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06.07.2017 > Pressemitteilung

Verbraucherreport 2017: Vertrauen in Politik fehlt

Verbraucher sehen sich bei digitalen und Finanzthemen am wenigsten geschützt
  • Laut Verbraucherreport haben 70 Prozent der Verbraucher ein eher geringes oder gar kein Vertrauen in die Politik beim Verbraucherschutz.
  • Probleme bei Finanzen und Versicherungen sowie Telekommunikation und Digitalem treiben Verbraucher um.
  • vzbv fordert zur Bundestagswahl eine effizientere Möglichkeit zur Altersvorsorge und mehr Schutz vor digitaler Diskriminierung. 

79 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher halten die Politik verantwortlich dafür, Verbraucherinteressen zu schützen. Doch nur jeder Vierte (26 Prozent) vertraut der Politik dabei auch eher oder sehr stark. 70 Prozent haben ein eher geringes oder überhaupt kein Vertrauen. Das zeigt der erste Verbraucherreport des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Vor der Bundestagswahl fordert vzbv-Vorstand Klaus Müller die Parteien auf, ihrer Verantwortung für Verbraucherschutz gerecht zu werden.

„Der Verbraucherreport hat ein Vertrauensleck offengelegt. Wenn Verbraucher das Gefühl haben, dass ihre Interessen nicht ausreichend wahrgenommen werden, sorgt das für Verunsicherung. Es braucht eine starke Verbraucherpolitik, um Verbrauchern wieder mehr Sicherheit zu geben”, sagt Klaus Müller.

Verbraucherschutz schafft Sicherheit

Verbraucherschutz spielt für das Sicherheitsempfinden eine zentrale Rolle, wie der Verbraucherreport von Kantar Emnid im Auftrag des vzbv zeigt. Demnach sagen 90 Prozent der Befragten, dass Verbraucherschutz eher bis äußerst wichtig für ihre persönliche Sicherheit als Verbraucher sei.

Jeder dritte Befragte (35 Prozent) hat schon einmal erfahren müssen, dass seine Interessen als Verbraucher nicht ausreichend geschützt waren. Am wenigsten geschützt fühlen sich die Befragten bei den Themen Finanzen und Versicherungen sowie Telefon und Internet. Nur jeweils 58 Prozent geben an, dass ihre Interessen in diesen Bereichen eher oder sehr gut geschützt seien. Bei Reisen und Verkehr meinen das immerhin 72 Prozent.

Mehr als eine Viertel Million Verbraucherbeschwerden

Diese Erkenntnisse aus dem Verbraucherreport decken sich mit Erfahrungen aus den 16 Verbraucherzentralen in den Ländern. Im Jahr 2016 gingen hier rund 265.000 Verbraucherbeschwerden ein, die meisten zu Postdienstleistungen und Telekommunikation (28,7 Prozent) sowie zu Finanzdienstleistungen (27,6 Prozent). Um den Verbraucherschutz zu verbessern, ist den Befragten des Verbraucherreports am wichtigsten, dass die Politik Verbraucherprobleme stärker beachtet (82 Prozent).

Effizientes Standardprodukt für Altersvorsorge

Ein Top-Thema aus Verbrauchersicht ist die Altersvorsorge: 89 Prozent der Verbraucher halten die Forderung, eine ausreichende Altersversorgung sicherzustellen, für wichtig oder sogar äußerst wichtig. Der vzbv spricht sich für ein effizientes Non-Profit-Standardprodukt aus: „Viele Anlageprodukte sind zu teuer und werfen damit zu wenig Rendite ab. Verbraucher müssen für ein gutes Leben im Alter mehr von ihrem Geld haben“, sagt Müller. Der vzbv schlägt einen Non-Profit-Vorsorgefonds vor, der kosteneffizient wirtschaftet und keine eigenen Gewinninteressen verfolgt. Auf teure Garantien sollte verzichtet werden. Verbraucher sollten aber zwischen Risikoklassen wählen können. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich auf dem Deutschen Verbrauchertag des vzbv im Juni offen für ein solches Vorsorgeprodukt und bezeichnete es als „gute Idee“.

