Skip to content Skip to navigation Logo Verbraucherzentrale Bundesverband

09.11.2010 > Pressemitteilung

Kein Schulabschluss ohne das kleine Konsum-Einmaleins

vzbv fordert Bildungsstandards für Verbraucherbildung - Neues Projekt soll Verbraucherwissen und Konsumkompetenz stärken
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Verbraucherbildung muss in Schulen so selbstverständlich werden wie Mathe und Deutsch. Das fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) anlässlich der heutigen Netzwerkkonferenz "Verbraucherbildung - Konsumkompetenz stärken" des Bundesverbraucherministeriums (BMELV). "Die Schule muss mündige, kompetente Verbraucher ins Leben entlassen", sagt vzbv-Vorstand Gerd Billen. Das Fach Verbraucherbildung habe die Projektphase durchschritten und müsse nun endlich fix im Lehrplan verankert werden. In Zusammenarbeit mit dem vzbv will das BMELV in den kommenden Jahren das Verbraucherwissen und die Konsumkompetenz vor allem junger Menschen stärken.

"Verbraucherwissen fliegt einem nicht einfach zu, sondern muss erlernt werden wie das ABC oder das Einmaleins", so Billen zum Auftakt der Konferenz. Heute bliebe es vielfach dem Engagement der Lehrkräfte überlassen, ob sie ihren Schülern und Schülerinnen das Rüstzeug vermitteln, das sie benötigen, um ihr Leben und ihren Konsumalltag eigenverantwortlich zu bewältigen. Geschehe dies nicht, seien individuell und gesellschaftlich folgenschwere Fehlentscheidungen die Konsequenz. Billen: "Was bringt es, wenn es Rechte gibt, Verbraucher ihre Rechte aber nicht kennen oder nicht in der Lage sind, sie einzufordern? Informationen alleine bringen nichts, wenn sie nicht verstanden werden."

Zu Nebenwirkungen des Konsumalltags fragen Sie die Schule
Zahlreiche Studien attestieren Schulabgängern heute eine unzureichende Alltags- und Konsumkompetenz. Der Bildungs- und Sozialforscher Klaus Hurrelmann geht soweit, Schule als "wirtschaftsfreien Raum" zu bezeichnen. Aber nicht nur in Wirtschafts- und Finanzwissen gibt es Lücken - auch in den Feldern Gesundheit, Ernährung, Umwelt oder Werbung offenbaren sich Wissenslücken. "Wer von der Schule geht, muss wissen, wie die Verbraucherwelt tickt", sagt Gerd Billen. Risiken und Nebenwirkungen des Konsumalltags müssten ähnlich wie bei Medikamenten in der Laborsituation Schule minimiert werden.

Verbraucherbildung muss Pflichtunterricht werden
Zuletzt hatte die Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) im September 2010 gefordert, "Verbraucherbildung und die Vermittlung von Finanz- und Konsumkompetenzen in den Schulen zu stärken." Damit dies gelingt, sind nach Ansicht des vzbv folgende Maßnahmen zu ergreifen:
  1. Die Verbraucherbildung muss als Pflichtunterricht in allen Schulformen und in allen Schulstufen ausgebaut werden. Als Referenzrahmen sollten die Ergebnisse des REVIS-Projektes dienen.
  2. Auf Initiative der Kultusministerkonferenz sind länderübergreifende Bildungsstandards für die Verbraucherbildung zu entwickeln, um die Entwicklung und Vergleichbarkeit der Qualität von Unterricht auch in der Verbraucherbildung zu gewährleisten.
  3. Lehrerinnen und Lehrer müssen in verbindlicher Weise fachlich und didaktisch aus- und fortgebildet werden. Eine Finanzierung ist durch die bildungspolitischen Instanzen sicherzustellen.

Projekt "Bildungsinitiative - Verbraucherkompetenz"
Die Konferenz bildet den Auftakt der Initiative "Verbraucherbildung - Konsumkompetenz stärken" des BMELV. Als einen ersten Baustein dieser Initiative wird der vzbv einen Online-Kompass für Unterrichtsmaterialien entwickeln, um Lehrkräften die Suche nach passenden und qualitätsgeprüften Unterrichtsmaterialien zu erleichtern. Analysen zeigen, dass zwar zahlreiche Unterrichtsmaterialien zu Themen der Verbraucherbildung vorhanden sind, diese allerdings für Lehrkräfte nur mit einem hohen Zeitaufwand zu finden sind. Außerdem wird der vzbv seinen intensiven Dialog mit den Akteuren der schulischen Verbraucherbildung weiter ausbauen. Es gilt, die in einzelnen Bundesländern bereits vorhandenen guten Konzepte und Ansätze sichtbar zu machen und bundesweite Informationsstrukturen in einem starken Netzwerk für die Verbraucherbildung zu bündeln.

Weitere Informationen im Download

  • Positionspapier zur Verankerung der Verbraucherbildung in der Schule des Verbraucherzentrale Bundesverbandes: Verbraucherkompetenz frühzeitig fördern.
  • Konsumkompetenz von Jugendlichen - Ein Überblick über Kernaussagen aus aktuellen Jugendstudien
    Studie des imug im Auftrag des vzbv
  • Link zum REVIS-Projekt: www.evb-online.de
    REVIS - Reform der Ernährungs- und Verbraucherbildung in Schulen
  • www.verbraucherkompetenz.de
    Die BMELV-Webseite zur Bildungsinitiative "Verbraucherbildung - Konsumkompetenz stärken"
  • www.verbraucherbildung.de: Themen zur Verbraucherbildung und Vorschläge für die Unterrichtsgestaltung

Downloads