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Frist der Gewährleistung im VW-Abgasskandal

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15.09.2016 > Pressemitteilung

Ernüchternde Ein-Jahres-Bilanz zum VW-Skandal

Betroffene Kunden warten noch immer auf Entschädigung
Quelle: 
Josef Kubes - 123RF.com
  • VW muss Kunden mit einem fairen Entschädigungsangebot entgegenkommen.
  • Der Konzern muss eine rechtsverbindliche Garantie aussprechen.
  • Der vzbv fordert ein unabhängiges Verfahren zur Typgenehmigung von Fahrzeugen.

Am 18. September 2016 jährt sich der VW-Skandal zum ersten Mal. Doch betroffene Kunden warten noch immer auf Entschädigung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert, dass VW seiner Verantwortung nachkommt und ein freiwilliges Garantieversprechen ausspricht. Gleichzeitig ist auch die EU gefragt, ein neues Kfz-Genehmigungsverfahren festzulegen. Dieses soll Hersteller verpflichten, Schadstoffausstoß und Kraftstoffverbrauch künftig richtig anzugeben.

„Ein Jahr nach Bekanntwerden der Abgasmanipulation bei Volkswagen warten noch immer viele Geschädigte darauf, dass ihre Fahrzeuge wieder in Ordnung gebracht werden. Getäuschte Kunden in Deutschland müssen bislang ihre Ansprüche individuell vor Gericht einklagen. VW will den Skandal offenbar aussitzen“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv. „Doch betroffene Kunden dürfen nicht auf den langfristigen Folgen der Umrüstung, wie einem möglichen Wertverlust, sitzen bleiben. Vielmehr sollte VW eine Garantie für betroffene Fahrzeuge aussprechen, um genau dies zu verhindern.“

Viele Nachbesserungen noch ausstehend

VW hatte angekündigt, die Fahrzeuge schnellstmöglich von der Schummelsoftware zu befreien. Doch das Kraftfahrtbundesamt hat erst für rund die Hälfte (5,2 Millionen) der betroffenen Fahrzeuge die entsprechende Genehmigung zur Nachbesserung erteilt. VW musste den veröffentlichten Zeitplan für die Nachbesserung mehrfach ändern.

Der vzbv kritisiert darüber hinaus, dass VW Entschädigungszahlungen für europäische Kunden ablehnt. Anders als in den USA müssen Betroffene individuell vor Gericht ziehen. Verbraucher werden so mit hohen Kosten konfrontiert – bei gleichzeitig ungewissem Ausgang des Prozesses. „Um die Interessen von Verbrauchern wirksam vor Gericht zu vertreten, fordern wir schon seit Langem ein geeignetes rechtliches Instrument wie die Musterfeststellungsklage“, so Klaus Müller.

System für Kfz-Typgenehmigungen muss transparent sein

Damit sich ein solcher Skandal nicht wiederholt, ist darüber hinaus ein transparentes System für Kfz-Typgenehmigungen vonnöten. Es muss sichergestellt werden, dass die Herstellerangaben zu Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße gelten. Dafür braucht es unter anderem von den Autoherstellern finanziell unabhängige technische Prüfdienste, die auch Zugriff auf die Fahrzeugsoftware bekommen. Diesen Zugriff verweigern die Hersteller bisher mit dem Hinweis auf Betriebsgeheimnisse. Genau hier versteckte VW aber die Betrugssoftware.

Ein zu lockeres Typgenehmigungsverfahren für Autos und eine fehlende Überwachung nach ihrer Zulassung hätten den VW-Skandal überhaupt erst ermöglicht. Hier müsse der Gesetzgeber schnell nachbessern und das Verfahren reformieren. Käufer müssten sich darauf verlassen können, dass ihre Fahrzeuge so kraftstoffsparend und sauber sind, wie erwartet.

Die Europäische Kommission hatte im Januar 2016 einen Vorschlag für ein neues Typgenehmigungsverfahren veröffentlicht, der derzeit noch verhandelt wird.

Weitere Informationen zur Typgenehmigung für PKW sowie die wichtigsten Punkte und Forderungen hat der vzbv in einem Faktenblatt zusammengestellt.

Downloads

Typgenehmigung für PKW | Faktenblatt des vzbv