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23.11.2011 > Pressemitteilung

Private Altersvorsorge braucht politische Führung

vzbv fordert klare Zuständigkeit und konkrete Maßnahmen
Quelle: 
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Politische Führung bei der privaten Altersvorsorge fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Im Bundeskabinett fühle sich niemand verantwortlich, die Probleme ernsthaft anzupacken. „Die Regierung lässt die Menschen sehenden Auges in die Altersarmut treiben. Es ist Zeit, dass jemand das Ruder in die Hand nimmt“, erklärt Vorstand Gerd Billen. So seien dringend gesetzliche Maßnahmen erforderlich, um die Vorsorgeprodukte effizienter zu gestalten. Diese müssten vergleichbar sein, die Kosten begrenzt und Provisionen über die gesamte Laufzeit verteilt werden. Zudem müsse die Finanzaufsicht den Markt aus Verbrauchersicht unter die Lupe nehmen.

Heute stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seine Schlussfolgerungen aus einer Studie zur Riester-Rente vor. Diese und zahlreiche Untersuchungen der vergangenen Zeit sowie der von Bundesarbeitsministerin von der Leyen initiierte Rentendialog haben den Handlungsbedarf bei der privaten Altersvorsorge erneut bestätigt. „Aus dem Finanzministerium ist hierzu nichts zu hören“, kritisiert Billen. Um die private Altersvorsorge zu einem effizienten Standbein auszubauen sind nach Auffassung des vzbv insbesondere folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Kosten und Effizienz von Vorsorgeprodukten müssen für den Laien anhand einer Angabe in Euro und Cent vergleichbar sein: Bereits 2009 hatte ein Gutachten im Auftrag des vzbv gezeigt, dass mangelnde Transparenz bei Riester-Produkten einen wirksamen Qualitätswettbewerb verhindert. Für Kostenberechnungen, Renditeerwartungen und Risikoprofile muss der Gesetzgeber daher einheitliche und detaillierte Vorgaben machen.

  • Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass staatlich geförderte Vorsorgeprodukte wirtschaftlich effizient sind. Die zulässigen Kosten (zum Beispiel für Vertrieb und Verwaltung) müssen gesetzlich begrenzt werden. Der Vermögensverlust darf nach drei, fünf, zehn und 20 Jahren sowie zum Renteneintritt nicht höher als fünf Prozent der eingezahlten Beiträge sein. Davon dürfen Anbieter nur abweichen, wenn ihre Renditegarantie entsprechend höher ausfällt.

  • Die Abschluss- und Vertriebskosten müssen gleichmäßig über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt werden. Derzeit erhält der Finanzvermittler nach Eingang der ersten Zahlung seine Provision. Diese Abschlusskosten verrechnet der Anbieter in den ersten Jahren mit den eingehenden Beiträgen. Die Folge: Das Guthaben wächst zunächst nur sehr langsam, die Erträge sind marginal und der Rückkaufwert äußerst gering. Erfüllt der Kunde seinen Vertrag nicht bis zum Ende der Laufzeit, macht er hohe Verluste.

  • Der Staat sollte nach skandinavischem Vorbild auf gesetzlicher Grundlage eine Institution etablieren (zum Beispiel einen Pensionsfonds), bei der die Bürger ein Vorsorgekonto führen können. Diese würde ausschließlich den Interessen ihrer Beitragszahler verpflichtet sein. Das Vorsorgekonto wäre ein kostengünstiger, einfacher und transparenter Weg zum Aufbau einer individuellen kapitalgedeckten Altersvorsorge und würde das bestehende, umlagefinanzierte System der Altersvorsorge ergänzen.

  • Die Finanzaufsicht muss kontrollieren, dass die Anbieter fair mit ihren Kunden umgehen und sich an die gesetzlichen Vorgaben halten. Hierfür ist eine verbraucherorientierte Reform der Finanzaufsicht erforderlich. Diese muss den gesetzlichen Auftrag erhalten, sich neben der Solvenzaufsicht gleichberechtigt um den Verbraucherschutz zu kümmern.

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