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30.08.2013 > Pressemitteilung

Verbraucher wollen gerechteres Gesundheitswesen

Umfrage zeigt Handlungsbedarf bei Reform des Gesundheitssystems
Quelle: 
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Die Deutschen wünschen sich mehr Gerechtigkeit im Gesundheitswesen. Gefragt danach, wo es nach der Bundestagswahl zu handeln gilt, halten 83 Prozent die Gleichbehandlung von privat und gesetzlich Versicherten für sehr wichtig oder wichtig. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Neun von zehn Befragten sprechen sich zudem für bessere Informationen bei Selbstzahlerleistungen aus. Die Umfrage wurde im Rahmen des Wahlchecks zur Bundestagswahl www.verbraucher-entscheiden.de durchgeführt.

Das Nebeneinander von gesetzlicher Krankenversicherung, in der rund 90 Prozent der Bevölkerung versichert sind, und privater Krankenversicherung sowie die Bedingungen des Systemwettbewerbs sehen die Verbraucher überwiegend kritisch. Sie wünschen sich mehr Solidarität: Auf die Frage „Wie wichtig ist Ihnen folgende Veränderung im Gesundheitssystem nach der Bundestagswahl: Sollen privat und gesetzlich Versicherte gleich behandelt werden?“ antworteten 58 Prozent der Befragten mit „sehr wichtig“, jeder Vierte (25 Prozent) mit „wichtig“.

Auch der vzbv spricht sich für eine Angleichung aus: „Die Gesundheitspolitik muss in der kommenden Legislaturperiode eine Richtungsentscheidung für die Integration von gesetzlicher und privater Krankenversicherung treffen, damit alle Akteure wissen, wohin die Reise geht“, sagt vzbv-Vorstand Gerd Billen. In einem integrierten Krankenversicherungsmarkt stünden alle Anbieter von Krankenversicherungen bei gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Wettbewerb und alle Versicherten hätten umfassende Wahl- und Wechselmöglichkeiten.

Ärztehonorare gerechter verteilen

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Für 81 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass die Ärztehonorare gerechter verteilt werden. Aktuell können Ärzte für privat Versicherte deutlich höhere Honorare berechnen. Dies führt aus Sicht des vzbv zu Fehlanreizen in der Versorgung und im Niederlassungsverhalten junger Ärzte. Er spricht sich deshalb dafür aus, in der nächsten Legislaturperiode die Honorar-, aber auch die Vergütungssysteme so anzupassen, dass Bedarfsorientierung, gute Versorgungsqualität und Kooperationen zum Beispiel zwischen ambulanter und stationärer Versorgung belohnt werden.

Mehr Information zu IGeL gewünscht

Wenn es um die Beratung zu individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) geht, die Verbraucher selbst bezahlen müssen, ist 92 Prozent der Befragten eine bessere Beratung wichtig. Das deckt sich mit den Erkenntnissen der Verbraucherzentralen. Eine Befragung im vergangenen Jahr hatte ergeben, dass über den Nutzen solcher Selbstzahlerleistungen im Vorfeld oft nicht angemessen aufgeklärt wird. Außerdem gibt es beträchtliche Mängel bei der Erstellung von Kostenvoranschlägen und Rechnungen. Nur wenige individuelle Gesundheitsleistungen sind individuell notwendig wie Reiseimpfungen, die Mehrzahl ist bestenfalls nicht nützlich. Der vzbv fordert deshalb Klarstellungen und weitere Schutzvorkehrungen bei den Vorschriften im Bürgerlichen Gesetzbuch zum Behandlungs- und Arzthaftungsrecht.

Der Wahlcheck

Wie sich ihre Position mit den Standpunkten der Parteien decken, die im Bundestag sitzen, können Verbraucher im Online-Wahlcheck des vzbv prüfen. Die interaktive Informationsplattform www.verbraucher-entscheiden.de greift neben Gesundheit vier weitere Verbraucherthemen auf: Finanzen, Lebensmittel, Digitales und Energie. Die Nutzer können sich spielerisch durch 15 Fragen navigieren und ihre Einstellungen mit denen der Parteien abgleichen.

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