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23.11.2015 > Onlinemeldung

Weg mit der Wegwerfgesellschaft

"Runder Tisch Reparatur" übergibt Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth acht Forderungen zur Stärkung der Reparatur
Quelle: 
Boggy - fotolia.com
  • Der Runde Tisch Reparatur will Wege zu einem Ende der Wegwerfgesellschaft aufzeigen.
  • Das Bündnis aus Verbraucherschützern, Wirtschaft und Zivilgesellschaft fordert neue Reparaturkultur.
  • Steuererleichterungen für Reparaturen und reparierte Produkte gefordert.

Steuervergünstigungen auf Reparaturen und Gebrauchtwaren fordert der Runde Tisch Reparatur. Anlässlich der europäischen Abfallvermeidungswoche haben heute die Mitglieder der neuen Initiative ihren Forderungskatalog an Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth übergeben. Sie betonen die Bedeutung der Reparatur für eine ressourcensparende und klimafreundliche Lebensweise. Das Bündnis aus Verbraucherschützern, Wissenschaftlern, Umweltverbänden, Wirtschaft, und Zivilgesellschaft fordert von der Politik, die Rahmenbedingungen für Reparaturen zu verbessern. Produkte zu reparieren sei nachhaltiger als Recycling, so das Bündnis.

Der Runde Tisch Reparatur will Wege zu einem Ende der Wegwerfgesellschaft aufzeigen. Reparaturen stärken die lokale Wirtschaft, schaffen Arbeitsplätze und haben positive Auswirkungen auf die Umwelt: Nirgendwo in Europa fällt so viel Elektroschrott an wie in Deutschland. Allein 2014 waren es nach Angaben der United Nations University 1,8 Millionen Tonnen.

„Verbraucher müssen die Option erhalten, durch Reparatur die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und damit Ressourcen zu schonen", sagt Marion Jungbluth, Teamleiterin Energie beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Zugang zu allen wichtigen Informationen sicherstellen

Zentrale Forderungen des Runden Tisches Reparatur sind unter anderem, den Zugang zu Ersatzteilen und allen wichtigen Informationen, Werkzeugen und Diagnosetools zu erschwinglichen Preisen für alle reparierenden Marktakteure sicherzustellen. Zudem wird eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf Reparaturen und Gebrauchtwaren vorgeschlagen. So ließe sich der Kaufanreiz für reparierte Produkte und das nachhaltige Wirtschaften stärken.

„Aktuell ermöglicht die Politik, dass für die Mülltonne produziert wird. Verschleißteile wie Akkus müssen austauschbar bleiben und die Bedingungen für die Reparatur dürfen sich nicht weiter verschlechtern. Die Stärkung der Reparatur muss ein zentraler Baustein bei der Umsetzung des Nationalen Programms für Nachhaltigen Konsum werden", sagt Cornelia Heydenreich von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Detlef Vangerow vertritt beim Runden Tisch etwa 1000 reparierende Werkstätten und FachhändlerInnen und weist auf die Probleme der Branche hin. Er fordert: "Wir brauchen eine richtige Reparaturrevolution. Alle reparierenden Marktakteure müssen Zugang zu Ersatzteilen erhalten, und zwar zu erschwinglichen Preisen."

Tom Hansing vom Netzwerk Reparatur-Initiativen ergänzt: „Wir fordern eine neue Reparaturkultur. Ein verändertes Konsumentenbewusstsein entfaltet sich dort, wo Nachhaltigkeit gemeinsam und kooperativ praktiziert werden kann. Reparaturrelevante Informationen müssen daher unkompliziert zur freien Verfügung gestellt werden.“

Eick von Ruschkowski vom NABU macht klar: "Die Bundesregierung und die EU-Kommission werden ihrer Verantwortung bei der Gestaltung reparaturfreundlicher Produkte und Prozesse nicht gerecht. Nur durch klare Vorgaben beim Ökodesign und steuerliche Anreize wird Reparieren einfacher und lohnt sich wieder."

Rolf Buschmann vom BUND warnt: "Das Reparieren und Wiederverwenden möglichst vieler Geräte leistet einen wichtigen Beitrag zum Ressourcenschutz. Defekte Geräte zu recyceln ist nur die zweitbeste Lösung, da wichtige Rohstoffe verloren gehen. Und beim Produzieren neuer Geräte werden wieder neue Ressourcen verbraucht."

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