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09.07.2014 > Onlinemeldung

Unzureichender Wettbewerb auf den Finanzmärkten

Monopolkommission stellt neues Gutachten vor
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Die Wettbewerbssituation auf den Finanzmärkten ist an vielen Stellen unzureichend. Zu diesem Schluss kommt die Monopolkommission in ihrem heute vorgestellten Gutachten „Eine Wettbewerbsordnung für die Finanzmärkte“. Vor allem staatliche Garantien für Banken, Kosten im Zahlungsverkehr und mangelnde Transparenz bei Gebühren und Provisionen behindern den Wettbewerb.

„Die Ergebnisse der Monopolkommission bestätigen die Beobachtungen des vzbv, dass es um den Wettbewerb auf deutschen Finanzmärkten, von dem auch die Verbraucher profitieren würden, nicht gut bestellt ist. Auf der einen Seite garantieren Steuern das Überleben von Banken. Auf der anderen Seite haben Verbraucher bei der Qualität der Finanzberatung oder beim elektronischen Bezahlen das Nachsehen“ so Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

In ihrem Gutachten kritisiert die Monopolkommission vor allem die staatliche Überlebensgarantie für Banken. Institute, deren Insolvenz das Finanzsystem gefährdet, können auch sechs Jahre nach der internationalen Banken- und Finanzkrise darauf vertrauen, im Krisenfall durch Steuergelder gerettet zu werden. Problematisch sind demnach vor allem die Anreize für kleinere Banken, durch Fusionen einen Größenvorteil zu erlangen.  

Freie Wahl von Zahlungsdiensten garantieren

Weitere Wettbewerbsverzerrungen bestehen im Zahlungsverkehr. Insbesondere befürchtet die Monopolkommission, dass die Erhebung von Gebühren bei der elektronischen Zahlungsabwicklung zum Nachteil von Verbrauchern ausgenutzt wird. Aus Verbrauchersicht braucht es aber für echten Preiswettbewerb mehr als den angedachten Schutz vor überzogenen Gebühren. Entscheidend ist, die freie Wahl von Zahlungsdiensten zu garantieren. Alle elektronischen Zahlungsmittel müssen daher ohne Aufschläge auch weiterhin von allen ausgebenden Instituten akzeptiert werden. Andernfalls wären Verbraucher gegebenenfalls gezwungen, aus Kostengründen eine Vielzahl unterschiedlicher elektronischer Zahlungsmittel zu verwenden. 

Gebühren und Provisionen offen legen

Ein zusätzliches Problem ist die häufig zu hohe Komplexität von Finanzprodukten sowie die mangelnde Transparenz bei Gebühren und Provisionen. Mit Blick auf den Wettbewerbs- und Verbraucherschutz fordert die Monopolkommission daher, Kosten und Vergütungen, wie Vertriebs- und Abschlussprovisionen, offen zu legen. „Die Forderung nach vollständiger Transparenz bei Gebühren und Provisionen ist richtig. Eine Wettbewerbs- und Verbraucherpolitik, die vorrangig auf Information setzt, greift aber zu kurz. Provisionen müssen auch im Sinne gleicher Wettbewerbsbedingungen grundsätzlich vom Tisch“, so Müller.

Dass Transparenzpflichten häufig ins Leere laufen, zeigt eine aktuelle Untersuchung des vzbv zur Offenlegung von Provisionen im Wertpapiervertrieb. In einem Großteil der untersuchten Fälle nutzen Anbieter demnach die Möglichkeit des Festpreisgeschäfts, um ihre Gewinnmargen – und damit ihr Vertriebsinteresse – dem Verbraucher gegenüber zu verschleiern.

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