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20.06.2012 > Podcast

Neue Roaming-Gebühren in der EU

Interview mit vzbv-Referentin Lina Ehrig
Quelle: 
Mviner – fotolia.com

Ab dem 1. Juli 2012 gelten nicht nur neue Obergrenzen für Telefonate und SMS, auch das Daten-Roaming im europäischen Ausland wird günstiger. Die vzbv-Referentin Lina Ehrig erläutert im Interview, was sich für Verbraucher ändert, und warum dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die Deckelung nicht weit genug geht.

Was ändert sich? 
Endlich gibt es bei den Endkundentarifen nicht nur eine Obergrenze für Telefonate und SMS im Ausland, sondern auch für das Daten-Roaming. Das war bislang nicht so und das fordern wir schon seit etlichen Jahren. Ab 1. Juli 2012 zahlt man pro Megabyte nur noch maximal 70 Cent und die Kosten werden sich jetzt Jahr für Jahr verringern. Mit der neuen Verordnung wird es außerdem auch eine Kostenbremse für das Daten-Roaming im außereuropäischen Ausland geben. Das ist ganz neu – dann werden Verbraucher auch kein böses Erwachen mehr bei Reisen in Länder außerhalb der EU erleben. Ab 2014 können Verbraucher dann für Reisen einen anderen Mobilfunkanbieter speziell für das Roaming auswählen, wenn der zum Beispiel einen besseren Auslandstarif als der inländische Mobilfunkvertragspartner des Verbrauchers anbietet. So soll der Wettbewerb zwischen den Mobilfunkanbietern angekurbelt werden.

Wie bewertet der vzbv die Neuerungen?
Es ist zwar gut, dass es nun endlich auch Obergrenzen für die Endkundentarife im Daten-Roaming gibt, allerdings hätten wir uns gewünscht, dass die Europäische Kommission hier ehrgeiziger ist. Wir haben von Anfang an eine Obergrenze von 50 Cent pro Megabyte ab Juli 2012 gefordert, weil die Mobilfunkanbieter dann immer noch genug verdienen. Die Kommission konnte sich hier aber nur zu 70 Cent pro Megabyte durchringen und das ist an der Stelle unverständlich. 

Warum sinken die Preise erst nach und nach?
Die Regulierung von Preisen ist ein massiver Eingriff in den Wettbewerb und darf deshalb nur das allerletzte Mittel sein. Deswegen ist auch das vorrangige Ziel der Kommission nicht die Absenkung der Preise, sondern die Ankurbelung des Wettbewerbs. Sie hatte schon in den Roaming-Verordnungen davor die Hoffnung, dass aufgrund der Vorgaben die Mobilfunkanbieter die Preise selber senken und verfolgt auch jetzt das Ziel, dass die Preisvorgaben irgendwann nicht mehr nötig sind. Das klingt gut, ist aber an der Stelle nur die halbe Wahrheit. Wir vermuten, dass die Kommission sich bei einer stärkeren Absenkung der Preise nicht getraut hat, die Gewinnspanne der Unternehmen noch weiter zu beschneiden.

Was sollten Verbraucher beachten?
Verbraucher sollten immer, wenn sie ins Ausland reisen, überprüfen, welchen Auslandstarif sie gerade nutzen. Die Obergrenzen der Kommission gelten nur für den sogenannten Eurotarif. Der eigene Anbieter kann darüber hinaus aber auch eigene Tarife anbieten, die gegebenenfalls teurer sind. Es kann aber auch sein, dass andere Tarife für Verbraucher sinnvoller sind, wenn sie zum Beispiel speziell auf ein Land zugeschnitten sind. Außerhalb der EU sollte man immer noch ganz besonders vorsichtig sein, weil die Obergrenzen für die Tarife dort nicht gelten und die Tarifinformation und die Kostenbremse auch nur soweit technisch möglich erfolgen.

Sendefähige O-Töne von Inga Höltmann, vzbv

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