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16.05.2011 > Pressemitteilung

Elektromobilität muss Verbrauchern dienen

vzbv kritisiert industriepolitische Schlagseite des Berichts der Nationalen Plattform Elektromobilität
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Weniger Industriepolitik, mehr Nachhaltigkeit und eine stärkere Berücksichtigung von Verbraucherinteressen fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) für die Zukunft der Elektromobilität. Heute übergibt die Nationale Plattform Elektromobilität ihren zweiten Bericht an Bundeskanzlerin Merkel. "Die Vorschläge laufen darauf hinaus, die Investitionsrisiken auf Steuerzahler und Verbraucher abzuwälzen", kritisiert Vorstand Gerd Billen. Der Grund: Die Plattform ist stark von der Industrie dominiert. Der vzbv hat anlässlich der Übergabe des Berichts neun Thesen für eine verbrauchergerechte Elektromobilität formuliert.

Grundsätzlich sieht der vzbv in Elektroautos eine Chance für die Verbraucher, allerdings nur unter Voraussetzungen. So darf ein schneller Markterfolg nicht durch falsche Subventionen erkauft werden. Um die Kostennachteile von Elektroautos gegenüber herkömmlichen PKW auszugleichen, schlägt der Plattform-Bericht Zuschüsse von 4.000 bis 6.000 Euro pro Fahrzeug vor. Im Ergebnis würden die Steuerzahler das Investitionsrisiko für eine Markteinführung übernehmen. "Damit schafft man ineffiziente Produkte und gefährdet das ökologisch vorteilhafte Image von Elektroautos", so Billen. Subventionen sind nach Auffassung des vzbv gerechtfertigt, wenn sie eine klimapolitische Steuerungswirkung haben. Doch Elektroautos verursachen nur dann weniger Kohlendioxid als PKW mit Verbrennungsmotoren, wenn der Antriebsstrom aus regenerativen Quellen stammt. Der vzbv plädiert für einen technologieneutralen Kaufzuschuss für PKW mit geringem CO2-Ausstoß. Für Elektroautos sollte der durchschnittliche Strommix als Grundlage dienen. Gegenwärtig ergibt sich auf dieser Basis kein CO2-Vorteil gegenüber herkömmlichen PKW.

Taxen und Car-Sharing-Modelle bieten größtes Potential
Auch die Infrastruktur für das Aufladen von Elektroautos muss aus Sicht des vzbv ohne Subventionen auskommen. Ein Marktpotential für elektrisch betriebene PKW ist vor allem im Innenstadtbereich vorhanden. Will man dieses durch privat genutzte Autos erschließen, wäre eine breite Infrastruktur erforderlich, deren Kosten sich nicht alleine durch Erlöse aus dem Stromverkauf finanzieren ließen. Die Folge wären auch hier staatliche Zuschüsse auf Kosten der Steuerzahler. Gerade in der Anfangsphase sollten daher solche Nutzungen im Vordergrund stehen, bei denen Lademöglichkeiten schon vorhanden sind oder ohne großen Aufwand geschaffen werden können. Dies ist bei Taxen und Car-Sharing-Modellen der Fall, da Anbieter die Kosten für die neue Infrastruktur in ihre Dienstleistung einpreisen können.

Verkehrsplanung aus einem Guss
Nicht zuletzt muss eine sinnvolle Strategie zur Markteinführung von Elektroautos in ein Gesamtkonzept nachhaltiger Mobilität eingebettet sein. "Wir brauchen eine Verkehrsplanung aus einem Guss, bei der klar ist, wohin die Reise geht und welche Schritte dafür nötig sind", so Billen. Dazu sei es erforderlich, industriepolitische und verbraucherorientierte Ansätze zusammenzuführen. Für die Nationale Plattform Elektromobilität bedeutet das, Organisationen der Zivilgesellschaft stärker zu beteiligen, insbesondere im Lenkungskreis, der über die Vorschläge zur Markteinführungsstrategie entscheidet. Die personellen Kapazitäten der Verbraucherorganisationen sind hierfür zu stärken. Bislang war der vzbv an der Plattform nur über die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe beteiligt.

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