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14.11.2013 > Onlinemeldung

Verbraucher zahlen für Finanzstabilität

vzbv sieht zunehmende Gefahren für private Altersvorsorge und Vermögensaufbau
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Die Deutsche Bundesbank sieht in ihrem heute veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht das deutsche Finanzsystem stabiler als noch vor einem Jahr. Ein wichtiger Grund für die verbesserte Lage ist die Entspannung auf den internationalen Finanzmärkten in Folge des anhaltend niedrigen Zinsniveaus. Zugleich steigen mit der Dauer der Niedrigzinsphase jedoch die Risiken für die heimische Kreditwirtschaft. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht darüber hinaus steigende Risiken für Verbraucher und deren Altersvorsorge und Vermögensaufbau. „Längst überfällige Maßnahmen zur Reduzierung der Kosten bei Finanzprodukten und zur Sicherung der Qualität in der Finanzberatung müssen spätestens jetzt umgesetzt werden“, fordert Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen beim vzbv.

Mit ihrer Entscheidung, den Leitzins für das Eurowährungsgebiet auf ein historisches Tief von 0,25 Prozent zu senken, hat die Europäische Zentralbank (EZB) Zweifel an einer weiteren Fortführung der aktuellen Niedrigzinspolitik zunächst zerstreut. Geld bleibt also weiter billig und ermöglicht schwächelnden Staaten und angeschlagenen Banken, sich günstig zu refinanzieren. Private Sparer bekommen für risikoarme Geldanlagen jedoch weiterhin kaum mehr als einen Inflationsausgleich.

Erforderliche verbraucherpolitische Maßnahmen

Es ist dafür Sorge zu tragen, dass Verbraucher nun nicht in hochverzinste Risikoanlagen gelockt werden, verbunden mit der Aussicht, so den niedrigen Zinsen ausweichen zu können. Vielmehr ist es wichtig, Verbraucher durch effiziente, das heißt nur mit niedrigen Kosten belastete Produkte zu entlasten und dafür zu sorgen, dass die Anlagen im Sinne der Risikostreuung möglichst breit auf verschiedene Anlageklassen und Anlageprodukte verteilt werden.

 

Da beide Anforderungen bislang nicht vom Markt hergegeben werden, ist hierzu die Politik gefordert. „Erforderlich ist ein gesetzlicher Rahmen, der die Kosten bei Finanzprodukten reduziert. Die Anlageberatung ist so zu regulieren, dass konsequent bedarfsgerechte, risikoangemessene und breit diversifizierte Empfehlungen abgegeben werden“, konkretisiert Mohn das vzbv-Anliegen. Hierzu müsse neben einer angemessenen Qualifikation der Finanzvertriebe, in Verbindung mit strengen Kontrollen, auch über eine Abschaffung von Provisionen nachgedacht werden.

Billiges Geld und die Zeit für Strukturreformen

Tatsächlich leistet die EZB mit ihrer Zinspolitik wichtige Aufbauhilfe für den Euroraum. Denn die mit den niedrigen Leitzinsen verbundene Liquidität erleichtert Europas Banken die dringend benötigte Konsolidierung ihrer Bilanzen. Das schafft günstige Finanzierungsbedingungen für die an den Kapitalmärkten verbliebenen Krisenstaaten des Eurowährungsgebiets. Gleichzeitig verbilligt ein schwacher Euro die Exporte der Eurostaaten gegenüber dem Rest der Welt und leistet somit weitere Aufbauhilfe für die angeschlagenen Volkswirtschaften der südlichen Peripherie.

 

Während niedrige Zinsen zweifelsohne einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der europäischen Volkswirtschaften leisten, schaffen sie gleichzeitig neue Fehlanreize. Insbesondere behindert die Refinanzierung zum Nulltarif eine konsequente Konsolidierung des Bankensektors. Auf politischer Ebene sinkt mit den Kapitalkosten zudem die Bereitschaft, die öffentlichen Haushalte nachhaltig zu konsolidieren und die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen den Anforderungen einer globalisierten Weltwirtschaft anzupassen.

 

Gefahren für die heimische Kreditwirtschaft ergeben sich aus Sicht der Bundesbank insbesondere aus der Notwendigkeit, die Rentabilität durch die Übernahme erhöhter Risiken kurzfristig zu erhöhen. Die Bundesbank sieht vor allem im Bereich der Immobilienfinanzierung erste Anzeichen für eine Überhitzung der Märkte und fordert die Kreditwirtschaft auf, bei der Vergabe von Wohnimmobilienkredite auf konservative Standards zu achten.