Skip to content Skip to navigation Logo Verbraucherzentrale Bundesverband

26.03.2015 > Onlinemeldung

Schutzniveaus im Vertrieb von Anlageprodukten einheitlich regulieren

vzbv und Verbraucherzentralen stellen Mängel in der Bedarfsgerechtigkeit von Anlage- und Vorsorgeprodukten fest
Quelle: 
Photographee.eu - Fotolia.com

Die Verbraucherzentralen haben 620 persönliche Geldanlage- und Altersvorsorgeberatungen aus sechs Bundesländern ausgewertet und dabei festgestellt, dass Verbraucher dieser Stichprobe nicht bedarfsgerecht mit Anlage- und Vorsorgeprodukten ausgestattet sind. Bewertet wurde, ob die Produkte zur Geldanlage und Altersvorsorge zu den Bedürfnissen der Verbraucher passen. Die Stichprobenuntersuchung erfolgte im Rahmen des Vorprojekts zum Aufbau des Finanzmarktwächters, gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, wo modellhaft die Arbeitsweisen des Finanzmarktwächters getestet wurden.

Untersucht wurden Produkte, die Verbraucher bereits besitzen, sowie Anlageprodukte, die Banken, Sparkassen und andere Vertriebe ihnen aktuell anbieten.

Die Stichprobe zeigt:

Nahezu jedes zweite in der Vergangenheit erworbene Anlageprodukt war zum Zeitpunkt der Bewertung nicht bedarfsgerecht, weil es zu teuer, zu wenig rentabel, zu unflexibel oder zu riskant war. Die Quote der fehlenden Bedarfsgerechtigkeit je Anleger war noch größer: Acht von zehn Haushalten besaßen mindestens ein nicht bedarfsgerechtes Anlageprodukt.

Es lassen sich auch Schlussfolgerungen zur Qualität der Finanzberatung aus der Bewertung der den Verbrauchern vorgelegten 245 Vertragsangebote ziehen. Denn sie wurden unmittelbar vor der Verbraucherberatung am Markt eingeholt. Hier fiel das Ergebnis schlechter aus als bei den in der Vergangenheit erworbenen Anlageprodukten. Nur 10 Prozent der Angebote waren bedarfsgerecht, 90 Prozent der neu angebotenen Verträge waren demgegenüber nicht bedarfsgerecht. „Angesichts der großen Bedeutung, die der privaten Vermögensbildung und Altersvorsorge zukommt, sind die Ergebnisse alarmierend“, sagt Niels Nauhauser, Leiter der Abteilung Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Der Schwerpunkt der untersuchten Produkte lag bei Versicherungen und Wertpapieranlagen. Die Pilotuntersuchung zeigt für beide Produktgruppen ähnliche Mängel. Während zumindest der ohnehin schon besser regulierte Wertpapiervertrieb zukünftig durch die angepasste EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) noch wirksamer geregelt wird, soll die unzureichende Regulierung des Versicherungsvertriebs beibehalten bleiben.

„Der derzeitige Trilog zwischen EU-Kommission, EU-Rat und Europäischen Parlament bietet die Möglichkeit und sollte dazu genutzt werden, doch noch eine weitgehend einheitliche Regulierung durchzusetzen", fordert Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Auch wenn die neuen europäischen Regeln im Wertpapiervertrieb aus Perspektive des Verbraucherschutzes noch unzureichend sind, sollte trotzdem zumindest dafür gesorgt werden, dass die EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie nicht länger den Regelungen im Wertpapiervertrieb hinterherhinken. So sollte auch beim Vertrieb von Versicherungen in der unabhängigen Beratung ein Verbot von Provisionen gelten. Provisionen sollten nicht nur unmissverständlich in Euro und Cent offenzulegen sein, sondern auch an die Voraussetzung gebunden sein, dass diese die Qualität der Beratung verbessern.

Eine einheitliche und vom Produkt unabhängige Regulierung des Vertriebs ist deshalb so wichtig, weil kapitalbildende Lebensversicherungen und klassische Anlageprodukte im Allfinanzvertrieb substitutiv zum gleichen Anlageziel verkauft werden. Schon heute ist der Bankvertrieb der stärkste Absatzkanal für Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag. „Sollten die Regelungen für die Vermittlung von kapitalbildenden Lebensversicherungen hinter der Regelung zum Vertrieb von Finanzinstrumenten zurück bleiben, wird dies essentielle Wirkungen auf die Vertriebsausrichtung im Finanzvertrieb haben“, so Mohn weiter. Dies diene jedoch weder dem produktübergreifenden Wettbewerb noch dem Kundeninteresse, nach dem eine Trennung von Sparen und Risikoabsicherung sinnvoller ist.

Downloads

Weitere Informationen