Skip to content Skip to navigation Logo Verbraucherzentrale Bundesverband

16.11.2011 > Pressemitteilung

Versicherer müssen Finanzprodukte einem Realitätscheck unterziehen

vzbv fordert von der Branche verbindliche Regeln für fairen Vertrieb
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Eine realitätsgerechte und effiziente Gestaltung von Finanzprodukten fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) von der Versicherungswirtschaft. Anlass ist die Jahrestagung des Dachverbandes GDV, die morgen in Berlin stattfindet. Unter anderem müssten Abschluss- und Vertriebskosten über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt werden, um die Verluste bei vorzeitiger Kündigung im Rahmen zu halten. „Die Branche muss ihre Produkte einem Realitätscheck unterziehen und sich verbindliche Regeln für einen fairen Vertrieb geben“, fordert vzbv-Vorstand Gerd Billen. Ansonsten müsse der Gesetzgeber aktiv werden.

Durch den Abschluss von Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen haben die Verbraucher nach einer Studie (Link) des Ökonomieprofessors Andreas Oehler in den vergangenen zehn Jahren Verluste von bis zu 160 Milliarden Euro erlitten. Um solche Verluste in Zukunft zu reduzieren, fordert der vzbv:

  • Die Abschluss- und Vertriebskosten müssen gleichmäßig über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt werden. Derzeit erhält der Versicherungsvermittler direkt nach Eingang der ersten Zahlung des Kunden seine Provision. Diese Abschlusskosten verrechnet das Versicherungsunternehmen in den ersten Jahren mit den eingehenden Beiträgen. Die Folge: Das Guthaben wächst zunächst nur sehr langsam, die Erträge sind marginal und der Rückkaufwert im Falle einer Vertragskündigung äußerst gering. Erfüllt der Kunde seinen Vertrag nicht bis zum Ende der Laufzeit, macht er hohe Verluste. Dies ist heute sehr häufig der Fall, da gebrochene Erwerbsbiographien eher Regel als Ausnahme sind. Das Produkt entspricht damit nicht der Lebenswirklichkeit.
  • Versicherer müssen die prognostizierte Verzinsung auf die tatsächlich eingezahlten Beiträge beziehen, nicht auf den reinen Sparanteil. Die Verbraucher interessiert die Effizienz eines Produktes, die sich aus dem Verhältnis von Geldeinsatz und Rendite ergibt. Die Versicherungsunternehmen ziehen jedoch von den tatsächlich geleisteten Beiträgen die diversen Kosten des Produktes ab und berechnen die Rendite ausschließlich auf den verbleibenden Sparanteil. Die Folge: Der Garantiezins erscheint deutlich höher als er real ist.

 

  • Die Versicherungsunternehmen müssen ihre Produkte auch ohne Provisionen und Zuwendungen in Form eines Nettotarifs anbieten. Derzeit können Verbraucher zwar eine Honorarberatung in Anspruch nehmen, um sich unabhängig von Provisionszahlungen beraten zu lassen. Entscheiden sie sich am Ende für ein Versicherungsprodukt, müssen sie dieses jedoch meist bei einem Vermittler kaufen – und zahlen die Provisionen, obwohl sie keine Beratung mehr benötigen. Durch die Nettotarife würden diese zusätzlichen Kosten entfallen.

Weitere Informationen