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15.12.2008 > Urteil

Dresdner Bank wegen Alpha-Zertifikat verurteilt

Quelle: 
Gina Sanders – fotolia.com

Urteil des LG Hamburg vom 15.12.2008 (318 O 4/08)

Link zum Urteil auf money-advice.net

Nach Auffassung des Landgerichts Hamburg handelt es sich bei Alpha-Zertifikaten um "reine Spekulationspapiere mit Wettcharakter". Daher macht sich eine Bank schadensersatzpflichtig, wenn sie diese an Privatkunden als Alternative zu einem bestehenden Geldmarktfonds verkauft.

Das Landgericht Hamburg hat die Dresdner Bank dazu verurteilt, an einen Privatkunden 12.249,61 Euro wegen Beratungsverschuldens zu bezahlen. Eine Bankmitarbeiterin hatte ihm das Dresdner Alpha Express Zertifikat II am 07. Mai 2007 in einem Beratungsgespräch als sichere Anlage dargestellt. Der Kunde wünschte eine Alternative zu einem bestehenden Geldmarktfonds. Nachdem das Zertifikat kontinuierlich an Wert verlor, verkaufte der Verbraucher das Zertifikat im Dezember 2007 schließlich wieder.

Ein solches Zertifikat wurde für einen Privatkunden als völlig ungeeignet angesehen, weil der Kunde die verschiedenen Risiken in der Regel nicht erkennen kann. Alpha-Zertifikate sind eine Wette zwischen verschiedenen Kursverläufen, in der Regel Börsenindices. Die Verkäufer können auch, wie in dem vorliegenden Fall, meist selbst nicht darlegen, wieso der eine Index den anderen Index in Zukunft schlagen soll. Zudem kommt es nur auf den relativen Performanceunterschied der Indices an, sodass der Anleger selbst bei steigenden Kursen einen Totalverlust erleiden kann. Dementsprechend hatte das Gericht ein Beratungsverschulden der Bank angenommen.

Selbst professionelle Anleger haben daher in der Vergangenheit derartige Zertifikate gemieden, weil selbst sie sich nicht in der Lage sahen, die Risiken und Chancen von Alpha-Zertifikaten sinnvoll zu bewerten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig (Stand: Januar 2009).

Hinweis

Weitere Urteile und Beschlüsse finden Sie im Volltext bei FIS money-advice.net.
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