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12.12.2016 > Pressemitteilung

Marktwächterwarnung: Null-Prozent-Finanzierungen können teuer werden

Marktwächterwarnung: Null-Prozent-Finanzierungen können teuer werden
Marktwächterbeobachtungen offenbaren Tücken bei Finanzierungsangeboten
Quelle: 
Kaesler Media/Fotolia

Auch in der Vorweihnachtszeit werben Anbieter mit Null-Prozent-Finanzierungen, mit denen Verbraucher größere Anschaffungen über einen Kredit finanzieren können. Bundesweite Beschwerden aus dem Frühwarnnetzwerk des Marktwächters Finanzen zeigen allerdings, dass Verbraucher stattdessen andere Finanzierungsvarianten erhalten, bei denen nach einer zinsfreien Periode unter Umständen hohe Zinsen verlangt werden. Zudem werden häufig unerwünscht zusätzliche Verträge mit der Finanzierung kombiniert, die mit weiteren und oft nicht unerheblichen Kosten verbunden sind.

„Vor allem beim Verkauf von Elektronikgeräten oder Möbeln wird mit einer vermeintlich kostenlosen Null-Prozent-Finanzierung geworben, die für Verbraucher attraktiv erscheint. Ein typisches Beispiel aus Dresden zeigt aber, wie viele andere Fälle im Frühwarnnetzwerk auch, dass es für den Verbraucher am Ende richtig teuer werden kann“, sagt Carmen Friedrich, Teamleiterin Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Sachsen.

Beispiel aus Dresden

Obwohl eine Dresdnerin nur rund 500 Euro zum Kauf eines Kühlschranks benötigte, wurde ihr ein Kreditrahmen von 1.500 Euro nebst zugehöriger CashCard (Debitkarte) und Online Card (Kreditkarte) vermittelt. Nur während der ersten sechs Monate und auch nur für die Kaufsumme des Kühlschrankes sind dabei keine Zinsen zu zahlen. Danach, sowie für weitere Verfügungen, beträgt der Sollzinssatz 14,84 Prozent pro Jahr. Zusätzlich wurden zwei Versicherungen verkauft: Eine Restschuldversicherung in Höhe von monatlich 0,89 Prozent des beanspruchten Kreditrahmens sowie eine Hausgeräteversicherung für 4,99 Euro pro Monat, die sich zudem nach Ablauf der einjährigen Mindestvertragslaufzeit automatisch um je ein Jahr verlängert. Die Höhe der in diesem Fall individuell vereinbarten monatlichen Raten genügt nicht, um den Kredit innerhalb der sechs zinsfreien Monate auszugleichen, stattdessen werden dafür acht Monate benötigt. Würde die Rückzahlung lediglich in Höhe der vom Kreditinstitut als Mindestrate im Kreditvertrag geforderten monatlichen Beträgen erfolgen (drei Prozent des Kontostands, mindestens aber neun Euro/Monat) und neben dem Kaufpreis auch die mitverkaufte Restschuldversicherung berücksichtigt, würde die Verbraucherin über acht Jahre benötigen, um den Kredit auszugleichen und dabei insgesamt mehr als das Doppelte der ursprünglichen Kaufsumme aufbringen müssen.

Kreditkarte statt Null-Prozent-Finanzierung

„Verbraucher werden gezielt mit einer Null-Prozent-Finanzierung gelockt, erhalten aber einen höheren Kreditrahmen als nötig samt Kreditkarte“, so Friedrich. „In den vorliegenden Fällen ist dieser Kredit für sechs bis zehn Monate zinsfrei – jedoch nur für die mit Abschluss des Kaufvertrages erfolgte Verfügung, also üblicherweise für den Kaufpreis.“ Anschließend, sowie für weitere Belastungen, sind hohe Zinsen zu zahlen. Die bei Vertragsabschluss festgelegte Höhe der Raten ist häufig zu gering, um die Kreditsumme bis zum Ablauf der zinsfreien Monate abzuzahlen.

Zusätzliche Versicherungen

Neben der Finanzierung zum Kauf der Ware werden oft weitere Leistungen vermittelt, insbesondere Restschuld- und warenbezogene Versicherungen wie Hausgeräteversicherungen. Die Verbraucherbeschwerden zeigen, dass diese Leistungen häufig unerwünscht und in jedem Fall mit zusätzlichen Kosten verbunden sind. „Die zu zahlenden Versicherungsbeiträge steigern die monatliche Belastung – und das nicht unerheblich“, so Friedrich.

Kritik an unzureichender Beratung

Die Verbraucher beanstanden zudem eine unzureichende Beratung durch die Vermittler im Handel und benennen vor allem die Anbieter Media Markt, POCO Einrichtungsmärkte und MEDIMAX. Nach Verbraucherangaben wurde nicht ausreichend auf den Erwerb der Kreditkarte oder die mit der Finanzierung kombinierten Versicherungen hingewiesen. Die Beschwerden häufen sich speziell zum Vorgehen der Kreditvermittler, die Finanzierungen der Commerz Finanz GmbH aber auch anderer Anbieter wie der Santander Consumer Bank AG und der Targobank AG & Co. KGaA vermitteln. „Speziell in der Vorweihnachtszeit, wenn viele Ausgaben anstehen, stellt sich die Frage, ob eine Finanzierung die sinnvollste Lösung ist. Die Erfahrungen aus unserem Frühwarnnetzwerk zeigen, dass Verbraucher die Angebote stets kritisch prüfen sollten, bevor sie unterschreiben“, so Friedrich. Weitere Informationen erhalten Verbraucher unter www.verbraucherzentrale.de/null-prozent-finanzierung-checkliste. Für eine individuelle Unterstützung stehen die Verbraucherzentralen vor Ort zur Verfügung und sind unter www.verbraucherzentrale.de erreichbar.