Skip to content Skip to navigation Logo Verbraucherzentrale Bundesverband

28.06.2009 > Pressemitteilung

Banken-Test: Vernichtendes Ergebnis für die Qualität der Bankberatung

ZDF-WISO und Verbraucherzentrale Bundesverband decken Defizite der Bankberatung auf
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Die Qualität der Bankberatung in Deutschland ist trotz Finanzkrise katastrophal. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Stichprobe des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) in Zusammenarbeit mit der ZDF-Redaktion WISO. Demnach gelingt es nur einem von 25 Bankberatern, den finanziellen Hintergrund eines möglichen Kunden auszuleuchten und dann auch richtig zu beraten.

"Ich bekomme täglich einiges an Falschberatung auf den Tisch. Trotzdem ist es bestürzend, dass von 25 Beratern tatsächlich 24 schon im Ansatz scheitern", kommentiert Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen das Ergebnis. Bankmitarbeiter berichten, dass die Krise intern nicht thematisiert wird. Sie sollen verkaufen, was die Unternehmensleitung für gut befindet.

Ganz oben auf der Verkaufsliste der Banken stehen zwei Produkte: In 14 der 25 Gespräche wurden offene Immobilienfonds als sichere Geldanlage angeboten, geworben wurde unter anderem mit Sätzen wie: "Dieser Fonds macht niemals minus". Betont wurden die Renditewerte der Vergangenheit oder vermeintliche Steuervorteile. Für Arno Gottschalk ist in den Gesprächen selten von den Problemen der Fonds in den letzten Jahren und den Risiken für die Wertentwicklung die Rede: "Wir haben natürlich Probleme an den Immobilienmärkten. Die Frage ist: was heißt das für die offenen Immobilienfonds? Sind da nur Chancen oder sind da auch Risiken?"

Weiteres Top-Produkt der Bankmitarbeiter waren, für die Tester überraschend, Rentenversicherungen. Zwölf der Berater hatten eine solche Versicherung im Angebot, meist wurde erst auf Nachfrage erklärt, wie hoch die garantierte Rendite im Gegensatz zu den versprochenen Überschüssen ist. Bei der Sparda-Bank in Köln wurden der Testkundin gar drei Rentenversicherungen mit 4, 6 und 12 Jahren Laufzeit angeboten. Ebenfalls in Köln bot die SEB Bank sogar eine sofortige Verrentung an - danach wurde überhaupt nicht gefragt. Arno Gottschalk: "Eine Rentenversicherung ist das klassische Produkt, bei dem man hohe Provision verdienen kann. Es ist nach wie vor eher undurchsichtig und für denjenigen, der Geld anlegen soll, schwer verständlich".

Trotz Krise kein Umdenken in der Bankenbranche in Sicht

Die seit der Lehman-Pleite umstrittenen Zertifikate wurden den Testern zwar nicht angeboten, dafür mit geschlossenen Immobilienfonds und Firmenbeteiligungen aber weitere riskante und durch den Einlagensicherungsfonds nicht geschützte Produkte. Für den Verbraucherzentrale Bundesverband ist das Ergebnis ein Alarmsignal: "Von einem Umdenken in der Bankenbranche ist nichts zu sehen. Es wird weiter am Bedarf vorbei verkauft. Die Risiken der empfohlenen Produkte werden verschwiegen", so Manfred Westphal, Leiter des Fachbereiches Finanzdienstleistungen. Den politischen Absichtserklärungen, die Finanzmärkte und die Finanzvermittlung stärker zu regulieren, müssen bald Taten folgen. Die Zeit zum Handeln ist längst überfällig."

Die ausführlichen Ergebnisse des Tests, wie es um den Anlegerschutz in Deutschland bestellt ist und wie die Banken Druck auf ihre Mitarbeiter im Verkauf machen, zeigt die WISO-Dokumentation "Die große Gier - Wie die Banken unsere Zukunft verspielen" am Montag, den 29. Juni 2009 um 19:25 Uhr im ZDF.