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12.01.2016 > Podcast

Audio: Tierschutz in der Landwirtschaft

Sendefähige O-Töne von Klaus Müller, Vorstand des vzbv
Quelle: 
Mviner – fotolia.com

Tierschutz darf etwas kosten – wenn die Tiere wirklich profitieren. So würden rund zwei Drittel der Verbraucher mehr für Fleisch zahlen. Doch sie wollen sicher sein, dass die Tierhaltung besser ist. Klaus Müller, Vorstand des vzbv, stellt anlässlich der Internationalen Grünen Woche 2016 die Forderungen des vzbv vor: bessere Kennzeichnung von Produkten aus tiergerechter Haltung, strengere Regulierung und Kontrolle sowie mehr Verbraucherbildungsangebote.

Der vzbv bietet die sendefähigen O-Töne zum kostenlosen Download an. Bitte nennen Sie bei der Nutzung eines Podcasts oder von O-Tönen als Quelle "Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)" mit dem Deeplink zum Podcast. Ein Manuskript finden Sie im Download.

Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), beantwortet folgende Fragen:

O-Ton 1: Wie steht es um den Tierschutz in der deutschen Landwirtschaft? 0:20 min
 

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass es mit dem Tierwohl in Deutschland nach wie vor Probleme gibt. Das sind die berühmten Fälle, wo Schwänze oder Schnäbel gekürzt werden, damit sich Tiere nicht gegenseitig verletzen. Es geht um fehlende Bewegungs- oder Beschäftigungsmöglichkeiten, und ich glaube sowohl in der Landwirtschaft wie im Handel, wie in Politik und Verbraucherschaft gibt es ein Problembewusstsein.

O-Ton 2: Sind die Verbraucher bereit, mehr Geld für Fleisch aus tiergerechter Haltung zu bezahlen? 0:27 min
 

Die Verbraucher sind bereit, mehr Geld zu bezahlen, wenn sie gleichzeitig wissen, dass es dann auch den Tieren besser geht. Das ist jetzt das Ergebnis mehrerer Umfragen der letzten Tage, die alle in eine gleiche Richtung gehen. Es gibt aber auch etwas wie eine zwingende Notwendigkeit, nämlich eine Koppelung aus Glaubwürdigkeit gegen Zahlungsbereitschaft. Nur wenn ich sicher sein kann, dass es den Tieren wirklich besser geht, bin ich auch bereit, mehr zu zahlen, und das ist heute noch nicht gegeben.

O-Ton 3: Wie können Verbraucher Fleisch aus tiergerechter Haltung erkennen? 0:39 min
 

Es ist ein Kernübel, dass es vielen Menschen eben nicht möglich ist, heute klar zu erkennen, welches Label eigentlich für artgerechte Tierhaltung steht. Fast die Hälfte der Menschen hat Probleme, das genau zuzuordnen. Für viele Menschen bedeutet artgerechte Tierhaltung zwingend Bio-Standard, und das ist dann natürlich dann ein sehr hoher Preissprung. Insofern wird es darum gehen, ein staatlich garantiertes Tierschutzlabel zu bekommen, das gerade auch im konventionellen Tierbereich Unterschiede in der Qualität deutlich macht. Wenn dieses tatsächlich verlässlich und glaubwürdig ist, dann ist daran auch eine Zahlungsbereitschaft geknüpft.

O-Ton 4: Ist Fleisch aus tiergerechter Haltung automatisch Biofleisch? 0:31 min
 

Wir wollen diese Schwarz-Weiß-Diskussion aufbrechen, die bisher sagt, dass nur Bio-Standard, der ein guter Standard ist, gleichbedeutend ist mit Tierwohl. Es geht darum, den Menschen ein Mehr an Wahlfreiheit zu ermöglichen. Das heißt, innerhalb des konventionellen Fleischsegmentes gibt es die Möglichkeit, mehr für den Tierschutz, mehr für das Tierwohl zu tun. Damit sind wir noch nicht bei dem Preisniveau, das rund um Bio zwingend notwendig ist, sondern wir können den Menschen tatsächlich mehr Möglichkeiten eröffnen, bei gleichzeitig mehr Tierschutz.

O-Ton 5: Die Erzeuger stehen unter ökonomischem Druck. Müssen die Kosten für höhere Tierwohlstandards an die Verbraucher weitergegeben werden? 0:35 min
 

Wir haben zwei Stellschrauben in der Landwirtschaftspolitik. Das eine sind staatliche Subventionen, die es heute nach wie vor milliardenschwer gibt, und ich glaube, es wäre ein richtiger und konsequenter Schritt zu sagen, die Förderung der so genannten Agrarinvestitionsprogramme, die es heute für neue Ställe oder Stallumbauten gibt, die muss tatsächlich an deutlich höhere Tierschutzstandards gekoppelt werden. Für alles andere gibt es dann keine staatliche Unterstützung mehr. Aber genauso klar ist, ohne eine höhere Zahlungsbereitschaft der Verbraucher wird es nicht gehen. Qualität hat ihren Preis, und wichtig ist für die Verbraucher, dass sie sich darauf verlassen können.

O-Ton 6: Welche Forderungen stellt der vzbv? 0:49 min
 

Es wird nur durch ein Maßnahmenbündel gehen. Und zu diesem Maßnahmenbündel gehört erstens ein staatlich garantiertes Label, an dem ich mich verlässlich orientieren kann, dazu gehört eine Umwidmung der staatlichen Förderpolitik, dazu gehören scharfe und harte Kontrollen. Es geht um die Frage, wie der Handel hier mit Werbebotschaften umgeht und, dass er sich auch ein bisschen davon verabschiedet, nur auf die Preissignale zu setzen, Qualität ist das große Stichwort. Und wir reden natürlich auch über Verbraucherbildungsangebote, beginnend in den Schulen, dass tatsächlich verlässlich Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene lernen, wo kommen unsere Lebensmittel her, was ist ihr Wert, und auch wie bereite ich sie so zu, dass es mir das nachher auch selber wert sein kann.

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