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08.11.2011 > Onlinemeldung

Wenn alles mit allem zusammenhängt

Um die Kosten der Energiewende zu begrenzen, braucht es ein schlüssiges Gesamtkonzept
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Wichtige Stellschrauben der Energiewende sind Versorgungssicherheit, Netzausbau, Energieeffizienz und erneuerbare Energien, die eng miteinander verzahnt sind. Gelingt es beispielsweise nicht, wie geplant den Stromverbrauch bis 2020 um zehn Prozent zu senken, entsteht ein Bedarf an zehn bis elf neuen Großkraftwerken. Bislang fehlt ein strategisches Gesamtkonzept, das solche Zusammenhänge berücksichtigt.

Die Energiewende wird veränderte Strukturen der Energieerzeugung mit sich bringen, in die Bürger investieren sollen, sei es in Photovoltaik und Windkraft oder Kraft-Wärme-Koppelung (KWK). Die Voraussetzung dafür ist Transparenz: „Verbraucher müssen relevante Daten einsehen können, etwa zum Zustand der Strom- und Gasnetze“, erklärt Frauke Rogalla, Energieexpertin im Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Ferner müssten die Vergütungssätze für erneuerbare Energie nachvollziehbar und die Netzentgelte transparent sein. Dafür ist nach Auffassung des vzbv eine unabhängige Marktwächterstelle erforderlich, die Verbraucherpreise beobachtet und bei problematischen Entwicklungen einschreitet.

Kostenfaktor Netzentgelte

Ein entscheidender Faktor für die Kosten der Energiewende sind die Netzentgelte. Sie fallen in den verschiedensten Bereichen ins Gewicht und wirken sich direkt auf die Verbraucherpreise aus: beim Netzanschluss und -ausbau ebenso wie beim Aufbau intelligenter und flexibler Strukturen, beim Ausbau der Speicherkapazitäten oder dem Ausbau der Elektromobilität. Die Höhe der Entgelte hängt wesentlich davon ab, wie teuer der Netzausbau wird. „Die Energiewirtschaft errechnet immer höhere Kosten, die am Ende der Verbraucher zahlen müsste. Doch belastbare Zahlen von unabhängiger Seite gibt es bislang nicht“, so Rogalla.

Gesucht: Verlässliche Planungsdaten

An welchen Stellen neue Stromtrassen nötig sind, hängt davon ab, wo der Strom produziert wird. Offshore-Windparks an der Nordsee machen Leitungen in den Süden erforderlich. Setzt die Politik auf Windanlagen in Baden-Württemberg oder Bayern, fällt der Bedarf geringer aus. Kosten lassen sich auch durch die Optimierung bestehender Netze begrenzen oder durch eine stärkere Nutzung von KWK-Anlagen und Speichern. Der vzbv fordert, die Infrastruktur nur dort auszubauen, wo dies unvermeidlich ist. Entscheiden lässt sich dies nur auf Grundlage verlässlicher Planungsdaten. „Die Politik ist hier in der Bringschuld“, meint Rogalla.