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16.01.2013 > Pressemitteilung

Lebensmittelwahrheit weiter gesucht

Auswertung von lebensmittelklarheit.de zeigt politischen Handlungsbedarf
Quelle: 
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10.000 Meldungen und Anfragen in 18 Monaten: Das ist die Bilanz des Internetportals www.lebensmittelklarheit.de. Im Juli 2011 hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gemeinsam mit den Verbraucherzentralen und der Förderung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) die virtuelle Anlaufstelle für Fragen zur Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln gestartet. Seitdem meldeten Verbraucher über 6.600 Produkte, durch deren Aufmachung und Kennzeichnung sie sich getäuscht fühlen. Knapp 3.300 Anfragen stellten sie an das Expertenforum. Etwa jede dritte Kritik führte zu Verbesserungen beim beanstandeten Produkt. Das Ministerium hat jetzt eine Verlängerung des Portals in Aussicht gestellt.

„Das Internetportal war von Beginn an ein großer Erfolg, deshalb möchten wir das Projekt weiter fördern“, sagt Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. „Nach rund eineinhalb Jahren Laufzeit können wir sagen: Der Dialog zwischen Verbrauchern und Lebensmittelwirtschaft funktioniert. Viele Unternehmen erkennen, wie wichtig es ist, auf die Wünsche und Anregungen der Verbraucher einzugehen. Ich kann der Wirtschaft nur raten, die Chance zum Dialog mit ihren Kunden noch intensiver zu nutzen.“

Der vzbv hat dem BMELV ein Konzept zur Weiterentwicklung des Portals vorgelegt. Der Antrag wird derzeit vom Ministerium geprüft, das noch Fragen wie die Projektlaufzeit, die Finanzierung und inhaltliche Aspekte klären muss. „Fest steht: Viele Verbraucher fühlen sich durch die Aufmachung von Lebensmitteln getäuscht“, sagt Gerd Billen, Vorstand des vzbv. „Solange es Täuschungen gibt, brauchen wir ein Portal, das Verbraucherprobleme im Lebensmittelmarkt benennt.“

Neuer Dialog über Verbrauchererwartungen

Das Konzept des vzbv sieht vor, den Dialog mit Vertretern der Branche zu stärken. Ziel ist es, die Lebensmittelkennzeichnung besser an die Erwartungen der Verbraucher anzupassen. Über die projektbegleitende Verbraucherforschung sollen weiterhin repräsentative Verbrauchermeinungen gewonnen werden. Bei häufig auftretenden Problemen sollen Anbieter und Verbraucherschützer Lösungen diskutieren, die schnell greifen und sich an den Ergebnissen der Verbraucherforschung orientieren.

Die bisher auf lebensmittelklarheit.de am häufigsten genannten Probleme waren irreführende Begriffe und Bilder auf Verpackungen, Zusatzstoffe und Aromen sowie eine unklare Kennzeichnung von Regionalität oder von Tierarten bei Fleisch und Wurst. So enthält Kalbs- oder Geflügelwurst nicht selten Fleisch anderer Tierarten, ohne dies in der Produktbezeichnung deutlich zu machen. „Wir brauchen ein Klarheitsgebot bei der Kennzeichnung von Fleisch und Wurst“, sagt Gerd Billen. Auch die Art der Fleischerzeugung müsse transparent werden. „Wer Fleisch aus artgerechter Haltung will, muss das auf einen Blick erkennen können.“ Zudem müsse das Versteckspiel um Zutaten aufhören. Bilder von Früchten müssten der tatsächlichen Produktzusammensetzung entsprechen, und wenn Aroma verwendet wird, müsse das auf der Vorderseite kenntlich gemacht werden.

Verbindliche Label für Regionalität und Tierschutz

Die Bundesregierung müsse ihren Teil dazu beitragen, mehr Klarheit am Lebensmittelmarkt zu garantieren – zum Beispiel durch eine Pflicht, die gesetzlich geregelten Produktbezeichnungen auf die Schauseite einer Verpackung aufzubringen sowie verbindliche Label für wichtige Qualitätsaspekte wie Regionalität und Tierschutz. Von der Wirtschaft fordert Billen, sich auf allgemeinverbindliche Regeln einzulassen. Bisher war der Versuch in der Lebensmittelbuchkommission gescheitert. „Wir müssen drei einfache Regeln am Lebensmittelmarkt durchsetzen: Was drin ist, muss drauf stehen. Was drauf steht, muss drin sein. Und was drauf steht, muss verständlich sein“, so Billen.

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