Skip to content Skip to navigation Logo Verbraucherzentrale Bundesverband

07.11.2013 > Pressemitteilung

Krankenversicherung zukunftsfest machen

vzbv sieht Reformbedarf bei der privaten Krankenversicherung
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) appelliert an CDU/CSU und SPD, in den Koalitionsverhandlungen den Weg für eine Reform der Krankenversicherung zu ebnen. Der Verband spricht sich in erster Linie für eine Zusammenführung von gesetzlicher (GKV) und privater (PKV) Krankenversicherung aus, fordert aber auf jeden Fall zügige Änderungen in der PKV. So sollen etwa der Tarif- und Anbieterwechsel erleichtert und Prämienzahlungen gedeckelt werden. Auch in der Pflegeversicherung sieht der vzbv Handlungsbedarf.

 

„Das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung ist ineffizient und führt zu einem Zwei-Klassen-System. Es ist Zeit für eine umfassende Reform, die die Krankenversicherung zukunftsfest macht“, sagt Gerd Billen, Vorstand des vzbv. Die Vorschläge des vzbv sehen vor, dass die integrierte Krankenversicherung Versicherten Anspruch auf Leistungen auf dem Niveau der jetzigen GKV und entsprechend ihres Bedarfs gewährt, unabhängig vom eigenen Beitrag und Einkommen. Die Anbieter sollten frei wählbar sein, die Beiträge die finanzielle Leistungsfähigkeit der Versicherten widerspiegeln.

PKV: Prämiensteigerungen entgegenwirken

Dringenden politischen Handlungsbedarf sieht der vzbv bei strukturellen Problemen in der PKV. So gelte es, zum Teil überdurchschnittlichen Prämiensteigerungen entgegenzuwirken. Der Tarifwechsel innerhalb eines Unternehmens solle erleichtert und der Anbieterwechsel für alle Versicherten ermöglicht werden. Zudem müsse bei allen PKV-Verträgen ein Kostendeckel greifen. Vor allem im Alter steigen die Prämien an, was für den Einzelnen zur finanziellen Überforderung führen kann. Soziale Härten sollen innerhalb des PKV-Systems ausgeglichen werden.

Der vzbv kritisiert zudem, dass das Nebeneinander von GKV und PKV zu Verzerrungen in der Versorgung führt. Die Leistungserbringer orientierten sich in ihrem Angebot und Service am Versichertenstatus ihrer Patienten, anstatt am medizinischen Bedarf. Aktuell können Ärzte für privat Versicherte deutlich höhere Honorare berechnen. Eine weitgehende Angleichung der Vergütungsstrukturen würde allen Versicherten einen vergleichbar guten Zugang zur medizinischen Versorgung gewähren und eine Kostendämpfung in der PKV ermöglichen. Darüber hinaus solle in der PKV das Sachleistungsprinzip eingeführt werden, sodass Versicherte zum Beispiel für Arztleistungen nicht mehr in Vorkasse gehen müssen. Die Abrechnung erfolgt dann nur noch zwischen Leistungserbringer und Versicherungsunternehmen. Der Verbraucher erhält eine Kopie der Rechnung.

Pflegeversicherung: gleicher Beitrag für alle

Die private und die gesetzliche Pflegeversicherung mit gleichen Zugangsvoraussetzungen und Leistungsstrukturen, aber unterschiedlichen Pflegerisiken, müssen aus Sicht des vzbv zusammengeführt und ein gleicher Pflegeversicherungsbeitrag für alle realisiert werden. Pflege- und hilfebedürftige Menschen erwarteten eine deutliche Leistungsverbesserung, die eine Beitragssteigerung voraussetzt. Diese sei auch notwendig, um einen erweiterten Begriff von Pflegebedürftigkeit zu etablieren und Kaufkraftverluste auszugleichen. Ob die aktuell diskutierte Beitragssteigerung von 0,5 Prozentpunkten allerdings ausreichen wird, eine große Pflegereform durchzuführen, erscheint zumindest fraglich.

Downloads