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06.05.2008 > Pressemitteilung

Nanotechnologien: Im Reich des Winzigen und Unbekannten

Verbraucherzentralen fordern staatliche Zulassung von Nanomaterialien - Positionspapier für einen verantwortungsvollen Umgang mit Nanotechnologien
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Zum Einsatz von Nanomaterialien in Verbraucherprodukten fordern der Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) und die Verbraucherzentralen eine Intensivierung der Risiko-Forschung, eine Zulassungs- und Kennzeichnungspflicht für Nanoprodukte sowie mehr Transparenz über potentielle Chancen und Risiken der neuen Technologien. "Die Verbraucher dürfen nicht zum Testballon potentiell riskanter Technologien werden", sagte Vorstand Gerd Billen heute bei einer Tagung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes in Berlin. Es müsse sichergestellt werden, dass Nanoprodukte für die Gesundheit der Verbraucher, aber auch für die Umwelt dauerhaft unbedenklich seien.

Definieren, Forschen, Kennzeichnen
In einem heute vorgelegten Positionspapier appellieren der Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbraucherzentralen an Politik, Wissenschaft, Industrie und Medien, nicht nur die technischen Möglichkeiten und Produktverbesserungen zu sehen, sondern den gesamten Lebenszyklus dieser Produkte. Die Auseinandersetzung um die Chancen und Risiken der Nanotechnologie müsse öffentlich ausgetragen und durch eine umfassende Risiko- und Technologiefolgenforschung begleitet werden. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht die Zukunft der Nanotechnologien weniger in verbrauchernahen Produkten, sondern vielmehr in Bereichen, die zur Lösung drängender Zukunftsfragen geeignet sind, etwa der Umwelt- und Energietechnik.

Studie zeigt: Trotz Unwissenheit positive Einstellung zu Nano
Die Zwischenergebnisse einer vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Auftrag gegebenen Studie "Nanotechnologien. Was Verbraucher wissen wollen" belegen, dass nach wie vor nur wenige Verbraucher überhaupt wissen, was sich hinter Nanotechnologien verbirgt. 60 von 100 Befragten schätzen ihren eigenen Wissenstand als niedrig ein. Dennoch ist die Einstellung zur Nanotechnologie, auch dies ist ein vorläufiges Ergebnis der Studie, in der Öffentlichkeit bisher mehrheitlich positiv. Die Einstellungsmuster variieren jedoch stark in Abhängigkeit der Anwendungsbereiche. Verbraucher sind vor allem dann kritisch, wenn Nanopartikel in Lebensmitteln, Kosmetika und Textilien eingesetzt werden.

Kommunikation nicht der Werbebranche überlassen
"Die positive Grundstimmung könnte rasch schwinden und die Vermittlung der Chancen der Nanotechnologien zunehmend schwieriger werden, wenn die Forschung und die Kommunikation weiterhin der rasanten Produktentwicklung hinterherhinken", befürchtet Billen. "Erst wenn Risiken für Mensch und Umwelt ausgeschlossen werden können, ist ein Produkt marktreif", kritisiert Billen Nanoprodukte, die ohne jegliche Risikoprüfung am Markt erhältlich sind. Derzeit sind europaweit etwa 500 bis 600 Nanoprodukte auf dem Markt. Billen kritisierte, dass die Kommunikation derzeit vor allem der Werbebranche überlassen werde. Der Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbraucherzentralen fordern eine zügige Umsetzung der - vom Umweltbundesamt, dem Bundesinstitut für Risikobewertung und dem Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin - im Dezember 2007 vorgelegten Forschungsstrategie und die Fortsetzung des vom Bundesumweltministerium initiierten Nano-Dialogs über 2008 hinaus.

Wissen, was drin ist: Verbraucher aktiv informieren
Dr. Rolf Buschmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass die Nanotechnologie sich zu einem stark nachgefragten Beratungsthema entwickeln wird. "Bisher melden sich nur vereinzelt Verbraucher in den Verbraucherzentralen, um etwa nach der Unbedenklichkeit von Nanopartikeln in Zahnpasta oder Kosmetika zu fragen", sagt Buschmann. Aber dies könnte sich mit zunehmender Produktzahl und der nahezu inflationären Verwendung des Begriffs "Nano" rasch ändern. Für Verbraucher sei es derzeit unmöglich zu erkennen, ob derart ausgelobte Produkte tatsächlich auch Nanopartikel enthielten. Ein weiteres Problem sei, dass es noch keine allgemeingültige Definition von Nanopartikeln und Nanomaterialien gibt und keine anerkannte Messmethodik existiert. "Eine aktive Information der Verbraucher durch unabhängige Stellen, die Pflicht zur Zulassung der Technologien und die Kennzeichnung entsprechender Produkte würden der Verunsicherung der Verbraucher entgegenwirken", so Buschmann.

Im Download finden Sie
  • das Positionspapier der Verbraucherzentralen zu Nanotechnologien "Nanotechnologien - neue Herausforderungen für den Verbraucherschutz"
  • Zwischenergebnisse Studie "Nanotechnologien. Was Verbraucher wissen wollen”
  • das Tagungsprogramm

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