Algorithmen kontrollieren

Anlässlich der Bundestagswahl fordert der vzbv zudem mehr Transparenz bei Algorithmen und unabhängige Kontrolle. Ob bei Vergleichsportalen oder Versicherungen: Algorithmen sollen Entscheidungen schneller und einfacher machen, sie können aber auch die Gefahr der Diskriminierung bergen und zu Nachteilen für Verbraucher führen. Müller: „Algorithmen dürfen kein Geheimnis sein. Nur wenn klar ist, mit welchen Kriterien Algorithmen arbeiten und wie diese bewertet werden, können sich Verbraucher gegen Diskriminierung wehren.“ Gerade in sensiblen Bereichen, etwa beim Auto oder bei Finanzen, sei Kontrolle nötig.

vzbv veröffentlicht Jahresbericht

Der vzbv hat heute zudem seinen Jahresbericht 2016/2017 veröffentlicht. In diesem zieht er Bilanz über das zurückliegende Jahr, aber auch über die gesamte vergangene Legislaturperiode. In einem Spezial zur Bundestagswahl analysiert der vzbv die Arbeit der Großen Koalition aus Sicht der Verbraucher. Er zeigt Erfolge und Versäumnisse auf und macht deutlich, welche Schritte die kommende Bundesregierung gehen muss, damit Verbraucher gut geschützt sind.

Der vzbv hat zur Bundestagswahl insgesamt 15 Kernforderungen aufgestellt. Sie sind zu finden unter www.verbraucher-zählen.de


Die Infografiken in druckfähiger Auflösung können Sie kostenlos nutzen. Bitte nennen Sie bei Veröffentlichung die Quelle, die unter der Grafik steht.

Der vzbv bietet außerdem sendefähige Audiobeiträge und O-Töne zum kostenlosen Download an. Bitte nennen Sie bei der Nutzung des Podcasts oder von O-Tönen als Quelle "Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)" mit dem Deeplink zum Podcast auf vzbv.de. Ein Manuskript finden Sie ebenfalls zum Download.

Downloads

Ergebnisse Verbraucherreport 2017 | Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
Daten und Fakten zur Arbeit von vzbv und Verbraucherzentralen
Übersicht Infografiken Verbraucherreport 2017
Infografik Verbraucherreport 2017: Verbraucherschutz schafft Sicherheit
Infografik Verbraucherreport 2017: Wenig Vertrauen in die Politik
Infografik Verbraucherreport 2017: Nachholbedarf bei Verbraucherschutz
Manuskript der O-Töne zu den Interview mit Klaus Müller, Dorothea Mohn und Lina Ehrig zum Verbraucherreport 2017 | 06. Juli 2017
O-Ton 1 Klaus Müller: Verbraucher sehen den Verbraucherschutz insgesamt auf verlässlichem Niveau | 0:31 min
O-Ton 2 Klaus Müller: 70 Prozent der Verbraucher haben kein Vertrauen in die Verbraucherpolitik | 0:22 min
O-Ton 3 Klaus Müller: Weniger Schutz in den Bereichen Telefon, Internet & Finanzen | 0:39 min
O-Ton 4 Klaus Müller: Politischer Handlungsbedarf bei der privaten Altersvorsorge | 0:24 min
O-Ton 5 Klaus Müller: Verbraucher müssen selbst entscheiden können, was mit ihren Daten passiert | 0:18 min
O-Ton 6 Dorothea Mohn: Non-Profit-Standardprodukt für Altersvorsorge gefordert | 0:34 min
O-Ton 7 Dorothea Mohn: Schwedisches Modell als Vorbild für Deutschland | 0:28 min
O-Ton 8 Dorothea Mohn: Garantien für Altersvorsorgeprodukte sind teuer | 0:27 min
O-Ton 9 Lina Ehrig: Algorithmen müssen transparent gemacht werden | 0:35 min
O-Ton 10 Lina Ehrig: Unabhängige Institution soll für Transparenz bei Algorithmen sorgen | 0:17 min
O-Ton 11: Kontrolle von Algorithmen in bestimmten Bereichen | 0:22 min