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07.12.2007 > Pressemitteilung

Autoersatzteile: Schluss mit Monopolgewinnen auf Kosten der Autobesitzer

Europaparlament will Monopolgewinne auf Kosten der Autobesitzer verbieten - vzbv: Fünfjährige Übergangsfrist für niedrigere Preise ist zu lang
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pure-life-pictures - fotolia.com

Kleine Blessuren am Auto sind teuer, weil ein Designschutz den Herstellern das Monopol auf Ersatzteile sichert. Für mehr Wettbewerb und günstigere Ersatzteilpreise soll nach EU-Plänen eine verbindliche Reparaturklausel sorgen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt diese Reparaturklausel als wichtiges Signal gegen Monopolgewinne auf Kosten der Autobesitzer. "Es ist höchste Zeit, dass die Ersatzteil-Vorherrschaft der Hersteller gekippt wird. Jeder Tag ohne Öffnung ist eine vom Verbraucher bezahlte Zusatzrendite für die Autobauer", so vzbv-Vorstand Gerd Billen. Das Europaparlament wird am 12. Dezember darüber abstimmen, ob und wann der Designschutz für Ersatzteile fällt.

Kritik äußert der vzbv zur vorgesehenen Übergangsfrist von fünf Jahren: "Wer heute vorgibt für Wettbewerb und niedrigere Verbraucherpreise einzutreten, muss diese Forderung auch zügig in die Tat umsetzen." Der vzbv fordert die Mitglieder des Europaparlaments und die deutsche Bundesregierung auf, die Übergangsfrist ganz zu streichen oder sich auf eine kürzere Frist von höchstens zwei Jahren zu einigen. "Wenn Verbraucher noch weitere fünf Jahre warten müssen, wird es vielleicht kaum noch einen freien Ersatzteilmarkt geben", so Billen.

10 Milliarden Euro im Jahr - so viel zahlten die Verbraucher bereits in der alten Europäischen Union (EU-15) für sichtbare Ersatzteile. Darunter fallen beispielsweise Kotflügel, Windschutzscheiben und Scheinwerfer. Gerade diese designgeschützten Ersatzteile werden häufig bei Unfällen beschädigt und müssen deshalb am häufigsten ausgetauscht werden. Was die Ersatzteile kosten, hängt vor allem davon ab, ob sie unter den Designschutz fallen oder ob es Ausnahmen für Reparaturen gibt. "In Deutschland zahlen Verbraucher für die Originalteile zum Teil doppelt soviel wie in anderen Ländern", sagt Roland Stuhr, Referent für Wirtschaftsrecht im vzbv. Nach europäischen Berechnungen liegen die Mehrkosten für einen vorderen Kotflügel eines BMW 316i bei 223 Prozent und eines Golf III bei immerhin 212 Prozent.

Eine für alle Mitgliedsstaaten verbindliche Reparaturklausel ist bislang am Widerstand vor allem von Deutschland gescheitert. Der vzbv erwartet von der Bundesregierung eine verbraucherfreundliche Lobbyarbeit in Brüssel und ein klares Signal für mehr Wettbewerb und niedrigere Preise. Im Ergebnis würden nicht nur die Kosten für die Ersatzteile, sondern auch die Versicherungsprämien sinken. "Das Design des Autos wird schon beim Neuwagenkauf bezahlt", so Stuhr: "Es ist nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet Autofahrer, die einen Unfall haben, neben den Reparaturkosten ein weiteres mal für das Design bezahlen sollen."