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29.12.2011 > Onlinemeldung

Wettbewerb im Gesundheitswesen

Höhere Effizienz im Gesundheitswesen durch mehr Wettbewerb
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Mehr Wettbewerb soll die Effizienz des Gesundheitswesens verbessern. Dieser Wettbewerb muss durch klare Regeln so gestaltet sein, dass sich qualitativ bessere Leistungen durchsetzen und die Versorgung den Interesssen der Patienten gerecht wird.

Mehr Wettbewerb soll die Effizienz des Gesundheitswesens verbessern. Dieser Wettbewerb muss durch klare Regeln so gestaltet sein, dass sich qualitativ bessere Leistungen durchsetzen und die Versorgung den Interesssen der Patienten gerecht wird.

Eine wichtige Säule des Wettbewerbs im Gesundheitswesen soll nach dem Willen des Gesetzgebers der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen um die besonders gute Versorgung sein. Statt alle Versicherten einheitlich im Rahmen des Kollektivvertrags zu versorgen, wurden gesetzliche Grundlagen geschaffen, auf deren Basis einzelne Krankenkassen mit einzelnen Leistungserbringern oder deren Gruppen Verträge schließen können, die regeln, wie ambulante und/oder stationäre Behandlung aussehen soll. Damit sollen innovative Formen der Versorgung entwickelt und auf ihre Praxistauglichkeit hin erprobt werden.

Diese sogenannten Selektivverträge umfassen die hausarztzentrierte Versorgung (§ 73b Sozialgesetzbuch - SGB V), die besondere ambulante Versorgung (§ 73c SGB V) und die integrierte Versorgung (§ 140a ff. SGB V). Gesetzlich Versicherte sollen sich jene Krankenkassen auswählen, in denen sie die für ihre Bedürfnisse passendste und vor allem qualitativ beste Versorgung erhalten. Soweit die Theorie. In der Praxis wurde mit dem Hinweis auf Wettbewerb und Vertragsgeheimnis eine weitgehend intransparente Zone in der gesetzlichen Krankenversicherung geschaffen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert an Selektivverträgen vor allem folgende Punkte:

  • Es gibt keine der Öffentlichkeit zugängliche Übersicht über Gegenstand und Qualität der bestehenden Verträge. Eine vergleichende Darstellung der Versorgungspakete für Verbraucher ist daher derzeit unmöglich.
  •  Es gibt keine Gewähr dafür, dass die Versorgung innerhalb der Verträge den Qualitätsstandards der Regelversorgung entspricht. Eine klare Verpflichtung zur Einhaltung der Mindestvorgaben und ihre Überprüfung fehlen ebenso wie die Einbeziehung in die allgemeinen Maßnahmen zur Qualitätssicherung. 
  • Als Vertragspartner für die integrierte Versorgung kommen seit der Gesundheitsreform 2010 auch Hersteller von Medizinprodukten und Arzneimitteln in Frage. Damit wächst die Gefahr für Patientinnen und Patienten, dass sie mit der Einschreibung in ein solches Programm ihre Therapie auf bestimmte Behandlungsformen einschränken. Es ist häufig undurchschaubar, welche ökonomischen Anreize für die behandelnden Einrichtungen innerhalb der Verträge bestehen.  
  • Da die hausarztzentrierte Versorgung verpflichtend von den Krankenkassen mit bestimmten privaten Gruppen hausärztlicher Leistungserbringer abgeschlossen werden muss, ergeben sich hieraus Mehrkosten für die Versichertengemeinschaft, ohne dass bisher nachgewiesen wurde, dass dem auch entsprechende Verbesserungen der Versorgung gegenüberstehen.

Mit den Selektivverträgen wäre prinzipiell die Chance verbunden, dass Versicherte innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung mehr Wahlfreiheiten hätten. Auch könnte der Wettbewerb zu einem Entdeckungsverfahren für gute innovative Versorgungsinhalte werden. Damit dies geschehen kann, setzt sich der Verbraucherzentrale Bundesverband dafür ein, dass die gesetzlichen Grundlagen für eine Wettbewerbsordnung im Gesundheitswesen geschaffen werden, welche Transparenz und Versorgungssicherheit für Patientinnen und Patienten gewährleistet und die oben dargelegten Missstände behebt.