Verbraucherschutz bei digitalen Gesundheitsangeboten“ werden wir daran anschließen und das Themenfeld eingehend untersuchen. Auch weitere Themen mit Digitalbezug, die für Verbraucher:innen relevant sind, werden wir bearbeiten.

Das Interview wurde für den Jahresbericht 2021 des vzbv geführt.

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