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11.09.2015 > Onlinemeldung

Sieben Jahre nach Lehman-Pleite: Provisionsverbot überfällig

Verbraucher werden immer noch falsch beraten
Quelle: 
Jeanette Dietl - fotolia.com

Sieben Jahre nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die eine weltweite Wirtschaftskrise auslöste und massive Probleme im Finanzvertrieb offenlegte, sind Verbraucherinnen und Verbraucher nach wie vor nicht ausreichend vor Fehl- und Falschberatung geschützt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert ein gesetzliches Provisionsverbot, um sicherzustellen, dass im Finanzvertrieb die Interessen der Verbraucher im Mittelpunkt stehen – nicht die Interessen der Berater. 

„Verbrauchern werden nach wie vor ungeeignete und teure Finanzprodukte verkauft, weil der Verkauf dieser Produkte für Kreditinstitute und Finanzvermittler lukrativ ist. So kann Sparen und Altersvorsorge nicht funktionieren. Nur ein Provisionsverbot kann Verbraucher wirksam schützen“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim vzbv.

Beratungsprotokolle erfüllen Zweck nicht

Zwar habe die Politik nach der Lehman-Pleite diverse Maßnahmen ergriffen, um für mehr Transparenz zu sorgen, etwa durch Produktinformationsblätter, Beratungsprotokolle und schärfere Informationspflichten im Grauen Kapitalmarkt. Doch sie griffen nicht weit genug: Verbrauchern werden bis heute Finanzprodukte verkauft, die nicht zu ihrem Bedarf passen. Insbesondere die Beratungsprotokolle erfüllen nicht den vom Gesetzgeber verfolgten Zweck. Die Verbraucherzentralen und der vzbv haben mit zwei Marktuntersuchungen in den Jahren 2010 und 2012 belegt, dass die Protokolle nicht zum Nutzen der Verbraucher geführt werden. Weder bilden sie den Beratungsverlauf nachvollziehbar ab, noch unterstützen sie die Qualität der Anlageberatung. Vielmehr scheinen die Anbieter die Protokolle zu nutzen, um sich von der Haftung gegenüber Verbrauchern zu befreien.

Aus Sicht des vzbv ist eine Trennung von Beratung und Verkauf nötig. Da Vermittler und Vertriebe vom aktuellen Provisionssystem deutlich profitierten und Provisionen weiterhin verschleiert werden könnten, könne sich die honorarbasierte Finanzberatung am Markt kaum durchsetzen. „Ohne ein gesetzliches Verbot von Provisionen wird die Honorarberatung nicht über ein Nischendasein am Markt hinauskommen und der finanzielle Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung weiterhin schlecht bleiben“, so Mohn. Als Vorbild nennt sie Großbritannien und die Niederlande, die seit 2013 gute Erfahrungen mit einem konsequenten Provisionsverbot machten.

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Abschlussbericht der Initiative Finanzmarktwächter „Aufzeichnungspflichten in der Anlageberatung"

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