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30.10.2007 > Pressemitteilung

Verbraucherbildung gehört ins Zentrum der Integrationspolitik

vzbv-Tagung zu Migranten und Konsum: "Gut informiert, gut integriert" könnte Erfolgsformel werden
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Eine Etablierung der Verbraucherbildung im Zentrum der deutschen Integrationspolitik hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gefordert. "‘Gut informiert, gut integriert‘ lautet die bisher in der Integrationspolitik viel zu wenig beachtete Erfolgsformel", resümiert Uwe Hüser, stellvertretender Vorstand des vzbv anlässlich der Tagung "Migranten und Konsum" in Berlin. Es zeuge von wenig Weitsicht, dass in dem Nationalen Integrationsplan das Stichwort Verbraucherschutz ausgeblendet sei.

"Zwar gibt es eine Vielzahl einzelner Verbraucherschutz-Projekte, die sich gezielt an Migranten wenden. Was jedoch fehlt ist eine Gesamtstrategie", sagte Uwe Hüser. Verbraucherbildung und -information seien in optimaler Weise zur erfolgreichen Integration von Migrantinnen und Migranten geeignet. Während der Staat seinen Bürgern immer mehr Eigenverantwortung abverlangt und die Konsumwelt immer globaler, vielfältiger und komplexer wird, steige der Bedarf an Bildung und Information. "Dies gilt in besonderem Maße für die Bevölkerungsgruppen, denen die Teilnahme am öffentlichen Leben durch Sprachbarrieren oder andere kulturelle Hintergründe ohnehin schwer genug fällt", so Hüser.

Dies bestätigt die zur Tagung präsentierte Studie "Verbraucherschutz in der Einwanderungsgesellschaft". Einige Ergebnisse:
  • Unterschiedlich ist jedoch der Erfolg der Ansprache: Statt über Plakate und Faltblätter sind Migranten häufig besser über soziale Netze und Multiplikatoren innerhalb der Community zu erreichen.
  • Sprachliche Barrieren und kulturelle Unterschiede führen dazu, dass Migranten überproportional häufig übervorteilt werden - von untergeschobenen Telefontarifen über nicht bedarfsgerechte Versicherungen hin zu überhöhten Mieten oder Krediten. Entsprechend hoch ist der Anteil der Migranten in der Schuldner- und Insolvenzberatung.
  • Wichtigste Voraussetzung zur Integration ist die Sprache. Doch hier liegt ein Dilemma: Mit einem sprachlichen Entgegenkommen durch Sprachmittler oder Mitarbeiter, die die Sprache der Migranten sprechen, erreichen zwar die Informationen der jeweiligen Institution die Zielgruppe. Gleichzeitig sinkt damit jedoch die Bereitschaft und Notwendigkeit, sich auf die deutsche Sprache einzustellen.

    Mit der Tagung will der vzbv einen Beitrag leisten, Verbraucherschutz und -bildung stärker in den Mittelpunkt der politischen Agenda zu rücken, um Migranten die alltägliche Lebensführung in einer fremden Umgebung zu erleichtern. Ein konkreter Beitrag ist das heute vom vzbv veröffentlichte Faltblatt "Telefon- und Handyrechnung" in deutsch-türkischer und in deutsch-russischer Sprache. Die vzbv-Bildungsplattform www.verbraucherbildung.de hält Materialien für den Sprachunterricht bereit. Hier ist auch die aktuelle Studie "Verbraucherschutz in der Einwanderungsgesellschaft" abrufbar.

    Gut informiert, gut integriert - Integration durch Verbraucherbildung
    Der vzbv und seine Mitgliedsorganisationen kündigten an, die interkulturelle Öffnung der Verbraucherorganisationen in ihren Reihen und im öffentlichen Dialog weiter voranzutreiben. Für 2008 ist ein Workshop mit Verbrauchervertretern und Vertretern von Migrantenorganisationen mit dem Ziel der Definition gemeinsamer Ziele und Strategien geplant. Zur Etablierung der Verbraucherberatung und Verbraucherbildung als Integrationsfaktor haben der vzbv und die Verbraucherzentralen Forderungen aufgestellt. Diese Forderungen finden Sie hier (oder im Download).
    Im Download finden Sie weiterhin folgende Dokumente:
    • Studie "Verbraucherschutz in der Einwanderungsgesellschaft" - Zusammenfassung und Langfassung (vonTatiana Lima Curvello)
    • Faltblatt "Telefon- und Handyrechnung" in deutsch-türkischer und deutsch-russischer Sprache
      Forderungen des vzbv und der Verbraucherzentralen zur Integrationspolitik
    • Tagungsprogramm

    Ab 31.10.2007 finden Sie auf der vzbv-Website einen Podcast zur Tagung.

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