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25.05.2015 > Urteil

„Psychoklausel“ in der privaten Unfallversicherung

Urteil des OLG Celle vom 25.05.2015 (8 U 199/14)
Quelle: 
Gina Sanders – fotolia.com

Krankhafte Störungen mit organischer – nicht notwendigerweise hirnorganischer – Ursache werden nicht durch die Psychoklausel ausgeschlossen.

Einem unfallversicherten Kunden war nach einem schweren Motorradunfall bereits in erster Instanz überwiegend Recht gegeben und die Versicherung zur Zahlung verurteilt worden. Sie hatte Berufung eingelegt, der Kunde ebenfalls, da er noch einen Zinsanspruch geltend machte.

Die Zinsen wurden dem Kunden zugesprochen, die Berufung der Versicherung war erfolglos. Sie hatte die sogenannte Psychoklausel umfassend verstanden und war der Meinung, dass insbesondere alle posttraumatischen Belastungsstörungen erfasst seien. Dieser Meinung schloss sich das Gericht nicht an.

An dem hier verhandelten Fall ist deutlich die organische Ursache ersichtlich. Der Versicherte war nach dem schweren Unfall ständig bei Bewusstsein, bis er im Krankenhaus vor der Operation durch die Anästhesie das Bewusstsein verlor. Er hat die Schwere der Verletzung und die Lebensbedrohlichkeit somit wahrnehmen können. Gerade dadurch handelt es sich nach Meinung des Gerichts nicht um eine spätere „Fehlverarbeitung“ des Unfallgeschehens, sondern die psychische Störung (posttraumatische Belastungsstörung) knüpfte direkt an die organischen Unfallfolgen an.

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