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30.04.2013 > Onlinemeldung

Unglücke in Textilfabriken von Bangladesch werfen Fragen nach Verantwortung auf

Bundesregierung muss Maßnahmen ergreifen, um Schutz der Menschenrechte zu gewährleisten
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Wer trägt die Verantwortung für Produktionsbedingungen in Asien? Die jüngsten Unglücke in den Textilfabriken Bangladeschs rücken das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) und die Frage nach der Verantwortung von Konsumenten in den Vordergrund.

In den Fabriken, in denen sich diese schweren Unfälle ereigneten, wurden vor allem billige Textilien für den Export produziert. Für viele Verbraucher stellt sich immer mehr die Frage, wie sie durch ihr Kaufverhalten die menschenunwürdigen Zustände verbessern können. Aber: Die Einflussmöglichkeiten des einzelnen Konsumenten sind gering. Handeln müssen vor allem die Unternehmen, aber auch der Staat.

Die Auftraggeber am Anfang der Lieferkette sind immer wieder die gleichen Händler: Primark, Mango, Kik, C&A, H&M und andere platzieren ihre Aufträge in Asiens billigsten Produktionsstätten. Die Preise sind unschlagbar – die Zustände in den Fabriken aber oft unhaltbar.

Ein Boykott von Billigprodukten aus Bangladesch ist aber keine Lösung. Trotz aller Härten liegen die Entwicklungschancen gerade für die Frauen des Landes in der Textilindustrie. Ohne den internationalen Textileinkauf wären die Einbußen für die Volkswirtschaft, die zu 79 Prozent auf den Exporten der Textilindustrie basiert, gravierend.
Die Rechtsbrüche in Bangladesch haben System. Korruption und mangelnder politischer Wille stehen der Lösung der massiven Sicherheitsprobleme, zum Beispiel bei Brandschutz und Gebäudesicherung, im Weg. Individuelle Kaufentscheidungen können deshalb nie die Verantwortungslosigkeit ausgleichen, die Unternehmen und Staaten hier in großem Stil praktizieren.

Internationale Konzerne sind verantwortlich

Internationale Einkäufer nehmen die niedrigen Standards billigend in Kauf. Mit der massiven Einschränkung von Gewerkschaftsrechten und niedrigsten Lohnniveaus erkauft sich das Land den Standortvorteil im harten globalen Wettbewerb. Ein verbindliches Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit, das NGOs und Gewerkschaften in Bangladesch ausgehandelt haben, scheitert seit Monaten am Boykott der Mehrheit der internationalen Kunden – nur zwei der großen Einkäufer haben das Abkommen bislang unterzeichnet: Tchibo und der Textilkonzern PVH.

Verantwortung der Bundesregierung

Europäische Regierungen versagen bei der Wahrnehmung ihrer internationalen Pflichten zum Schutz der Menschenrechte. Statt über Importverbote und Transparenzpflichten Druck auf die Regierung Bangladeschs und die importierenden Unternehmen auszuüben, setzen sie weiterhin auf Freiwilligkeit und die Verantwortung des Einzelnen.
Auch die Bundesregierung ist Teil des Problems. Bis heute hat sie keine konkreten Pläne zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien zum Schutz der Menschenrechte vorgelegt.

Die Bundesregierung muss ihrer staatlichen Pflicht zum Schutz der Menschenrechte nachkommen. Sie muss deutschen Unternehmen gesetzlich vorschreiben, die Menschenrechtsauswirkungen ihrer Tätigkeit zu prüfen und dabei auch die Lieferkette einzubeziehen. Im Fall von Verstößen sollten Sanktionen greifen, indem Unternehmen beispielsweise von staatlichen Aufträgen oder der Außenwirtschaftsförderung ausgeschlossen werden. Verbrauchern muss Zugang zu gesicherten Informationen über das Verhalten von Unternehmen verschafft werden, mit Hilfe von gesetzlichen Offenlegungspflichten und leicht verständlich aufbereiteten Informationen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband setzt sich gemeinsam mit dem „CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung“ für die Umsetzung der UN-Leitprinzipien zum Schutz der Menschenrechte ein. Ein weiteres Ziel ist die Einführung von gesetzlichen Offenlegungspflichten für Unternehmen.

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