Datum: 26.10.2007

Verbraucher muss EC-Karte sorgfältig aufbewahren

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Quelle: Gina Sanders - Fotolia.com

Urteil des OLG Düsseldorf vom 26.10.2007 (I-16 U 160/04)

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Wird einem EC-Kartenbenutzer seine Karte gestohlen und hat er diese nicht sorgfältig aufbewahrt oder den Verlust der Karte nicht rechtzeitig gemeldet, so sieht er sich unter Umständen Schadensersatzansprüchen der Bank ausgesetzt, weil er durch die Verletzung seiner Sorgfaltspflicht dem Dritten den Missbrauch der Karte erst ermöglicht hat.

Als unsorgfältige Aufbewahrung hat das Gericht folgende Fälle einer gemeinsamen Klage beurteilt: Das unbeaufsichtigte Liegenlassen einer Tasche, in der sich die Karte befindet, auf dem Beifahrersitz eines PKW ist grob fahrlässig. Die Scheibe des PKW war aufgebrochen und die Tasche entwendet worden. Ebenfalls grob fahrlässig handelt, wer seinen Rucksack mit Portemonnaie im abgeschlossenen Direktionstrakt eines öffentlichen Gebäudes für die Mittagspause unbeaufsichtigt und nicht versteckt zurücklässt, auch wenn nur ein sehr kleiner Personenkreis zu dem Gebäudeteil Zutritt hat. Auch wer seine Geldbörse beim Einkauf vor sich in den Einkaufswagen legt, wo er sie an sich "ständig im Blick hat", handelt grob fahrlässig.

Schadensersatzpflichtig macht sich auch, wer zwar hinsichtlich der Aufbewahrung der Karte sorgfältig handelt, die Bank jedoch im Diebstahls- oder Verlustfall nicht umgehend informiert. Das Gericht hat eine schuldhafte Verzögerung angenommen, wenn die Bank bei Kartenverlust im Ausland erst 24 Stunden nach Bemerken des Fehlens der Karte benachrichtigt wird. Der Kunde kann sich insbesondere nicht darauf berufen, dass er aufgrund fehlender Orientierungs- und Telefonauskunftsmöglichkeiten im Ausland (Italien) nicht schneller Handeln konnte.

Auch wer auf einer Reise das Fehlen seiner Geldbörse samt Karte bemerkt, sich jedoch unklar darüber ist, ob er diese nur zuhause vergessen hat, darf nicht bis zu seiner Rückkehr mit der Benachrichtigung warten, wenn er die Geldbörse mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei Reiseantritt mit sich führte und das Fehlen nach dem Aufenthalt in einem stark belebten Bahnhof festgestellt wurde.

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