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29.12.2011 > Pressemitteilung

Für mehr Qualität in der Finanzberatung

Ohne Vereinheitlichung kein Fortschritt
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Das Thema Falschberatung und Provisionsorientierung in der Finanzberatung ist spätestens seit der Finanzkrise im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der Gesetzgeber hat darauf mit Einführung einer Dokumentationspflicht von Beratungen und der Pflicht zur Aushändigung eines Produktinformationsblattes reagiert. Allerdings scheitern beide Instrumente in der Praxis an ihrer fehlenden Standardisierung.

Mit dem Ausbruch der Finanzkrise, insbesondere der Insolvenz der Bank „Lehman Brothers“ ist das Thema Falschberatung und Provisionsorientierung in der Finanzberatung an die Öffentlichkeit gelangt. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert, indem er Verjährungsfristen verlängert, eine Dokumentationspflicht von Beratungen seit dem 01.01.2010 eingeführt hat und darüber hinaus die Verständlichkeit von Finanzprodukten mittels der Einführung eines Produktinformationsblattes erhöhen will.

Produktinformationsblatt und Beratungsprotokoll mit Schwächen

Sowohl das Produktinformationsblatt als auch das Beratungsprotokoll zeigen in ihrer praktischen Umsetzung jedoch deutliche Schwächen. Der Grund: Der Gesetzgeber hat es versäumt, konkrete Vorgaben zur Umsetzung zu machen.

So zeichnet eine Studie des vzbv zur Verständlichkeit und Aussagekraft von Produktinformationsblättern folgendes Bild:

  • Die Produktinformationsblätter ermöglichen nicht den erforderlichen Vergleich der Produkte, denn sie sind sehr unterschiedlich aufgebaut.
  • Die Angaben zu den Produkten sind häufig nicht verständlich genug; insbesondere bei komplexen Produkten. Die Produktinformationsblätter enthalten unterschiedliche Begriffe für gleiche Informationen.  
  • Die Unternehmen stellen die erforderlichen Informationen zwar bereit, vermischen diese aber meist mit verkaufsfördernden Argumenten. Von einer neutralen Information kann hier also keine Rede sein.
  • In der Regel werden positive Informationen zu Beginn angeführt, während negative Informationen wie Risiken oder Kosten) zuletzt genannt werden.

Der vzbv hat eine Studie über die Protokollierung der Finanzberatung durchgeführt. Bei 61 untersuchten Fällen wurde/n…

  • …die Anliegen zur Anlage fast ausnahmslos nicht aussagekräftig erfasst.
  • …die finanziellen Verhältnisse nie vollständig erfasst.
  • …die Kenntnisse und Erfahrungen nicht aussagekräftig erfasst.
  • …die Risikoeinstufung in keinem Fall aussagekräftig erfasst.
  • …die Risikotragfähigkeit nicht aussagekräftig erfasst.
  • …die Empfehlungen nicht aussagekräftig dokumentiert.
  • …keine einzige aussagekräftige Offenlegung der Zuwendungen gefunden.

Das Ergebnis zeigt zudem, dass die untersuchten Banken die Protokolle als Instrument zur Haftungsfreizeichnung einsetzen, denn in den überwiegenden Fällen sind bei der Begründung der Empfehlung allgemeine Haftungsfreizeichnungsklauseln im Protokoll enthalten.

Fazit: Sowohl bezüglich der Produktinformationsblätter als auch der Beratungsprotokolle fehlen offensichtlich klare und verbindliche Standards. Ohne solche Standards lässt sich weder das Ziel einer verbesserten Transparenz bei Finanzprodukten herstellen, noch sicherstellen, dass das Protokoll den Ablauf und Inhalt einer Finanzberatung sicher wiedergibt.