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18.07.2011 > Pressemitteilung

Umfrage: Auskunfteien geben mangelnde Auskünfte

Online-Befragung des vzbv zeigt Defizite bei der Umsetzung der neuen Informationsrechte
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Unzureichend, unverständlich und veraltet sind häufig Informationen, die Verbraucher auf Anfrage von Auskunfteien erhalten. Das ergab eine nichtrepräsentative Online-Befragung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), an der sich 1.531 Betroffene beteiligten. Seit 1. April 2010 haben Verbraucher das Recht, von Auskunfteien einmal im Jahr kostenlos zu erfahren, welche Daten über sie gespeichert sind und wie diese bei Bonitätsbewertungen (Scoring) verwendet werden. Die Befragung des vzbv zeigt: Die neuen Rechte führen noch nicht zu der gewünschten Transparenz für Verbraucher. "Der Gesetzgeber muss verbindliche Standards vorschreiben", fordert Vorstand Gerd Billen.

Die Umfrage des vzbv startete im April 2010 und lief ein Jahr lang. Immerhin 75 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, auf ihre Anfrage eine Auskunft erhalten zu haben. Allerdings war diese häufig wenig aussagekräftig. So fühlten sich 60 Prozent der Befragten nicht ausreichend informiert, da die Antworten unverständlich gewesen seien. 51 Prozent entdeckten in den übermittelten Datenbeständen falsche oder veraltete Informationen. Außerdem ärgerlich: Rund 15 Prozent der Befragten haben für die Auskünfte bezahlt, obwohl diese laut Bundesdatenschutzgesetz im Regelfall kostenlos sind. In Kommentaren bemängelten zahlreiche Befragte zudem, dass ihnen die Berechnungsgrundlage ihrer Bonitätsbewertung nicht hinreichend transparent gemacht worden sei.

Als Konsequenz fordert der vzbv von der Bundesregierung:

  • verbindliche Standards für Auskünfte zu schaffen, insbesondere für die Erläuterungen zum Scorewert. Die Unternehmen müssen darlegen, welche Datenarten für die Berechnung verwendet und wie diese gewichtet wurden.
  • eine zentrale Stelle zu schaffen, an die Verbraucher ihre Anfragen an Auskunfteien gesammelt richten können.
  • Auskunfteien zu verpflichten, Stellungnahmen von Verbrauchern zu berücksichtigen, die ein kritisches Merkmal (etwa häufigen Wohnungswechsel) erläutern. Dabei muss die Option bestehen, eine negative Bonitätsbewertung zu korrigieren.

Defizite unter der Lupe

Von heute an für die kommenden Monate werden die Verbraucherzentralen im Rahmen eines Projekts die Defizite bei den Auskünften genauer unter die Lupe nehmen. Sie bieten in diesem Zusammenhang auch konkrete Unterstützung für Verbraucher, die Anfragen an Auskunfteien richten oder die Antworten der Unternehmen verstehen wollen. Das Projekt wird finanziert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und läuft bis zum 31. Oktober 2011. Ratsuchende können sich an die Verbraucherzentrale ihres Bundeslandes wenden.