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15.08.2014 > Pressemitteilung

Transparenz allein schafft keine effizienten Altersvorsorgeprodukte

Mit Produktinformationsblättern für Altersvorsorgeprodukte wird eine zentrale Forderung des vzbv aufgegriffen
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Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat einen Verordnungsentwurf vorgelegt, der die Ausgestaltung eines Produktinformationsblatts für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte konkretisiert. Der Vorschlag reicht aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) nicht aus, um eine möglichst geringe Kostenbelastung der jeweils angebotenen Produkte für die Verbraucher zu gewährleisten. Nur eine Gesamtkostenausweisung in Euro und Cent würde den nötigen Marktdruck erzeugen.

Der Verordnungsentwurf verpflichtet die Anbieter staatlich geförderter Altersvorsorgeprodukte, ein standardisiertes Muster-Produktinformationsblatt öffentlich zugänglich zu machen. Vor Vertragsabschluss soll der Verbraucher zudem ein individuelles Produktinformationsblatt erhalten. Verbraucher müssten damit noch vor Beginn der Auszahlungsphase detailliert über Kosten und Leistungen in der Auszahlungsphase informiert werden.

Konkrete Kosten der Verträge werden weiterhin nicht ausgewiesen

Damit wird zwar eine zentrale Forderung des vzbv aufgegriffen. Allerdings wird der Verbraucher über die Kosten seines Vertrages nur unzureichend informiert: Die „Effektivkosten“ sollen über die Reduzierung seines Ertrages durch entsprechende Kosten informieren. „Die Vorschläge sind nicht ausreichend, um Verbraucher in einer für sie verständlichen Art und Weise über die Gesamtkosten der Altersvorsorgeprodukte zu informieren. Ihnen muss die Kostenbelastung in Euro und Cent vor Augen geführt werden. Finanzkennziffern helfen ihnen wenig“, sagt Lars Gatschke, Finanzmarktreferent beim vzbv.

 

Sollte der Gesetzgeber an dieser Stelle nachbessern, bliebe dennoch ein Problem: Eine höhere Kostentransparenz in einem Produktinformationsblatt sorgt nicht zwangsläufig für mehr Effizienz der staatlich geförderten Altersvorsorge. Die Bundesregierung geht in ihrem Alterssicherungsbericht 2012 davon aus, dass die Absenkung des Leistungsniveaus der gesetzlichen Rentenversicherung nur dann zu kompensieren ist, wenn Verbraucher privat vorsorgen. Demnach müsste jährlich der gesetzlich vorgeschriebene Mindestbeitrag in die staatlich geförderte private Altersvorsorge eingezahlt werden. Diese Einzahlungen müssten mit jährlich vier Prozent verzinst werden. „Zu berücksichtigen wären zudem etwa zehn Prozent Kosten auf die eingezahlten Beiträge. Damit wäre die Kostenobergrenze vorgegeben“, so Gatschke. Bei geringeren Renditen sei mit niedrigeren Kostenobergrenzen zu arbeiten.

Vorsorgefonds auf gesetzlicher Grundlage gefordert

Im Gesetzgebungsverfahren zum Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz wurde vom Bundesrat die Forderung erhoben, für geförderte Altersvorsorgeprodukte eine Kostenbegrenzung vorzusehen. Der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages bat das BMF, ein entsprechendes Forschungsgutachten erstellen zu lassen. Mit dem Gutachten „Kostenbegrenzung für zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge“ liegen nun die Ergebnisse vor. Darin wird vorgeschlagen, sich bei den Kostenobergrenzen für Altersvorsorgeprodukte am Marktdurchschnitt zu orientieren. „Es ist falsch, sich an einem Markt zu orientieren, bei dem jeder weiß, dass die Kosten zu hoch sind.“, so Gatschke. „Wenn die Privatwirtschaft keine effizienten Altersvorsorgeprodukte zur Verfügung stellen kann, muss es für die Verbraucher Alternativen geben.“

 

Für eine solche Option hat der vzbv ein Konzept entwickelt. Ein Vorsorgefonds könnte demnach auf einer gesetzlichen Grundlage Beiträge zur Bildung einer privaten Altersvorsorge anlegen. Für die Verbraucher hätte das den Vorteil, dass sie alternativ zu den vorhandenen und teils sehr komplexen Produkten ein einfaches Standardprodukt wählen können, das ihrem Sicherheitsbedürfnis gerecht wird und sie eine angemessene Rendite erzielen lässt. „Das würde auch den Druck auf die privaten Anbieter erhöhen, ihre Produkte effizienter zu gestalten“, so Gatschke.

 

Weitere Details zum Fonds-Konzept und die Stellungnahme zum Verordnungsentwurf finden Sie zum Download.

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