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30.05.2014 > Pressemitteilung

Versicherte besser an Überschüssen beteiligen

Lebensversicherungsreformgesetz: Nachteile für Verbraucher ausgleichen
Quelle: 
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In Zeiten niedriger Zinsen wird es für Lebensversicherungen zunehmend schwierig, ihre Garantiezusagen an die Versicherten zu erfüllen. Das Bundesfinanzministerium will die Unternehmen entlasten: Ein Entwurf zum Lebensversicherungsreformgesetz sieht vor, dass unter anderem die Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven eingeschränkt werden soll. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisiert, dass dies noch zu einseitig zu Lasten der Versicherten gehe und fordert im Gegenzug eine deutlich bessere Beteiligung an den Überschüssen.

Aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Überschussbeteiligung müssen Versicherer derzeit, Kunden, die ihre Lebensversicherung kündigen oder deren Vertrag ausläuft, an den Bewertungsreserven beteiligen. Dies soll nun bei Kursgewinnen aus festverzinslichen Wertpapieren eingeschränkt werden. Der Handlungsdruck ergibt sich aber nur daraus, dass das Geld für die Beteiligung an den Bewertungsreserven aus wichtigen Sicherheitspuffern kommt. „Würde man das System umstellen, und die Beteiligung an den Bewertungsreserven aus laufenden Kapitalerträgen speisen, gäbe es keinen sachlichen Grund mehr, sie einzuschränken“, sagt Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim vzbv. „Die Bewertungsreserven sind ein wichtiger Baustein, um ausscheidende Versicherte an den Vermögenswerten zu beteiligen, die mit ihren Beiträgen geschaffen wurden.“ Werde die Beteiligung beschnitten, müssten an anderer Stelle Verbraucherinteressen stärker berücksichtigt werden.

Gewinne stehen Versicherten zu

Der vzbv fordert, dass generell die Beteiligung der Versicherten an Überschüssen verbessert werden soll. Sie dürften nicht das Nachsehen haben, wenn ein Unternehmen übermäßig vorsichtig kalkuliert und die hohen Gewinne im Unternehmen bleiben. Gatschke: „Die Gewinne stehen den Versicherten zu, sie sollten mit mindestens 90 Prozent an allen Überschussquellen beteiligt werden.“ Positiv bewertet der vzbv dagegen die Pläne des Bundesfinanzministeriums, wonach das Geld aus den Überschusstöpfen schneller beim Einzelnen ankommen soll – nämlich sobald ein bestimmter Wert bei den kollektiven Überschüssen erreicht ist. Ebenso unterstützt der vzbv das Vorhaben, die Ausschüttungen an Aktionäre zu begrenzen, solange nicht sicher ist, dass ein Unternehmen die Garantiezusagen an die Versicherten erfüllen kann.

Transparenz bei Kosten und Verzinsung      

Darüber hinaus fordert der vzbv mehr Transparenz: Zwar sollen Versicherte künftig in Euro und Cent erfahren, welche Provision ein Berater beim Vertragsabschluss erhält. Daneben erhalten die Vermittler aber noch weitere geldwerte Vorteile wie einen Bürokostenzuschuss oder kostenfreie Fortbildungen, die nach dem Entwurf nicht offengelegt werden müssen. Damit könnten die Bemühungen um Transparenz leicht umgangen werden, wenn der Versicherer einfach Gelder umdeklariert. Der vzbv hält eine Offenlegung sämtlicher Zuwendungen im Zusammenhang mit dem Vertragsschluss für unerlässlich. 

Zudem müsse künftig klarer sein, wie viele Zinsen Versicherte erhalten. Mit der heute üblichen Angabe, der Garantiezins betrage 1,75 Prozent und die laufende Überschussbeteiligung 3,8 Prozent, könne der Verbraucher wenig anfangen. Denn die Angaben beziehen sich nur auf den Sparanteil der gezahlten Beiträge – die Höhe des Sparanteils wird aber nicht mitgeteilt. Lebensversicherer sollten deshalb künftig die Verzinsung auf den eingezahlten Beitrag ausweisen.

Zwar greift der vorliegende Entwurf zentrale und akute Probleme der Lebensversicherung auf und versucht, zu einer sachgerechten Lösung zu kommen. Für einen angemessenen Interessenausgleich wäre es jedoch erforderlich, die spezifische Situation der Versicherungsnehmer innerhalb der einzelnen Vertragsstadien stärker zu berücksichtigen. Das erfüllt der Entwurf noch nicht ausreichend. Die Vorschläge des vzbv finden Sie in der unten stehenden Stellungnahme.

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