Datum: 13.10.2009

Kyoto und Verbraucher - Gastkommentar von Jochen Flasbarth

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Gastkommentar des Präsidenten des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, für die vpk - die Zeitschrift des Verbraucherzentrale Bundesverbands (September 2009, Nr. 23)

Im Dezember 2009 trifft sich die internationale Klimadiplomatie in Kopenhagen. Auf dem 15. Weltklimagipfel müssen die Expertinnen und Experten starke Akzente für ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls setzen und anspruchsvolle Minderungsziele bis weit in dieses Jahrhundert festlegen.

Die internationale Klimadiplomatie mag weit weg erscheinen. Aber dieser Eindruck trügt. Was in Kopenhagen verhandelt wird, fordert uns alle - auch im Alltag. Noch verursacht jeder Mensch in Deutschland im Schnitt rund elf Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Wenn wir den globalen Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad begrenzen wollen, müssen wir gerade in den Industrieländern mit unseren Klimagasen deutlich runter. Das funktioniert natürlich nicht von heute auf morgen. Aber die gute Nachricht ist: Wir alle können mit kleinen Schritten etwas bewegen und dazu beitragen, dass Klimaschutz zum Erfolg führt. Als Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren wir auch finanziell. Denn: Was für das Klima gut ist, entlastet häufig auch unsere Haushaltskasse. Mittel- und langfristig müssten wir unterlassenen Klimaschutz ohnehin als Steuerzahler mit mehrfacher Münze bezahlen.

Energiesparen ist immer sinnvoll
Am Beispiel des Energiesparens zeigt sich, wie Umwelt und Verbraucher gleichermaßen profitieren können: Wer heute einen neuen Computer oder Kühlschrank kauft, sollte nicht nur auf den Preis, sondern auch auf den Stromverbrauch schauen. Stromfresser sind für das Klima schlecht und jagen die Stromrechung für Jahre unnötig in die Höhe. Energiesparende Geräte müssen in der Anschaffung gar nicht teurer sein. Und selbst dort, wo Gutes etwas mehr kostet, rentiert sich die Zusatzinvestition schnell. Bei Kühlschränken oder Waschmaschinen bietet die staatliche Energieverbrauchskennzeichnung in den Stufen "A++ bis G" Orientierung. Hier sollte die Kennzeichnung aber noch klarer werden und nicht mit immer mehr +-Zeichen Verwirrung stiften. Bei Unterhaltungselektronik, die bislang nicht verpflichtend gekennzeichnet ist, sollte man genau hinschauen: Große Plasmabildschirme etwa können schnell so viel Energie verbrauchen wie sechs Kühlschränke. Etwas Orientierung im Produkt-Dschungel bietet das freiwillige Umweltzeichen "Blauer Engel". Es kennzeichnet besonders energiesparende Haushalts- und IT-Geräte, die darüber hinaus weniger Schadstoffe enthalten. Wir brauchen aber auch eine verpflichtende Energieverbrauchskennzeichnung für alle relevanten Produktgruppen.

Beispiel Verkehr: Wer seine individuelle Mobilität kritisch überprüft, kann viel für den Klimaschutz tun. Mehr als die Hälfte der täglich in Deutschland zurückgelegten Strecken liegt unter fünf Kilometer. Trotzdem steigen viele dafür lieber ins Auto, statt auf’s Rad, in den Bus oder die Bahn. Wer öfter unmotorisiert unterwegs ist, tut auch etwas für die Gesundheit. Und wenn man trotzdem das Auto nimmt, weil man für längere Strecken darauf angewiesen ist, sollte man Sprit sparend fahren und sich beim Neukauf für ein Modell entscheiden, das nicht nur mit tollen Fahrleistungen und technischen Finessen glänzt, sondern möglichst wenig CO2 ausstößt. In vielen Städten und Regionen gibt es übrigens mittlerweile attraktive Car-Sharing-Angebote, die deutlich attraktiver sind als noch vor einigen Jahren.

Auch die Ernährungsweise zählt
Beispiel Nahrung: Was wir essen und trinken trägt zu unserer Klimabilanz bei. Dass ein Kilo Steak mehr Klimagase produziert als die gleiche Menge Spargel hat sich mittlerweile rumgesprochen. Neben der Frage Fleisch, weniger Fleisch oder fleischlos - die jede und jeder natürlich ganz für sich allein entscheiden sollte - spielt die räumliche Herkunft unserer Lebensmittel eine große Rolle: Lebensmittel, die über viele tausend Kilometer von einem Ende der Erde zu uns reisen, schlagen sich schnell negativ in der individuellen Klimabilanz nieder. Was lokal oder regional angebaut wird, ist da im Vorteil und kann genauso viel gesunde Abwechslung bieten. Wer öfter saisonale Produkte kauft, erhält oft viel frischere Ware, die das Klima wenig belastet.

Kurzum: Effektiver Klimaschutz verlangt von uns sicher nicht, dass wir unser Leben komplett umkrempeln. Und schon gar nicht, dass wir auf Genuss verzichten müssen. Wohl aber, dass wir uns unserer Verbrauchermacht über den Zustand unserer Umwelt im Klaren sind.

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vpk Oktober 2009 - 960 KB

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