Datum: 20.08.2013

Deckelung der Provisionen beseitigt nicht Fehlanreize im Versicherungsvertrieb

vzbv fordert Provisionsverbot für alle Geldanlageberatungen

Onlinemeldung

Quelle: opolja - fotolia.com

Verbraucherzentralen und Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisieren schon lange Provisionen bei Altersvorsorgeprodukten. Nun zeigt diese Kritik Wirkung: Medienberichten zufolge diskutieren die deutschen Versicherungsunternehmen, Vermittlerprovisionen zu begrenzen. Doch das reicht nach Ansicht des vzbv nicht aus. Eine Deckelung der Provisionen beseitigt nicht die Fehlanreize im Versicherungsbetrieb. Für eine Finanzberatung, die sich am Bedarf der Verbraucher orientiert, ist ein einheitliches Provisionsverbot erforderlich.

Lebens- und Rentenversicherungen werden oft am Bedarf der Verbraucher vorbei verkauft. Denn der Vertrieb wird, wie der Verkauf von Finanzdienstleistungen, über Provisionen gesteuert. So werden hauptsächlich provisionsträchtige Produkte verkauft, aber nicht unbedingt die für den Verbraucher passendsten und effizientesten. Auch führt die Vertriebsmethode zu einer schlechten oder fehlenden Betreuung während der Vertragslaufzeit.

Eine weitere Folge dieses Provisionssystems ist ein erheblicher finanzieller Schaden bei einer vorzeitigen Vertragskündigung. Mit den Beiträgen der Verbraucher werden in den ersten Vertragsjahren zunächst die Abschluss- und Vertriebskosten beglichen, bevor auszahlbares Kapital gebildet wird. Nach einer Studie der Verbraucherzentrale Hamburg, für die konkrete Beratungsfälle ausgewertet wurden, liegt der durchschnittliche Schaden für den Verbraucher bei einem vorzeitigen Vertragsabbruch bei 4000 Euro. Deshalb fordert der vzbv, die Abschluss- und Vertriebskosten über die gesamte Vertragslaufzeit zu verteilen.

Provisionsverbot bei kapitalbildenden Versicherungsprodukten

Eine Deckelung der Provisionen in der Lebensversicherung greift zu kurz. Im Rahmen eines einheitlichen Regulierungsrahmens von Anlageprodukten für Verbraucher ist es erforderlich, die Weichen für ein generelles Provisionsverbot für Finanzberatungen zu stellen. Dies schließt kapitalbildende Versicherungsprodukte mit ein. Nur eine Finanzberatung, die nicht durch Vermittlungsprovisionen, sondern direkt vom Verbraucher vergütet wird, kann ergebnisoffen sein. Ihr Ziel darf nicht der Produktverkauf, sondern die bedarfsgerecht Finanzempfehlung sein. Auch eine allgemeine Analyse der Bedarfsgerechtigkeit und Stimmigkeit des Finanzportfolios kann so ergebnisoffen Gegenstand der Finanzberatung sein, weil diese nicht länger über die Vermittlung neuer Produkte vergütet wird. So können etwa ein unverändertes Finanzportfolio oder das Auflösen von Finanzpositionen Ergebnis einer ausschließlich am Bedarf des Verbrauchers orientierten Beratung sein.

Ansprechpartner

Pressestelle

Service für Journalistinnen und Journalisten
presse@vzbv.de (030) 258 00-525

Ansprechpartner

Lars Gatschke

Referent Team Finanzmarkt
info@vzbv.de +49 30 25800-0