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29.12.2011 > Onlinemeldung

Verbraucherforschung gezielt und systematisch finanzieren und fördern

Quelle: 
opolja - fotolia.com

Eine moderne Verbraucherpolitik braucht Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Forschung. Um passende Lösungen für Verbraucherprobleme zu finden und situationsgerechte und zielgruppenorientierte Entscheidungen zu treffen, ist eine breit angelegte Verbraucherforschung unumgänglich.

Verbraucher kümmern sich um Riesterrenten, Handyverträge und Paketlösungen, gesunde Ernährung, Zusatzversicherungen, Geldanlagen und Depotentwicklung; sie sind kleine Fachleute für Flachbildfernseher, Digitalkameras und Waschmaschinen; sie kennen sich mitunter in Tarifsystemen und Streckenverbindungen im Öffentlichen Nahverkehr besser aus als die Menschen, die sie uns verkaufen sollen, - und manchmal sind wir als Verbraucher einfach überfordert und erschöpft.

Umwälzungen in der globalen politischen und wirtschaftlichen Ordnung, die Liberalisierung und Deregulierung in ehemals staatlichen Monopolmärkten der Daseinsvorsorge und die Dynamik bei den Informationstechnologien haben die Welt, in der Verbraucher sich kompetent bewegen und entscheiden sollen, vielfältiger und komplexer gemacht.

Wir stehen als Verbraucher regelmäßig vor Entscheidungen, die neu sind und mitunter weitreichende Konsequenzen haben. Verbraucher sind wir schon lange nicht mehr nur im Supermarkt unterwegs, sondern auch da gefordert, wo es um soziale Absicherung und existentielle Fragen geht.

Differenzierte wissenschaftliche Grundlagen sind notwendig

Damit die Verbraucherpolitik erfolgreiche Lösungen anbieten kann, muss sie sich auf eine differenzierte wissenschaftliche Grundlage stützen können.
Eine zeitgemäße moderne Verbraucherpolitik entwickelt und bewertet Lösungsvorschläge auch vor dem Hintergrund wissenschaftlich fundierter Wirkungsanalysen. Wir brauchen in Deutschland eine gezielte und systematische Förderung der Verbraucherforschung, damit politische Akteure eine bessere Entscheidungsgrundlage auch in der Verbraucherpolitik erhalten.
Die unterschiedlichen Ansprüche von Politik und Wissenschaft, ihre unterschiedlichen Handlungslogiken und Sprachen sollen dabei nicht übersehen werden. Um das Potential der Verbraucherforschung für die Politikberatung zu Gunsten einer erneuerten Verbraucherpolitik zu nutzen, sind drei erste Schritte sinnvoll:

  • Der Aufbau eines „Sachverständigenrates für Verbraucherfragen und nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik“, der Vorschläge und Modelle zur besseren systematischen Berücksichtigung von Verbraucherbelangen in der Gesetzesfolgenabschätzung („Verbrauchercheck“) erarbeitet.
  • Die Entwicklung einer verbraucherbezogenen Forschungsagenda durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie die Bereitstellung von mehr Forschungsförderungsmitteln für anwendungsbezogene Forschung und Grundlagenforschung in besonders problematischen Märkten
  • materielle und koordinierende Unterstützung bei der Vernetzung der unterschiedlichen Disziplinen der Verbraucherwissenschaften.

Neben einer systematischen Entwicklung der Marktanalyse aus der Perspektive der Verbraucher bedürfen vor allem die grundlegenden Fragen einer intensiveren Untersuchung:
• Erkenntnisse zu Verbraucherverhaltenstendenzen

• Qualität und Grenzen von Verbraucherinformation

• Methoden der Evidenzbasierung und Folgenabschätzung bei verbraucherpolitischen Eingriffen