Skip to content Skip to navigation Logo Verbraucherzentrale Bundesverband

03.01.2012 > Onlinemeldung

Verwirrung für den größten Pflegedienst der Nation

Die Ansprüche auf Pflegezeit müssen einheitlich geregelt werden
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Pflege ist in Deutschland größtenteils Privatsache: Die meisten Pflegebedürftigen werden von ihren Angehörigen zu Hause versorgt. Neue Gesetze zur Pflegezeit sorgen bei den Angehörigen für Verwirrung.

Waschen, auf Toilette gehen, Essen kochen, Gespräche und Aufmerksamkeit, und das täglich: Einen Angehörigen zu pflegen kann, je nach Pflegebedarf, ein Vollzeitjob sein. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen, rund 1,6 Millionen, wird von Freunden oder der Familie versorgt. Der größte Pflegedienst der Nation, das sind die Angehörigen. Durch neuere gesetzliche Regelungen wird ihnen das Leben unnötig schwer gemacht.

Zwei Gesetze für einen Bereich

Seit der Pflegereform 2008 haben die Angehörigen einen rechtlichen Anspruch, sich bis zu einem halben Jahr vom Arbeitgeber freistellen zu lassen. So steht es im Pflegezeitgesetz. Seit 2011 gibt es nun zusätzlich noch ein weiteres Gesetz für die Angehörigen: das sogenannte „Familienpflegezeitgesetz“. Beide Gesetze sollen dasselbe regeln, allerdings sind sie höchst unterschiedlich ausgestaltet. Die Leidtragenden sind somit diejenigen, für die die Gesetze eigentlich gemacht wurden: die Angehörigen der Pflegebedürftigen.

Im Wirrwarr der Gesetze

Laut Pflegezeitgesetz von 2008 dürfen sich die Angehörigen bis zu einem halben Jahr von der Arbeit freistellen lassen ohne Lohnersatzleistung. Im Familienpflegezeitgesetz von 2011 sind es hingegen zwei Jahre – mit Lohnersatzleistung. Im Pflegezeitgesetz wiederum ist die Freistellung ein Rechtsanspruch, im Familienpflegezeitgesetz jedoch nicht. Das Ergebnis der zwei Gesetze: Verwirrung pur. „Die gesetzlichen Regelungen müssen zusammengeführt werden“, sagt Dieter Lang, Pflegeexperte im vzbv. „Es muss eindeutig sein, wie lange der Rechtsanspruch auf Pflegezeit gilt und wie die Lohnersatzleistungen geregelt sind“, so Lang. So könnte den Angehörigen ihre ohnehin schon schwere Aufgabe erleichtert werden.

Downloads