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20.08.2013 > Pressemitteilung

Marktversagen bei Dispozinsen

Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt politischen Handlungsbedarf bei Dispozinsen
Quelle: 
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Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert, überhöhte Zinsen für Dispositionskredite zu stoppen. Eine heute veröffentlichte Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt das Ausmaß zweistelliger Dispozinsen, obwohl der Markt nur Zinsen deutlich unter zehn Prozent rechtfertigt. „Diese Exzesse müssen endlich unterbunden werden, Dispozinsen sind gesetzlich zu deckeln“, fordert vzbv-Vorstand Gerd Billen. Ferner müsse die Erhebung zusätzlicher Zinsen für so genannte geduldete Überziehungen ganz unterbleiben.

Trotz eines EZB-Leitzinses der Banken von gerade noch 0,5 Prozent und einem durchschnittlichen Zins für Verbraucherkredite von 6,5 Prozent hat die Stiftung Warentest erneut festgestellt: Viele Geldinstitute verlangen von ihren Kunden für Überziehungskredite Zinsen von über 13 Prozent. Jeder Prozentpunkt mehr bedeutet für die Banken ein Plus von 390 Millionen Euro, so die Stiftung Warentest. Besonders auffällig: Regionale Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen. Unter den privaten Banken fällt die Targobank negativ auf.

Zugeknöpft sind viele Geldinstitute, wenn es darum geht, den Verbrauchern die Kosten eines Dispokredits transparent zu machen. Ausflüchte, langes Suchen sind hier eher die Regel denn die Ausnahme – auch für die Tester.

Wettbewerb bei Dispokrediten? Fehlanzeige. Ihr Zinsniveau ist so weit vom restlichen Zinsniveau entfernt, dass ein Eingreifen der Politik erforderlich ist. „An die Verbraucher können nicht nur die Lasten der Finanzmarktkrise weitergegeben werden, die Finanzbranche muss auch die Vorteile weitergeben.“, kritisiert vzbv-Chef Billen. „Mit der Absenkung des Leitzinsniveaus gehören die Zinsen für Dispokredite viel weiter gesenkt.“ Hierfür schlägt der vzbv einen gesetzlichen Zinsdeckel von sieben Prozent über dem 3-Monats-Euribor als Referenzzinssatz vor. Mit diesem Deckel orientiert sich der vzbv einerseits an dem im Markt realistischen Zinsniveau, andererseits an einem Referenzwert, zu dem Banken selbst Geld am Markt aufnehmen können.

„Geduldete“ Überziehungen

Noch drastischer fallen die Zinssätze für so genannte geduldete Überziehungen aus. Für diese von der Bank stillschweigend akzeptierte Überschreitung über das vereinbarte Überziehungslimit hinaus werden im Schnitt knapp 15 Prozent berechnet, in Einzelfällen sogar bis zu 20 Prozent. „Wenn eine Bank zulässt, dass das Kontolimit ausgeweitet wird, dann sollte das zu den Dispokreditkonditionen erfolgen“, meint Billen. „Wir fordern ein gesetzliches Aus für diese Extrazinsen.“

Faire Umschuldungsangebote

Bankinstitute sollten verpflichtet werden, Verbrauchern, die den Dispo länger als nur übergangsweise nutzen, Angebote für preisgünstige Umschuldungen in Ratenkredite zu unterbreiten. Dispokredite sind nur dazu gedacht, temporäre Liquiditätslücken zu schließen. Wenn die Bank über den in Anspruch genommenen Dispo ohnehin schon in einer Darlehensbeziehung mit ihrem Kunden steht, kann dieses auch in ein günstiger verzinstes und mit festem Rückzahlungsplan ausgestaltetes Darlehen verwandelt werden. Damit könne verhindert werden, dass Dispozinsen die Verschuldenssituation von Verbrauchern weiter zuspitzen.