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30.06.2014 > Onlinemeldung

Provisionen bei Lebensversicherungen offenlegen

Öffentliche Anhörung zum Lebensversicherungsreformgesetz
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opolja - fotolia.com

Heute findet im Bundestag die öffentliche Anhörung zu dem Gesetzentwurf der Bundesregierung für ein Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) statt. Geplant ist, dass Versicherungsvermittler sämtliche mit dem Versicherungsunternehmen vertraglich vereinbarten Provisionen mitteilen und dokumentieren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht darin einen wesentlichen Schritt zur Offenlegung von Interessenkonflikten beim Verkauf von Lebensversicherungen.

„Die Offenlegung der Provisionen sorgt für einen fairen Wettbewerb der Vergütungssysteme“, sagt Lars Gatschke, Referent Versicherungen beim vzbv. Aus Sicht des vzbv stellt eine Finanzberatung auf Honorarbasis eine bessere Alternative zur provisionsbasierten Finanzberatung dar. Die fehlende Preistransparenz bezüglich des Produktes und bezüglich der Beratungsleistung verhinderte bislang in vielen Fällen eine Entscheidung zugunsten der Honorarberatung.

Honorarberatung und Provisionsvermittlung

Denn einem Beratungshonorar steht ein scheinbar kostenfreies Beratungsgespräch bei einem Finanzvermittler gegenüber. „Schaut man sich die Höhe der in die Anlage- und Altersvorsorgeprodukte einkalkulierten Provisionen einmal näher an, wandelt sich der Nachteil der Honorarberatung vielfach zum Vorteil, denn das Beratungshonorar fällt gerade bei langlaufenden Vorsorgeverträgen niedriger aus als die Provision“, so Gatschke.

Die Behauptung, Verbraucher würden bei Offenlegung der Provisionen ihre Produktauswahl vorrangig an der zu zahlenden Provision orientieren, kann Lars Gatschke nicht nachvollziehen: „Die Transparenz im Fondsbereich hat dafür gesorgt, dass für ein und dasselbe Produkt ein Markt unterschiedliche Vertriebswege mit unterschiedlichen Höhen von Provisionen etabliert, so dass Verbraucher den für sich besten Weg wählen können. Bei Versicherungen wird dieser Preisleistungs-Wettbewerb im Vertrieb systematisch verhindert.“

Wettbewerbsgleichheit im produktübergreifenden Vertrieb

Die Offenlegung der Provisionen würde zudem auch im produktübergreifenden Vertrieb für Wettbewerbsgleichheit sorgen. Bei vielen Geldanlageprodukten ist eine Transparenz der Provisionen unterdessen gesetzliche Pflicht. Dort muss nicht nur der Produktgeber (wie im Versicherungsbereich bisher ausschließlich) über die Gesamtkosten des Produktes informieren, sondern auch der Intermediär über seine Vergütung durch den Produktgeber.

In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden, dass sich bei Anlageprodukten die Offenlegung nicht auf die für den Abschluss der Verträge mit dem Versicherungsunternehmen vertraglich vereinbarten Provisionen beschränkt. Die Offenlegung bezieht sich auf sämtliche Zuwendungen, also Provisionen, Gebühren oder sonstige Geldleistungen sowie alle geldwerten Vorteile. Der vzbv fordert, dass auch Vermittler von Versicherungen den Gesamtbetrag der Zuwendungen in Euro offenlegen müssen.

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