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04.12.2014 > Onlinemeldung

Versicherte der Krankenkassen müssen Hauptlast erwarteter Kostensteigerungen tragen

Klaus Müller Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands im Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe
Politiker und Experten fordern umfassende Änderungen
Quelle: 
vzbv / Holger Gross

Zum 1. Januar 2015 ändert sich die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Der allgemeine Beitragssatz sinkt, zugleich wird der Arbeitgeberanteil eingefroren. Mittelfristig kann es dabei für viele Versicherte teuer werden. Das ist eines der Ergebnisse der vzbv-Tagung „Zukunft der Krankenversicherung“ mit Gesundheitsexperten, Verbraucherschützern und Politiker im Beisein von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht konkreten Handlungsbedarf, um die Krankenversicherung zukunftsfähig zu machen. „Eine kurzfristige Entlastung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es perspektivisch für viele Versicherte teurer wird. Denn die Versicherten tragen alle zukünftigen Kostensteigerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung allein. Da die Gesundheitsausgaben stetig steigen werden, wird das mittel- und langfristig von den Versicherten geschultert werden müssen“, sagt vzbv-Vorstand Klaus Müller.

Der Kostendruck sowohl in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als auch in der privaten Krankenversicherung (PKV) dürfe nicht zulasten der Leistungen für Versicherte gehen, so Müller.

Steigende Ausgaben der GKV werden Versicherten aufgebürdet

Ab dem nächsten Jahr zahlen Versicherte der GKV zwar nur noch 14,6 Prozent ihres Lohns als Beitrag – bislang waren es 15,5 Prozent. Doch zugleich wird der Anteil der Arbeitgeber auf 7,3 Prozent eingefroren. Das heißt: Wenn perspektivisch die Kosten und damit Beiträge steigen, müssen die Versicherten das alleine stemmen.

Aufgrund der demografischen Entwicklung und dem technisch-medizinischen Fortschritt ist mittelfristig davon auszugehen, dass die Ausgaben innerhalb der GKV stetig weiter steigen. „Der Abschied von der paritätischen Beitragsfinanzierung ist nicht in Ordnung. Es muss eine Dynamisierung des Arbeitgeberanteils geben, oder konkrete Belastungsgrenzen, die greifen, sobald die Beitragszahler zu sehr belastet werden“, fordert Müller.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verteidigt die Deckelung des Arbeitgeberanteils für die Beiträge zur Krankenversicherung. Während der Veranstaltung des vzbv mahnte er zugleich besondere Sparsamkeit der Kassen, Mediziner und Versicherten an. Er setzte sich dafür ein, genau zu prüfen, wo Sparreserven und Leistungspotentiale vorhanden sind.

Gleicher Zugang zu medizinischen Leistungen für alle

Im Alter sind Privatversicherte einem höheren Risiko für Krankheiten ausgesetzt. Gleichzeitig sind sie vielfach mit steigenden Beiträgen konfrontiert. Für die Versicherten besteht dann zwar grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Selbstbeteiligung zu erhöhen, um ihren Beitrag für die PKV zu reduzieren. Dies hat aber zur Folge, dass bei einem Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt hohe privat zu tragende Kosten anfallen, die viele Versicherte finanziell überfordern.

Kehren sich die anfänglichen, positiven finanziellen Anreize im Alter also um, stellt sich die Frage, wer die Folgen einer finanziellen Überforderung zu tragen hat. Ein Solidarausgleich zwischen den Generationen und Einkommensgruppen findet in der PKV anders als in der GKV nicht statt. „Ähnlich wie beim Basistarif sollte bei allen PKV-Verträgen eine Kostendeckelung greifen, wenn die Beiträge die finanzielle Leistungsfähigkeit der Verbraucher übersteigen“, sagt Müller.
 

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